Angeschlagener Rekordmeister

Frust in München: Bundesliga-Gegner glaubt an völlig neue Chance gegen FC Bayern - „Situationen ausnutzen“

Im Duell mit Bayern-Leader Joshua Kimmich: Yannick Gerhardt (re.) vom VfL Wolfsburg.
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Im Duell mit Bayern-Leader Joshua Kimmich: Yannick Gerhardt (re.) vom VfL Wolfsburg.

Der FC Bayern tritt schwer angeschlagen beim Bundesliga-Dritten VfL Wolfsburg an. Im Interview mit tz.de und Merkur.de spricht Yannick Gerhardt über die unverhoffte Chance gegen den Rekordmeister und die Sekunden vor einem Konter.

München/Wolfsburg - Ein verletzter Torjäger Robert Lewandowski, der die Reise nicht mit antritt und fürs Aufbautraining an der Säbener Straße in München bleibt. Viel Frust nach dem Champions-League-Aus bei Paris Saint-Germain (2:3, 1:0). Dazu die Dauerfehde zwischen FCB-Trainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic*.

VfL Wolfsburg gegen FC Bayern: Bundesliga-Kontrahent wittert Chance gegen deutschen Rekordmeister

Keine Frage: Mitte April wirkt die Situation beim FC Bayern München angespannt. Der deutsche Rekordmeister macht einen angeschlagenen Eindruck. Ist das die große Chance für die Konkurrenz?

Vor dem Bundesliga-Duell in Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr, hier im Live-Ticker) sprach VfL-Mittelfeldmann Yannick Gerhardt im Interview mit tz.de* und Merkur.de* über defensive Anfälligkeiten der Bayern - und an der Mittellinie parkende Stürmer.

Herr Gerhardt, was haben Sie am Dienstagabend zwischen 21 Uhr und 22.45 Uhr gemacht?
Yannick Gerhardt: Das ist offensichtlich. Ich habe natürlich das Spiel des FC Bayern in Paris verfolgt. Das hätte ich auch gemacht, wenn wir nicht jetzt am Wochenende gegen die Bayern spielen würden. Weil solch ein Champions-League-Spiel auf einem sehr hohen Niveau gespielt wird. Da hat man auf jeden Fall die Qualität beider Mannschaften gesehen, insbesondere von Bayern München*.
Wenn Sie sich das Spiel der Münchner Mannschaft aus der Sicht eines Profi-Fußballers angesehen haben, was ist Ihnen aufgefallen?
Sie spielen fußballerisch und technisch auf einem sehr hohen sauberen Niveau. Jeder Spieler verkörpert diese besondere Bayern-Mentalität. Offensiv können sie über die Außen immer gefährliche Torchancen kreieren. Über Bayern München weiß ohnehin jeder Bundesliga-Spieler Bescheid.

Bayern verteidigt sehr hoch, da bieten sich gute Chancen.

Wolfsburgs Yannick Gerhardt

VfL Wolfsburg gegen FC Bayern: Münchner wegen hoher Verteidigung anfällig?

Auf was muss der VfL Wolfsburg gegen den FC Bayern achten?
Wir müssen aus dem letzten Spiel bei Eintracht Frankfurt (3:4, d. Red.) unsere Lehren ziehen. Bayern hat offensiv noch mehr Qualität als Frankfurt. Das heißt: Wir müssen unsere defensive Stärke zum Einsatz bringen, noch konsequenter verteidigen, unsere Konter gut absichern, sodass wir in der Restverteidigung sicher stehen. Offensiv müssen wir mutig agieren. Bayern verteidigt sehr hoch, da bieten sich gute Chancen. Bayern München ist Tabellenführer, aber ich hoffe, dass wir unsere Chance nutzen können.
Sie sprechen die hochstehende Verteidigung der Bayern an. Die Münchner wirkten in den vergangenen Monaten und Wochen nicht nur gegen PSG bei schnellem Umschaltspiel anfällig. Ist genau das Ihre Chance?
Naja. Wenn sie so hoch verteidigen, machen sie es der gegnerischen Mannschaft erstmal sehr schwer. Sie haben sehr viel Druck am Ball. Deswegen braucht man gegen sie eine gute Vororientierung. Aber klar: Wir wollen versuchen, diese Situationen auszunutzen.

