Bremens Kult-Stadionsprecher im Interview

Zeigler: Guardiola hat Bayern nur als Vehikel genutzt

+
Werder-Sprecher Zeigler: „Realistisch betrachtet werde ich Werder als echten Bayern-Rivalen nicht mehr erleben“

München - Vor dem Gastspiel des SV Werder beim FC Bayern sprach die tz mit Bremens Stadionsprecher Arnd Zeigler über Pizarro, Hoeneß, Guardiola – und über die Löwen.

Arnd Zeigler und Werder Bremen – es ist eine Leidenschaft auf Lebenszeit. Der 50-jährige TV-Moderator (Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs) hat nicht nur diverse Bücher über seinen Herzensverein verfasst, er ist auch Stadionsprecher an der Weser. Vor dem Gastspiel des SV Werder beim FC Bayern sprach die tz mit Zeigler u.a. über Pizarro, Hoeneß, Guardiola – und über die Löwen.

Herr Zeigler, Sie haben in Ihrer jüngsten Sendung Claudio Pizarros erstes Bundesliga-Tor für Werder Bremen ausgegraben. Sensationelle Aufnahmen in körnigem Schwarz-Weiß…

Arnd Zeigler: (lacht) Ja, da ist der Redaktion ein echter Coup gelungen! Aber pssst, jetzt ganz unter uns: Die Aufnahmen waren von der WM 1938.

Potzblitz! Hätten Sie je für möglich gehalten, dass Pizarro mit seinen 37 Jahren noch mal so wertvoll werden würde?

Zeigler: Nein, mit dieser Entwicklung habe ich nicht gerechnet. Als Claudio Pizarro gekommen ist, hat man gesehen, dass ihm in Sachen Fitness doch einiges gefehlt hat. Dass er keinen Spielrhythmus hatte. Die allgemeine Meinung war so: Für 30 Minuten reinwerfen, okay. Aber dass er jetzt 90 Minuten spielt und ein Tor nach dem anderen schießt, das ist beinahe romantisch.

Haben Sie Angst, dass ihn nach der Saison jemand wegholt? Der FC Bayern vielleicht?

Zeigler: Das ist der Running-Gag hier in Bremen: Wenn Claudio so weitermacht, dann könnte er einer für Bayern werden. (Hier geht's zum Interview mit Claudio Pizarro)

Und ernsthaft?

Zeigler: Er hat ja gesagt, dass er mit Peru zur WM 2018 will. Dafür muss er in seinem Verein Stammspieler sein. Ich hoffe, dass er seine Karriere hier bei Werder beenden wird. Geld müsste er mittlerweile eigentlich genügend haben.

Welche Perspektiven sehen Sie generell für Werder? Lässt sich die Schere zum FC Bayern irgendwann wieder verkleinern?

Zeigler: Realistisch betrachtet werde ich Werder als echten Bayern-Rivalen nicht mehr erleben. Ich hoffe, dass sich der Verein finanziell konsolidiert und in den nächsten Jahren vielleicht mal wieder in die Europa League kommt. Wir sind in den letzten Jahren immer weiter runtergereicht worden. Die Mannschaft war zu teuer, um international nicht dabei zu sein. Dem VfB Stuttgart und dem HSV ist es da ähnlich ergangen, auch Hertha BSC muss man nennen. Wolfsburg konnte es durch VW auffangen, das ist der Unterschied.

Wie lässt sich die Freude am Fansein angesichts dieser Tatsachen noch aufrechterhalten?

Zeigler: In der Winterpause ging’s mir richtig schlecht, da hab ich fast kein Licht mehr gesehen. Wenn du hörst, dass praktisch überhaupt kein Geld da ist, um die Mannschaft zu verstärken, dann ist das schon deprimierend. Aber in den letzten Wochen ist die Hoffnung wieder zurückgekommen. Und so seltsam es klingt, durch die gesunkenen Ansprüche kann man Erfolge wieder viel intensiver genießen. Das 4:1 in Leverkusen mit drei Pizarro-Toren hat sich angefühlt wie ein Champions-League-Sieg. Und wenn Werder am Ende Zwölfter wird, dann war es eine super Saison.

Wie groß ist die Angst vor dem Abstieg?

