Sammer schwärmt vom Neuzugang

"Wir werden viel Freude mit Coman haben"

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Kingsley Coman (r.) verstärkt den FC Bayern.

München - Das Transferfenster schließt heute. Beim FC Bayern gibt es noch Last-Minute-Wechsel: Dante geht, Coman kommt. 

Matthias Sammer hat so gut wie immer einen kleinen Rollkoffer dabei, auch bei Heimspielen. Wenn der Sportvorstand des FC Bayern die Allianz Arena verlässt, zieht er ihn normalerweise – begleitet vom lauten Geräusch der Rollen auf dem perforierten Boden – hinter sich her und sagt: „Heute spreche ich nicht.“ Anders am Samstag. Denn da kam Matthias Sammer lockeren Schrittes, redewillig und ohne Koffer durch die Katakomben spaziert. In der Hand lediglich ein kleines Notizbuch. Doch das drückte er an sich, als sei es heilig.

Noch knapp 48 Stunden lief die Transferphase am Samstagabend nach dem Abpfiff des souveränen 3:0 der Bayern im Topspiel gegen Bayer Leverkusen, und Sammer tat so, als habe er in dem mit feinem Leder eingebundenen Buch noch einige Überraschungen parat. Im vergangenen Jahr etwa war Xabi Alonso in den letzten Tagen der Wechselperiode mal schnell aus dem Ärmel geschüttelt worden, den hatte kaum einer auf dem Zettel gehabt. Heuer aber sind solche Blitz-Transfers kurz vor Ladenschluss unwahrscheinlich. Die Personalien, die am Tag nach dem dritten Sieg im dritten Saisonspiel verkündet wurden, waren abzusehen: Dante verlässt die Bayern in Richtung Wolfsburg. Und Kingsley Coman kommt von Juventus Turin. Heißt: In der Abwehr hat man noch einen Mann weniger, dafür vorne noch einen mehr.

„Ich weiß nicht, ob ich schon darüber sprechen muss, darf, soll“, hatte Doppel-Torschütze Thomas Müller am Abend über den sich anbahnenden Wechsel von Coman gesagt. Spätestens nach Sammers von einem breiten Grinsen begleiteten Worten „warten Sie mal ab“ war klar, dass der Franzose in den nächsten Stunden erwartet werden würde. Am Sonntag dann wurde der 19-Jährige (mit Gold-Kettchen und Gold-Schuhen bekleidet) in einem Münchner Café gesichtet.

Zwei Jahre auf Leihbasis wird der Außenstürmer, der als weitere Alternative zu Franck Ribery und Arjen Robben gilt, vom Champions League-Finalisten ausgeliehen. Danach kann der Meister „eines der größten Talente des europäischen Fußballs“ (Sammer) für rund 21 Millionen kaufen. Den Medizincheck absolvierte er gestern vor der Unterschrift, dann posierte er mit dem Bayern-Dress mit der Nummer 29.

„Er ist schnell, technisch versiert. Wir werden viel Freude mit ihm haben“, sagte Sammer. Coman möchte „in München den nächsten Schritt machen“. Dass er trotz der Verpflichtung von Douglas Costa geholt wurde, weil man nicht mehr an eine Genesung des verletzten Ribery glaubt, dementierte Sammer („hat nichts mit Franck zu tun“). Es ist aber offensichtlich, dass man sich für eine Zukunft ohne die einst furchteinflößende Flügelzange rüstet. Der Umbruch, der öffentlich seit der vergangenen Saison von den Bayern gefordert wird, ist in der heute ablaufenden Transferfrist eingeleitet worden. Das hat auch Dante zu spüren bekommen.

17 Abschieds-Minuten gönnte Pep dem Brasilianer

Dante hatte 17 Minuten Zeit, sich von den Fans zu verabschieden.

17 Abschieds-Minuten hatte Pep Guardiola dem Brasilianer am Samstag gegönnt. „Mit Bayern habe ich all meine Träume erlebt“, sagte der 31-Jährige nach seinem letzten Auftritt im Bayern-Trikot. Er selbst wusste schon, dass der Transfer nach Wolfsburg so gut wie in trockenen Tüchern ist, zum „Traumspiel“ gegen den Fanclub Red Power in Deggendorf fuhr er gar nicht mehr mit. Während der Partie kam dann die Bestätigung. Man habe ihm „den Wunsch nach mehr Spielzeit nicht verwehren wollen“, sagte Karl-Heinz Rummenigge. Beim VfL wartet ein Dreijahresvertrag. Und die Bayern dürften durch sein mit den Transfers in diesem Sommer.

Die öffentlichen Schreie nach einem Ersatz für Dante waren schon während des Spiels am Samstag leiser geworden. Denn die Not-Abwehrreihe um die beiden Aushilfs-Innenverteidiger Xabi Alonso und David Alaba hatte ihre Sache so gut gemacht, dass Namen wie etwa der des umworbenen Aymeric Laporte nicht mehr angesprochen wurden. „Ein Weltklassespiel“ attestierte Sammer den Vertretern von Jerome Boateng (gesperrt) und Medhi Benatia (verletzt) – und auch der gesamten Mannschaft. Leverkusen hielt lange gut mit, war letztendlich aber müde und dann auch chancenlos.

Sammers Fazit: „Wir sollten uns daran orientieren, was gut war, mehr ist aber nicht passiert. Es gibt keine fünf Punkte für dieses Spiel.“ In seinem (heiligen) Notizbuch stehen drei Punkte mehr. Macht insgesamt neun. Und die Erkenntnis: Saisonstart geglückt.

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