VfL Wolfsburg gegen München: „FC Bayern macht sehr viel Druck auf den Spieler am Ball“

Wie darf sich der Fan die Sekunden nach der Balleroberung auf dem Spielfeld vorstellen: Wolfsburg parkt vorne Stürmer Wout Weghorst, Sie spielen unmittelbar nach Ballgewinn den langen Diagonalball und ab geht es?
Wir können es uns gegen Bayern nicht erlauben, einen Spieler vorne zu parken (lacht). Dafür ist die Qualität des Gegners zu hoch. Wenn wir gut gegen den Ball arbeiten wollen, fängt das beim Stürmer an. Wenn ein Gegner den Ball erobert, macht der FC Bayern sehr viel Druck auf den Spieler am Ball. Wenn man dann nicht direkt eine andere Lösung parat hat, ist der direkte Diagonalball in die Offensive sicher eine Lösung.
Ihr Kollege Ridle Baku hat Riesen-Fortschritte gemacht. Er ist Nationalspieler geworden, der Leader der deutschen U21 sowieso. Und er ist im Umschaltspiel schnell. Ist das der Spielertyp, den es gegen den FC Bayern braucht?
Klar. Ridle hat eine sehr gute Entwicklung bei uns genommen. Er ist sehr variabel einsetzbar. Am Anfang war er eher defensiv gefragt, mittlerweile kommt er mehr über die Offensive. Er ist sehr wertvoll für uns, spiegelt das Spiel unserer Mannschaft wider. Denn: Ridle arbeitet sehr gut gegen den Ball und nimmt sich offensiv seine Aktionen. Sein Tor gegen Frankfurt war schön herausgespielt. Ich hoffe, dass er auch gegen Bayern einen sehr guten Tag hat.

FC Bayern München: Gegner VfL Wolfsburg will unbedingt in die Champions League

Ridle Baku, dessen Vorname eine Hommage an Weltmeister Karl-Heinz „Kalle“ Riedle ist, hat im November gegen Tschechien debütiert. Sie haben 2016 in Italien für Deutschland ein Länderspiel gemacht. Ständig werben Experten dafür, dass Maximilian Arnold in die Nationalmannschaft gehört. Müsste der VfL Wolfsburg mehr berücksichtigt werden?
Über dieses Thema wurde zuletzt viel gesprochen. Wir können uns nur über den Verein empfehlen. Wenn wir mit Wolfsburg weiter für positive Schlagzeilen sorgen, uns mit dem VfL oben in der Tabelle festsetzen, werden wir Argumente für die Nationalmannschaft haben. Alles andere wurde schon genug gesagt.
Wohin soll es noch gehen mit dem VfL Wolfsburg? Die Qualifikation für die Champions League ist greifbar - und das klare Ziel der Kabine
Vor der Saison hatten wir uns zum Ziel gesetzt, dass wir uns für das internationale Geschäft qualifizieren wollen. Man muss sich nur anschauen, welche Qualitäten die Mannschaften in der Bundesliga haben. Aber klar: Wenn du sechs Spieltage vor Saisonende auf dem dritten Tabellenplatz stehst, willst du diesen bis zum Schluss verteidigen. So ehrgeizig ist man als Sportler. Viele aus unserer Mannschaft haben noch nie Champions League gespielt, das ist ein Traum für jeden Spieler. Es wird schwierig. Aber wir sind zuversichtlich und wollen dieses Ziel erreichen.
Und das Ziel vor Augen gibt einem den letzten Push? Auch die Erkenntnis, dass Sie wahrscheinlich vor einem Klub wie Borussia Dortmund stehen werden?
Ja. Das ist momentan der Fall. Wir wissen, welche Mannschaften hinter uns sind. Ihre Qualität ist sehr hoch. Aber wir sind stolz auf uns, dass wir auf diesem Niveau dagegenhalten. Unser Restprogramm wird schwer. Wir wollen aber zeigen, dass wir zu Recht da oben stehen und auch gegen Bayern München punkten.

Ein Interview von Patrick Mayer

*Merkur.de und tz.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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