Zeigler: Ein bisschen Angst ist schon da. Ich habe den Abstieg 1980 als Junge erlebt, damals habe ich die Stadionhefte im Weserstadion verteilt. Das war ein Schock. Aber ich glaube, dass die jetzige Mannschaft einfach zu stark ist, um abzusteigen. Das klingt gefährlich, aber solche Spiele wie in Leverkusen bestärken mich in dieser Meinung, auch wenn der Mannschaft die Konstanz fehlt.

Wo wir gerade bei der Freude über die kleinen Dinge sind: Wie nehmen Sie im hohen Norden den TSV 1860 wahr?

Zeigler: Ich bin Jahrgang 1965. Als ich so richtig reingekommen bin in den Fußball, da haben die Löwen in der 2. Bundesliga Süd gespielt. Ich hab den Verein immer gemocht und ich hab mich auch richtig gefreut, als sie bis in die Bundesliga durchmarschiert sind. Das Problem war aus meiner Sicht der Auszug aus dem Grünwalder Stadion. Da ging viel Identität verloren. Mit einem eigenen Stadion könnte Sechzig ein Verein sein wie St. Pauli, so ein Klub, den irgendwie jeder mag. Aber in der Allianz Arena sind sie von hier aus gesehen doch ziemlich austauschbar. Man wartet eigentlich immer nur auf den nächsten Skandal mit diesem Herrn Ismaik. Das nützt sich mit der Zeit aber auch ab.

Zeigler: Hoeneß ist mein Wunschgast

Mit welchen Gefühlen haben Sie die Haftentlassung von Uli Hoeneß verfolgt?

Zeigler: Ich habe ein spezielles Verhältnis zu Uli Hoeneß. Früher, zu Zeiten von Otto Rehhagel und Udo Lattek war es natürlich Antipathie, das gehörte sich so in Bremen. Aber das hat sich bei mir sehr verändert. Ich habe Uli Hoeneß mit der Zeit immer mehr gemocht, weil sein ganzer Einsatz – auch der Ellbogeneinsatz – immer der Leidenschaft für seinen FC Bayern entsprungen ist. Ich finde, dass jeder Verein einen Hoeneß bräuchte, er tut auch der Bundesliga gut. Seine Strafe hat er bekommen und verbüßt. Witze habe ich darüber nie gemacht. Als es in diese Häme-Ecke ging, da habe ich gesagt: ohne mich.

Klingt, als wäre Hoeneß der Wunschgast für Ihre „Wunderbare Welt des Fußballs“…

Zeigler: Ja, und ich hatte vor Jahren sogar schon mal eine Zusage. Das hat dann leider doch nicht geklappt. Er wäre weiterhin mein absoluter Wunschgast. Können Sie ihm das vielleicht ausrichten?

So lange laufen die Verträge der Bayern-Stars

Gerne doch. Was halten Sie von Pep Guardiola?

Zeigler: Schwer zu sagen, ich habe ihn bis heute nicht durchschaut. Und ich denke, das wird einigen Leuten in München genauso gehen. Guardiola hat Bayern und der Bundesliga ohne Zweifel viel gegeben. Aber mir ist es immer so vorgekommen, als ob er den FC Bayern nur als Vehikel gesehen hat, um seine Trainerkarriere voranzutreiben. Legitim, aber halt nichts zum Warmwerden.

Womit wären Sie zufrieden am Samstag?

Zeigler: Ich hoffe, dass es ein interessantes, enges Spiel wird. Vor drei Wochen hätten die meisten Fans in Bremen noch gesagt: Hoffentlich keine sechs, sieben Stück. Diese Stimmung ist jetzt weg. Jetzt heißt es: Wir wollen Bayern das Leben so schwer wie möglich machen. Mainz ist da ein gutes Vorbild.

Trotzdem wollten Zlatko Junuzovic und Clemens Fritz lieber nicht dabei sein.

Zeigler: Ich bin da natürlich befangen, aber ich finde es schon seltsam, dass hier überhaupt über eine Bestrafung diskutiert wurde.
Interview: L. Krammer

auch interessant

Meistgelesen

Jetzt probt Carlo den Verletzungsernstfall
Jetzt probt Carlo den Verletzungsernstfall
Sammer froh über Trennung - Spitze gegen Hoeneß
Sammer froh über Trennung - Spitze gegen Hoeneß
Lewandowski: „Was wir machen, ist ein kleines Geheimnis“
Lewandowski: „Was wir machen, ist ein kleines Geheimnis“
Hackenberg über Bayern: „Die sprechen alle Deutsch!“
Hackenberg über Bayern: „Die sprechen alle Deutsch!“

Kommentare