Uneinigkeit bei den Bayern

Wie sehr spaltet Kovac den FC Bayern? Wer hinter ihm steht - und wer nicht

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Spaltet Nico Kovac den FC Bayern?

Wer steht hinter Nico Kovac? Und wer zweifelt am Trainer des FC Bayern? Bei den Münchner Bossen, Spielern und Fans herrscht Uneinigkeit.

München - Nach zwei freien Tagen starten die Bayern heute die Vorbereitung auf das Spiel in Düsseldorf (Sonntag, 15.30 Uhr, Sky). Nach der 5:0-Gala gegen Dortmund hat Trainer Niko Kovac seine Kritiker vorerst verstummen lassen. Trotzdem äußerte sich Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge ungewohnt offensiv-kritisch über den Trainer. Die Gegenrede von Präsident Uli Hoeneß ließ nicht lange auf sich warten. Die tz stellt sich daher die Frage: Wie sehr spaltet Kovac den Verein?

Spaltet Kovac den FC Bayern? Uneinigkeit bei den Bayern-Bossen

Die ersten Anzeichen einer neuen Uneinigkeit der Bayern-Bosse gab es bereits im Rahmen des Champions-League-Spiels in Liverpool. Während sich Hoeneß noch vorm Abflug klar dagegen positionierte, dass der Spielverlauf gegen Liverpool nichts mit der Arbeit des Trainers zu tun hätte, erklärte Rummenigge nach dem 0:0 an der Anfield Road: „Es war ein wichtiges Spiel für Niko. In der K.o.-Phase der Champions League kommen ja die großen Kracher, wo man dann auch als Trainer taktisch Einfluss nehmen kann.“ 

Kein Wunder, dass Rummenigge vom Angsthasen-Auftritt vor eigenem Publikum im Rückspiel auch heute noch geschockt ist. In der Sky-Sendung Wontorra meinte er: „Wir haben das Rückspiel nicht ausreichend mit Mut und Herz gespielt. Der Spiel-Stil war bei Bayern immer dominant und sehr offensiv ausgerichtet.“ Wenige Minuten nach dieser Aussage verweigerte Kalle Kovac eine Job-Garantie…

FC Bayern: Hoeneß steht hinter Kovac

Nach Kalles Knallhart-Aussagen dauerte es keine 24 Stunden, bis Kovac via Kicker Rückendeckung von Hoeneß erhielt. Im Verhältnis zu Kovac „war immer alles okay“, sagte der Präsident und stellte die Frage: „Wie soll ich denn mit jemandem zusammenarbeiten, den ich bei jeder Gelegenheit infrage stelle? In so einem Spannungsfeld, wie unser Trainer in den letzten Wochen gelebt hat, kann man auf Dauer nicht vernünftig arbeiten.“ 

Warum Hoeneß als großer Kovac-Befürworter gilt, liegt auf der Hand: Im März 2018 wollten die Bosse die Verpflichtung von Thomas Tuchel finalisieren, doch beim entscheidenden Telefonat erklärte Tuchel den Münchnern, dass er mittlerweile Paris Saint-Germain zugesagt habe. Vor allem wegen Hoeneß’ Skepsis gegenüber dem Übungsleiter zogen sich die Vorgespräche in die Länge, Rummenigge war indes überzeugt. Heute heißt es im Klub, dass Tuchel die Nerven verloren habe. So fiel die Wahl letztendlich auf Kovac. Hoeneß vertritt nach wie vor die Meinung, dass es konkrete Verhandlungen nur mit dem Kroaten gab.

FC Bayern: #KovacOut in den sozialen Medien

Vor allem in den sozialen Medien regt sich schon seit einiger Zeit Widerstand gegen die Arbeit von Kovac. Unter dem Hashtag #KovacOut gibt es viel überzogene, aber eben auch fundierte Kritik von Anhängern – so wie von Bayern-Fan und Blogger Christian Nandelstädt. 

