"Carlo, der König von Europa!"

So reagieren die Medien auf die Ancelotti-Verpflichtung

München - Ein Star-Trainer geht und ein anderer kommt zum FC Bayern. So reagiert die nationale und internationale Presse auf die Verpflichtung von Carlo Ancelotti. 

Der FC Bayern hat das Kalenderjahr 2015 mit einem Paukenschlag beendet. Damit ist nicht der Arbeitssieg vom Samstag gegen Hannover 96 gemeint (1:0), sondern die Presseerklärung, die der Verein einen Tag später veröffentlichte. Auf ihrer Homepage gaben die Bayern bekannt, dass Trainer Pep Guardiola den deutschen Rekordmeister mit Ende der Saison verlassen wird. Gleichzeitig verkündeten die Münchner die Verpflichtung des Italieners Carlo Ancelotti als neuen Übungsleiter.

Obwohl sich die Anzeichen für die Personalentscheidung bereits seit geraumer Zeit verdichtet haben, hat die Bekanntgabe für viele Schlagzeilen gesorgt. Wir fassen das nationale und internationale Medienecho auf den Wechsel an der Seitenlinie des FC Bayern zusammen.

Nationale Pressestimmen: Ancelotti mindestens "gute Wahl"

In seiner tz-Kolumne "Hart aber Felix" meint Ex-Bayern-Trainer Felix Magath, dass Carlo Ancelotti eine gute Wahl sei. "Ein Trainer, der dreimal die Champions League gewonnen hat, genießt automatisch eine große Autorität. Außerdem hat er im Umgang mit Ronaldo bewiesen, dass er auch im Umgang mit starken Persönlichkeiten kein Problem hat." Der Haltung von Magath schließt sich auch Andreas Werner, Sportredakteur beim Münchner Merkur, an: "Eine logische, wohl auch eine gute Wahl. Der Italiener weiß, wie man die Champions League gewinnt, er hat das zwei Mal mit Milan und ein Mal mit Real Madrid geschafft. Er kann mit Stars, und wie man hört, ist sein Führungsstil ein charmanter Mix aus Professionalität und Jovialität."

Sven Westerschulze aus der TZ Sportredaktion geht sogar noch einen Schritt weiter und glaubt, dass der Italiener die Bayern auf ein noch höheres Niveau heben kann. "Mit Carlo Ancelotti haben die Münchner den Trainer verpflichtet, der als einziger bislang drei Mal die Champions League gewinnen konnte. Den Trainer, von dem sogar selbstherrliche Superstars wie Zlatan Ibrahimovic und ­Cristiano Ronaldo in den höchsten Tönen schwärmen. Den Trainer, der selbst die von Guardiola ans Maximum herangeführte Mannschaft noch einmal verbessern kann."

Eurosport-Chefredakteur Thomas Janz kommentiert die Verpflichtung von Carlo Ancelotti etwas nüchterner: "Mit Ancelotti kommt ein Mann, der die Mannschaft wieder mehr in den Mittelpunkt rücken wird. Und zwar nicht mit leeren Worthülsen wie "ich liebe meine Spieler", um sowohl die Medien als auch die Öffentlichkeit zu beschwichtigen, sondern mit offenen und ehrlichen Worten. Es wird wieder ruhiger zugehen an der Seitenauslinie bei Spielen des FC Bayern. Und das ist gut so."

Und Bild-Sportchef Walter M. Straten ist der Meinung, dass der FC Bayern inzwischen auch perfekt Trainer-Wechsel könne. "Als Anfang 2013 feststand, dass Pep Guardiola kommen würde, spielten sie unter Jupp Heynckes die beste Bundesliga-Rückrunde ihrer Geschichte (16 Siege, ein Unentschieden) und gewannen das Triple. Das kann sich jetzt wiederholen. Guardiola wird zwar für sechs Monate zum Auslaufmodell, aber noch längst keine lahme Ente! Und: Mit Carlo Ancelotti kommt ein gleichwertiger Nachfolger."

Italienische Schlagzeilen: "Carlo, der König von Europa!"

In Italien haben sie sich fast überschlagen vor Begeisterung. Die Bestätigung, dass Carlo Ancelotti Trainer des FC Bayern wird, verleitete die Autoren der Tageszeitungen zu den blumigsten Formulierungen. „Karl der Große“ dehne sein Reich nun auf die Bundesliga aus, schrieb La Repubblica voller Ehrfurcht. La Stampa bezeichnete es sogar als die „natürliche Krönung einer einmaligen Karriere“, dass Carletto, wie sie ihn nennen, dass also „Karlchen“ der nächste Trainer ist, „der die Lederhosen beim Oktoberfest tragen wird“.

Die Gazzetta dello Sport bezeichnet in gar als kontinentalen Herrscher und nennt den Grund für seine Verpflichtung: "Carlo, der König von Europa! Nach 18 Jahren wird mal wieder ein Italiener den FC Bayern München führen. Ancelotti hat die Verantwortlichen der Bayern nicht nur mit seinen Erfolgen bei Milan, Chelsea, PSG und Real überzeugt, sondern vor allem mit der Art und Weise, mit der er die Münchner im Champions-League-Halbfinale 2014 mit Real entzauberte."

Carlo Ancelotti dirigiert ab Juli 2016 an der Seitenlinie des FC Bayern.  

Il Giornale weiß, dass Pep Guardiola ein schweres Erbe hinterlässt. "Falls es Guardiola auch in dieser Saison nicht schafft, den Champions-League-Titel nach München zu holen, wird Carletto versuchen, die Scharte auszuwetzen. Er, der den Henkelpott schon drei Mal gewonnen hat. Dennoch dürfte es nicht einfach werden, die Erfolge von Guardiola bei den Bayern zu wiederholen. Ancelottis Entscheidung dürfte auch damit zusammenhängen, dass er nun auch die fünfte Top-Liga in Europa kennenlernt. Nun wird Carlo versuchen, das Unmögliche möglich zu machen - Deutsch zu lernen."

Die Presse ist sich einig. Pep Guardiola hinterlässt beim FC Bayern große Fußspuren. Doch wenn sie einer ausfüllen kann, ist es Carlo Ancelotti.

deu mit dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

Analyse: Darum bröckelt der Mythos Thomas Müller
Analyse: Darum bröckelt der Mythos Thomas Müller
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
Hummels hilft in Afrika: „Macht mich tief betroffen“
Hummels hilft in Afrika: „Macht mich tief betroffen“
Transfergerüchte und aktuelle News: Welche Spieler holt der FC Bayern München 2017?
Transfergerüchte und aktuelle News: Welche Spieler holt der FC Bayern München 2017?

Kommentare