Biograf des Arsenal-Trainers im tz-Interview

Was Guardiola von Arsène Wenger lernen kann

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Seit 1996 hat er das Sagen bei Arsenal: Arsène Wenger, dessen Vertrag im Sommer 2017 endet.

München - Das 2:0 gegen die Bayern aus dem Hinspiel hat gezeigt: Arsène Wenger hat es noch drauf! Doch wie tickt der 66-Jährige, der Pep Guardiola heute wieder das Fürchten lehren will?

John Cross hat den Arsenal-Coach in seinem neuen Buch "The Inside Story of Arsenal under Wenger" beleuchtet. Was Wenger ausmacht, verrät er im tz-Interview:

Mr. Cross, 19 Jahre bei ein und demselben Verein – wie geht das?

Cross: Es hat sich eben so entwickelt. Es fing mit den frühen Erfolgen an, die Stimmung um seine Person – all das hat dazu beigetragen. Dieser Mann hat drei Generationen der Gunners geprägt, das macht diese Beziehung auch so besonders. Heute wäre das aber wohl nicht mehr möglich, selbst für einen Wenger nicht. Dafür ist Fußball zu schnelllebig geworden.

Wenger war seinerzeit ja auch beim FC Bayern im Gespräch…

Cross: Was auch perfekt gepasst hätte, so richtig konkret wurde es aber nur bei Real Madrid. Wenger stand mehrmals vor einem Engagement bei den Königlichen. Letzten Endes hat er es aber doch nicht übers Herz gebracht, Arsenal zu verlassen. Dazu fühlte und fühlt er sich nach wie vor zu heimisch hier in London. Das Interesse war aber definitiv da.

Wie tickt der Mann, der seit 1996 bei den Gunners unter Vertrag steht?

Cross: Wenger ist sehr verschlossen, in meinem Buch habe ich aber festgestellt, dass er über einen tollen Humor verfügt. Und intelligent ist. Und ein Entertainer. Und ein Tollpatsch vor dem Herrn.

Das müssen Sie uns jetzt genauer erklären!

John Cross Journalist & Buchautor.

Cross: Es geht ja schon damit los, dass sich seine Krawatte oft im Reißverschluss seines Mantels verfängt und er dann mit eingezwicktem Schlips durch die Gegend rennt. Köstlich ist aber die eine Anekdote im Speisesaal: Wenger sah einen Freund und wollte ihn begrüßen, merkte aber nicht, dass zwischen ihm und seinem Freund eine Glastür im Weg war. Rumms hat es gemacht, die Spieler hat es vor Lachen nicht mehr auf ihren Sitzen gehalten.
Als Coach stelle er sich geschickter an. Kann Pep Guardiola noch was von Wenger lernen?
Cross: Jeder kann von diesem Manager etwas lernen. Sein Wissen, seine Art, sein Stolz und seine Ruhe – all das macht Wenger zu einem Coach, den Guardiola mit großer Sicherheit mehr bewundert als zum Beispiel José Mourinho. Weil er langfristig denkt. Für seinen Klub.

Wie kommt’s, dass viele Fans dennoch nicht auf seiner Seite sind?

Cross: Schwierig. Die einen Fans verehren ihn, die anderen wollen mehr Titel, andere wiederum wollen nur, dass er geht. Da sind Titel mehr wert als jahrelange Treue. Diesen Zwist um ihn wird es immer geben.

Der Sieg über die Bayern dürfte seinem Image aber auch nicht geschadet haben, oder?

Cross: Ganz und gar nicht. Die Pleite zuvor gegen Olympiakos aber schon. Genauso wie die Niederlage vergangene Woche gegen Sheffield. Hier schlägt die Stimmung von einem Tag auf den nächsten um. Geduld ist hier keine große Stärke der Fans.

Musste Wenger erst lernen, dass man nicht schöner spielen muss als der Gegner, um am Ende auch zu gewinnen?

Cross: Sagen wir so: Er hat sich eingestanden, dass Pragmatismus ab und an nicht schadet. Vor zwei Wochen hat Wenger seine Prinzipien über Bord geworfen, den Bayern den Ball überlassen und sich aufs Verteidigen konzentriert. Und es hat geholfen, daher wird er auch in München ähnlich spielen lassen.

2017 endet Wengers Vertrag. Halten Sie es für möglich, dass er beim Gewinn der Premier League vorzeitig abtritt?

Cross: Unter keinen Umständen. Vor seinem Vertragsende wird er keinesfalls abdanken. Sollte er tatsächlich den Titel holen, wäre es ein toller Erfolg, aber kein Grund zu gehen. Und wissen Sie was?

Ja?

Cross: Das Ende seines Vertrags ist auch kein Grund.

Interview: J. C. Menzel López

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