Der FCB-Anhänger sagt über den Bayern-Trainer: „Persönlich ist mir Niko Kovac sympathisch und ich würde mir auch wünschen, dass es mit ihm in München klappt. Aber er hat mich bisher nicht überzeugen können. Ich weiß nicht, für welchen Fußball er steht. Ich sehe keine Handschrift des Trainers, erkenne aber auch unser erfolgreiches Positionsspiel und unseren dominanten Stil der letzten Jahre nicht wieder. Dazu die Enttäuschung des Angsthasenfußballs gegen Liverpool. Kovac muss es in der kommenden Saison gelingen, den dann aufgerüsteten Kader zu moderieren, in der CL weit zu kommen und ein bis zwei Nachwuchsspieler einzubauen. Eine gewaltige Aufgabe, die ich ihm derzeit nicht zutraue.“

Fan-Stimmen beim FC Bayern: Nicht nur Zweifel an Kovac

Keinen Zweifel an der Arbeit von Kovac lässt Bernd Hofmann, Präsident beim Bayern-Fanclub Nabburg/Oberfpalz, zu: „Ich finde es ganz hervorragend, wie Niko als Trainer arbeitet. Es ist für einen neuen, jungen Trainer nie leicht in München. Von daher bin ich wirklich begeistert. Vor allem, wie er die Mannschaft in der aktuellen Phase des Umbruchs leitet, das ist stark.“ Darum hat Hofmann auch keinerlei Bedenken, dass Kovac der richtige Mann an der Seitenlinie ist, um den Umbruch auch in der kommenden Saison weiter voranzutreiben: „Das hat jetzt schon gut funktioniert und wird es auch die nächsten Jahre tun. Ich drücke ihm die Daumen.“

Rafinha, Sanchos, Boateng: Deshalb sind sie keine Kovac-Fans 

„In letzter Zeit ist der Trainer nicht korrekt zu mir. Ich bringe meine Leistung im Training. Es fällt mir schwer, mich zu motivieren. Ich trainiere gut, aber ich spiele keine Rolle“, schimpfte Rafinha im Februar öffentlich über Trainer Kovac. 

Ähnliche Worte wählte Renato Sanches kürzlich: „Der Trainer erklärt mir nicht, warum ich nicht spiele. Natürlich möchte ich mehr spielen.“ Diese ungewohnte Trainer-Kritik der Bayern-Spieler in aller Öffentlichkeit beweist: Kovac hat nach wie vor einen schweren Stand bei einigen Spielern. Jerome Boateng war beispielsweise im Sommer nach einem intensiven Gespräch mit seinem Trainer überzeugt, eine tragende Rolle unter Kovac zu spielen – fand sich deswegen auch mit einem geplatzten Wechsel zu PSG ab. 

Mittlerweile lässt der Kroate den Innenverteidiger aber links liegen, bevorzugt das Duo Süle/Hummels. Das stinkt Boateng. Und nicht zu vergessen Dauer-Sorgenkind James Rodriguez: Der hypersensible Kolumbianer würde mittlerweile sehr gerne in München bleiben – allerdings gilt sein Verhältnis zu Kovac nach wie vor als angespannt.

Nico Kovac: Auf diese Spieler kann der Bayern-Coach zählen

Obwohl auch Robert Lewandowski nicht als großer Kovac-Fan gilt, hat es der Kroate geschafft, den Polen auf seine Seite zu ziehen – mit einer cleveren Maßnahme: Kovac übertrug dem eitlen Goalgetter das Amt des dritten Kapitäns, damit der Pole mehr Verantwortung übernimmt und weniger für Unruhe sorgt. 

Von Anfang an stand hingegen Kapitän Manuel Neuer hinter dem Bayern-Trainer. Als Kovac während der Krise im November massiv wackelte und sich die Münchner in der Champions League mit einem 5:1-Sieg gegen Benfica Lissabon den Frust von der Seele ballerten, sagte Neuer: „Wir haben auch für den Trainer gespielt!“ Solche Aussagen, die die Loyalität von Spielern zu Übungsleiter herausstellen, waren in der bisherigen Saison ansonsten selten bis gar nicht zu hören. Niklas Süle hat der Bayern-Coach nach der Winterpause zum Innenverteidiger Nummer eins erklärt, auch wenn Süle diese öffentliche Beförderung unangenehm war, ist er für Kovacs Vertrauen dankbar. Der 23-Jährige ist ohnehin sehr umgänglich.

Unterdessen stärkte ein Stammspieler des FC Bayern Trainer Niko Kovac den Rücken.

Manuel Bonke

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