Der FC Bayern auf Weihnachtsmission

"Das sind die Momente, für die man Fußball spielt"

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„Ein schönes Polster“ haben die Bayern nach dem Sieg auf Schalke jetzt in der Bundesliga – acht Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger Dortmund. Hier erzielt Müller das dritte Münchner Tor zum 3:1 gegen die Königsblauen.

München - Der FC Bayern hat bei Schalke die Weichen für eine ruhige Adventszeit gestellt. Thomas Müller zeigte sich danach begeistert.

Das Duell auf Augenhöhe fand nach dem Abpfiff statt. Und es ging weniger um Taktik oder technische Raffinesse, sondern vielmehr um optische Details. Selbst Manuel Neuer unterbrach die Gespräche mit seinen ehemaligen Schalker Kollegen (die im Gegensatz zu den Fans in der Kurve nett zu ihm waren) und musste zweimal hinsehen, als die beiden Protagonisten im Kabinengang der Veltins-Arena aufeinandertrafen.

Von Schalker Seite: Klaas-Jan Huntelaar, oben ohne, bekleidet lediglich mit Badeschlappen und einer weißen, leicht transparenten und vor allem knallengen Radlerhose. Von Bayern-Seite: Sein Landsmann Arjen Robben, oben ohne, bekleidet lediglich mit einem roten Handtuch um die Hüften. Es schien unmöglich, in diesem kurzen Moment einen Sieger zu küren. Auf dem Platz war es zuvor zumindest etwas einfacher gewesen. Obwohl die Partie auf Schalke eine war, die tatsächlich mal einen Hauch von Topspiel hatte.

„Regen, tiefer Boden, Abendspiel – und dann gewinnen. Das sind die Momente, für die man Fußball spielt“, sagte Thomas Müller, der mit seinem Treffer zum 3:1 in der Nachspielzeit zur Höhe des Ergebnisses beigetragen hatte. Er hatte sich aber zuvor wie alle Bayern – trotz der namhaft besetzten Offensivreihe um Robben, Müller, Douglas Costa und Robert Lewandowski – lange an der sortierten und tief stehenden Schalker Abwehr die Zähne ausgebissen. Nachdem Max Meyer den abgefälschten (Glücks-)Treffer von David Alaba schnell egalisiert hatte, war es kurzzeitig eine Partie, die in beide Richtungen hätte kippen können. Schalke lauerte auf seine Chancen, „aber“, sagte Trainer André Breitenreiter, „ein kleiner Fehler wird von den großen Bayern bestraft“. Den machte die Innenverteidigung kollektiv und ließ Javi Martinez zum Kopfball kommen. Dass ausgerechnet ein Innenverteidiger die Bayern auf die Siegesspur führen musste, sprach Bände.

„Man muss auch mal ackern und kämpfen. Das war die Botschaft vom Trainer: Wenn man etwas erreichen will, muss man immer Vollgas geben“, sagte Robben und führte den BVB als negatives Beispiel an. Beim 1:3 der Dortmunder in Hamburg am Vortag sei „mehr drin gewesen. Aber wenn die die Punkte liegen lassen, müssen wir zuschlagen. Das haben wir gemacht.“ Acht Zähler Vorsprung sind es nun nach 13 Spieltagen, „ein schönes Polster“, sagte Müller. Zwar warnte Robben davor, dass es „ein Kampf bis zum Schluss“ werde. Daran glaubt außer den Bayern aber kaum einer mehr.

37 Punkte hat zu diesem Zeitpunkt der Saison noch keine andere Mannschaft gehabt, nach wie vor ist man in der Liga ohne Niederlage. Und auch wenn Schalke nicht ganz so unter die Räder kam wie etwa Dortmund und Wolfsburg zuvor: Dass die Bayern heuer nicht mal in den vermeintlichen Topspielen Punkte liegen lassen, ist der kleine, aber feine Unterschied zur ohnehin schon überlegenden vergangenen Saison.

Zwar habe es „uns im letzten Jahr auch nicht geschadet, dass wir in den großen Spielen oft nicht gewonnen haben“, sagte Müller. Derzeit aber klappe es einfach, „immer gute Spiele zu machen, Konzepte umzusetzen, zu reagieren als Mannschaft und individuell gut zu arbeiten“. Kurz gesagt: Fußball zu spielen, wie Trainer Pep Guardiola sich das vorstellt.

Gegen Schalke etwa reichte es in der letzten Saison lediglich zu zwei Unentschieden. In den sechs Spielen gegen die Verfolger Wolfsburg, Mönchengladbach und Leverkusen gab es gerade mal zwei Siege. Dieses Jahr aber, sagte Müller treffend, war man stets „deutlich überlegen“. Auf Schalke, auf einem „katastrophalen Platz“ (Sportvorstand Matthias Sammer) mal nicht lediglich mit Ballstafetten und Zauberfußball, sondern mit „Kampf, Leidenschaft und Disziplin“ (Robben). In der Summe ging aber auch dieser Sieg mehr als in Ordnung.

Der Start in die letzte heiße Phase der Hinrunde ist – trotz der traurigen Rahmenbedingungen im ersten Spiel nach dem Terror von Paris – gelungen. Gewinnen die Bayern nun auch morgen Abend (20.45 Uhr) in der Allianz Arena das vorentscheidende Gruppenspiel der Champions League gegen Olympiakos Piräus, kann die Adventszeit genossen werden. „Wir haben eigentlich das ganze Jahr über die Phase, in der wir versuchen, uns mit Siegen ein paar ruhige Tage zu verschaffen“, sagte Müller scherzhaft. Er weiß aber wie alle anderen, dass die Weihnachtsmission dieser Tage auf Hochtouren läuft. Die Weichen für ein schönes Fest können derzeit gestellt werden.

In der Liga ist es so gut wie abgehakt, in der Königsklasse erwartet auch niemand große Überraschungen. Und neben dem Platz? Hat Robben (wie auch Huntelaar) alles dafür getan, um sich zu gegebener Zeit das ein oder andere Plätzchen leisten zu können.

Hanna Schmalenbach

Nur einmal Note 2 - aber Hauptsache gewonnen

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