Duell gegen die "Alte Dame"

Werder-Spiel zeigt: Darum sind Müller und Co. bereit für Juve

+
Auf sie mit Gebrüll: Thomas Müller, tja, ist eben Thomas Müller.

München - Pünktlich zum Juve-Duell tobt Bayerns Konkurrenzkampf auf hohem Niveau - die Münchner scheinen bereit für den Rest der Welt.

Claudio Pizarro trug pflichtschuldig-nibelungentreu einen grünen Pullover: Bloß keine Verdachtsmomente schüren, das Herz des Bremer Stürmers schlüge in Wahrheit noch für die „Roten“ vom FC Bayern. Trotz allem war er am Ende der einzige im Werder-Tross, der gute Laune ausstrahlte. Eine Verletzung hatte ihm die Teilnahme an der 5:0-Abreibung erspart, zudem baumelte in seiner Hand ein Tütchen. In dezentem Silber gehalten verriet nur das kleine Emblem am Rand die Herkunft: Ein Präsent der Bayern. Pizarro war der einzige Bremer, der am Samstag beschenkt wurde. 

Die Kollegen des Peruaners mussten hingegen Spalier stehen bei einer Partie, nach der Bayern-Coach Pep Guardiola genüsslich festhalten konnte, dass in seinem erlesen besetzten Kader derzeit ein Konkurrenzkampf auf gesundem Niveau tobt. Fristgerecht auf der Höhe, am Mittwoch steht mit dem Rückspiel im Achtelfinale der Champions League gegen Juventus Turin die bisher wichtigste Aufgabe der Saison an. „Die Spieler müssen miteinander kämpfen um eine Position in der Startelf“, so Guardiola. Das taten sie. 

Und wie. Nach einem 0:5 gebe es „für jeden Spieler nur eine Note: Note sechs“, sagte Werders Kapitän Jannik Vestergaard schonungslos. Sein Trainer Viktor Skripnik fällte ein pädagogisch milderes Urteil: „Wenn Bayern einen guten Tag erwischt, ist es nicht nur für uns schwer, sondern für den Rest der Welt.“ In der Form von Samstag sind die Münchner jedenfalls bereit für die Gäste aus Norditalien. Juve wird die „Alte Dame“ genannt, und Guardiola hat die Qual der Wahl, wer den Turinern den Hof machen darf: Viele Kavaliere bieten sich an. Dass sie unlautere Absichten hegen und der „Alten Dame“ übel mitspielen wollen, passt ihm ins Konzept. Gegen die nahezu beispiellos tief stehenden Bremer genügte es, punktuell individuelle Stärken abzurufen. 

Der Reihe nach verdienten sie sich am Samstag Bestnoten: Setzte Kingsley Coman zu einem seiner Tempodribblings an, wurde es stets gefährlich. Franck Ribery machte deutlich, dass ihm noch längst kein Platz im Austragsstüberl reserviert werden muss. Thiago feierte seinen Premieren-Doppelpack bei Bayern sowie seine ersten Treffer seit zwei Jahren. Robert Lewandowski reichten sogar gut 15 Minuten zum Ende einer Partie für sein obligatorisches Tor. Und Thomas Müller, tja, Thomas Müller ist eben Thomas Müller. Wie er das Knie hob, um zum 2:0 zu treffen, das können nur wenige. Und als er Riberys Volleyabnahme nach einer Ecke mit einer weiteren Volleyabnahme zum 3:0 veredelte, war endgültig klar, dass es keiner großen Worte mehr für Juventus bedarf.

Bayern besiegt Bremen locker - Dreimal Note 1

 „Wir haben gut gespielt und freuen uns auf Mittwoch – das könnt Ihr schreiben“, beschied Müller den Reportern fröhlich im Vorbeigehen auf seinem Weg in den Feierabend. Auf die leichte Schulter wird man die Gäste dennoch nicht nehmen, dafür ist das 2:2 im Hinspiel eine zu wacklige Basis, erklärte dann Philipp Lahm, der sich für eine fundiertere Analyse zur Verfügung stellte. „Wir sind gewarnt. Gegen ein Team wie Juve musst du 90 Minuten konzentriert sein.“ Er erwarte einen Gegner, der auf Fehler lauert und „eiskalt kontert“. Von Störfeuern wollte der Kapitän nichts wissen. Guardiolas Amsterdam-Trip in Diensten seines baldigen Arbeitgebers Manchester City sei „in der Kabine kein Thema“. Lieber witzelte er: „Vielleicht hätten wir sonst noch höher gewonnen.“ Aber die Bremer waren ja so schon gut bedient. Bei Juve kickt übrigens statt eines Claudio Pizarros ein Mario Mandzukic. Der schied im Unfrieden.

Es ist also nicht mal mit Extra- Geschenken zu rechnen.

Andreas Werner

Auch interessant

Meistgelesen

Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Comeback-Pläne: Ribéry gibt Versprechen ab
Comeback-Pläne: Ribéry gibt Versprechen ab
Trotz Kantersieg des FC Bayern: Heynckes äußert sich kritisch
Trotz Kantersieg des FC Bayern: Heynckes äußert sich kritisch

Kommentare