FCB-Verteidiger im tz-Interview

Benatia über die Terrorgefahr: "Ich habe keine Angst"

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Medhi Benatia beim Interview.

München - FCB-Innenverteidiger Medhi Benatia spricht im tz-Interview über die Familie, Flüchtlinge und der Terrorgefahr.

Herr Benatia, vor einigen Tagen sind Sie zum dritten Mal Vater geworden – Glückwunsch!

Medhi Benatia (l.) mit tz-Reporter Sven Westerschulze.

Benatia: Vielen Dank, uns geht es allen gut. Meine Frau und unsere Tochter Alya sind schon zu Hause, alles ist gut gelaufen. Es ist ein tolles Gefühl, sein eigenes Kind zum ersten Mal im Arm zu halten. Und für unsere Familie ist es zum Ende des Jahres ein besonders schönes Geschenk.

Kommen Sie derzeit nachts zum Schlafen?

Benatia: Ja, meine Frau Cecile und ich haben zurzeit getrennte Schlafzimmer. Wir haben in den kommenden Wochen noch so viele wichtige Spiele, da muss ich fit sein. Aber natürlich bin ich für meine Familie da. Und sobald es in die Winterpause geht und ich ein bisschen Urlaub habe, werde ich Cecile auch nachts helfen (lächelt). Viel schlimmer war es für mich, als unser Sohn Kays geboren wurde. Einen Tag später musste ich zum Afrika Cup und meine Familie alleine lassen. Das war eine schwere Zeit.

Ist die Familie das Wichtigste für Sie?

Benatia: Oh ja, meine Familie ist sehr, sehr wichtig. Als Fußballer hast du viele Freunde, aber wenig richtig gute. Du bist immer unterwegs, spielst in verschiedenen Ländern für verschiedene Vereine. Natürlich mag ich meine Teamkollegen und verstehe mich gut mit ihnen, aber im Leben außerhalb der Kabine gibt es vielleicht zwei, drei echte gute Freunde. Meine Familie ist immer bei mir, deshalb steht sie an erster Stelle.

Auf dem Platz wird aus dem Familienmenschen ein knallharter Verteidiger...

Benatia (schmunzelt): Das bringt der Beruf nun mal mit sich. Auf dem Platz habe ich einen Job, der erledigt werden muss. Da bin ich knallhart, gnadenlos – aber ohne jemanden verletzen zu wollen. Im Training bin ich übrigens nicht so aggressiv, unsere Stürmer müssen ja an den Spieltagen fit sein. Aber sobald es am Wochenende ums Gewinnen geht, kann ich keine Rücksicht nehmen. Wer ein Tor gegen uns schießen will, kriegt ein Problem mit mir.

Ihnen bereitet Ihr Körper immer wieder Probleme.

Benatia: Ja, vor allem die letzte Verletzungspause war nicht einfach für mich. Ich hatte so eine gute Vorbereitung, war in starker Form und habe im ersten Spiel gegen den HSV sogar ein Tor erzielt – und plötzlich war ich wieder verletzt. Mich ärgern die Verletzungen ungemein, vor allem, weil ich mich jedes Mal wieder neu herankämpfen muss. Eines kann ich Ihnen sagen: Alleine zu trainieren macht keinen Spaß. Aber jetzt bin ich wieder fit und will es auch bleiben.

Das müssen Sie auch, denn in der Abwehr tobt der Konkurrenzkampf. Alle vier Innenverteidiger sind fit.

Benatia: Gut, dass Sie das ansprechen. Es ist wichtig, dass wir nicht nur über mich, sondern auch über Javi und Holger reden. Sie sind beide nach schweren Verletzungen zurückgekommen. Ich weiß selbst, wie schwer das ist und spüre, wie sehr sie ihre Rückkehr wollten und darauf hingearbeitet haben. Das ist auch ein Beispiel für die Willensstärke unserer Mannschaft. Klar, das macht es für mich nicht einfacher. Aber ich werde es dem Trainer so schwer wie möglich machen, mich nicht aufzustellen. Natürlich bin ich nicht zufrieden, wenn ich auf der Bank sitze. Aber wer ist das schon? Deshalb muss ich gute Leistungen zeigen. Wenn ich das tue, dann spiele ich auch.

Beim FCB herrscht eitel Sonnenschein, in der Welt sieht es anders aus. Sie sind in einem Vorort von Paris aufgewachsen. Was haben Sie gedacht, als Sie vom Terror erfahren haben?

Benatia: Als Erstes habe ich an meine Familie gedacht, ich habe noch Verwandte in Paris. Und dann natürlich an meine Kollegen, an Kingsley Coman und die deutschen Spieler, die im Stadion waren. Es ist schrecklich, was passiert ist. Für mich ist es Glück, dass niemandem etwas passiert ist, der mir nahesteht.

Hatten Sie eine Woche später im Spiel gegen Schalke ein mulmiges Gefühl?

Benatia: Nein, ich habe keine Angst. Ich möchte mein Leben weiterleben. Ich war von den Anschlägen schockiert, aber man darf sich nicht einschüchtern lassen. Und ich fühle mich hier in Deutschland sehr sicher.

Aus diesem Grund kommen auch viele Flüchtlinge nach Deutschland. Sie kommen aus Marokko, haben auch schon über ihre schwere Kindheit in Armut im Geburtsland Ihres Vaters gesprochen. Sehen die Menschen keine andere Chance?

Benatia: Die Leute fliehen aus Ländern wie Syrien, weil sie Angst um ihr Leben haben. Ich würde an ihrer Stelle wahrscheinlich auch so handeln. Glauben Sie mir, ich bekomme mit, was in der Welt passiert, und die Bilder von Bombenanschlägen und toten Menschen tun mir sehr weh. Aber es gibt andere Leute, die darüber reden sollten, nicht ich.

Dann reden wir wieder über Sie: Es gibt immer wieder Gerüchte über eine Rückkehr nach Italien.

Benatia: Eins vorweg, ich fühle mich sehr wohl in München und habe nicht vor, den FC Bayern zu verlassen. Aber ich bin ehrlich, gerade am Anfang war es hier nicht leicht für mich. Das Wetter war so kalt, die Sprache sehr schwer. Sollte irgendwann jemand aus dem Verein zu mir sagen, dass Bayern nicht mehr mit mir plant, geht die Welt für mich auch nicht unter. Ich habe zwar noch dreieinhalb Jahre Vertrag, aber ich bin nicht hier, um den auszusitzen. Kommt es soweit, werden wir sicher eine Lösung finden. Aber momentan gibt es für mich keinen Grund an Abschied zu denken.

Bayern souverän gegen Hertha - Dreimal Note Zwei!

Interview: S. Westerschulze

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