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FCB-Präsident erinnert: Was das DFB-Team bei der WM aus der Mini-Krise des FC Bayern gelernt hat

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Von: Hanna Raif, Philipp Kessler

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Jamal Musiala beim DFB-Team, mit den Mannschaftskameraden Rüdiger, Müller und Günter
Jamal Musiala beim DFB-Team, mit den Mannschaftskameraden Rüdiger, Müller und Günter (v.l.). © IMAGO/Marcio Machado/M.i.S.

Das deutsche Team ist bei der Fußball-WM angekommen und besitzt gute Chancen auf das Achtelfinale. FCB-Präsident Hainer verfolgt besonders die Protagonisten des FC Bayern.

München - Beim FC Bayern an der Säbener Straße ist derzeit nicht allzu viel los, der Blick geht nach Katar. Auch Präsident Herbert Hainer (68) verfolgt die 16 Bayern-Akteure bei der WM 2022. „Das zeigt, was wir für eine Qualität in den eigenen Reihen haben, und auch, dass wir als Verein in der Lage sind, diese Qualität nach München zu holen. Es wurde uns ja vor einiger Zeit auch schon mal nachgesagt, dass wir mit den großen Clubs nicht mehr mithalten können“, betont er im Gespräch mit der tz. Im Interview verrät Hainer zudem, dass er nach wie vor an die deutsche Nationalmannschaft glaubt.

Herr Hainer, die Hälfte der WM ist rum – wie viele Spiele haben Sie gesehen? Wer hat Sie bisher am meisten beeindruckt?

Herbert Hainer: Ich habe jetzt keine Liste geführt, und manche Spiele schaue ich nur zur Hälfte, weil ich ja nebenbei auch noch zu tun habe - aber am meisten beeindruckt haben mich letztlich die Deutschen gegen Spanien: Die ganze Welt hatte das Team schon abgeschrieben, und dann haben sie gegen eine Weltklasse-Mannschaft sehr gut gespielt. Die Spanier haben in den ersten 15 Minuten ihre herausragenden Qualitäten am Ball gezeigt, als Deutschland noch zurückhaltend war. Als aber allen voran Joshua Kimmich und Leon Goretzka losgelegt und gezeigt haben, dass sie auch wissen, wie das Spiel geht, waren wir ein ebenbürtiger Gegner. Das war ein gutes, spannendes Fußballspiel.

FC-Bayern-Parallelen beim DFB-Team: Hainer sieht bei WM deutschen Höhenflug kommen

Haben Sie sich beim Japan-Spiel ein Stück weit an die Bayern im Frühherbst erinnert gefühlt? Zitat Hainer: „Wir haben das Tor einfach nicht getroffen.“

Hainer: Das kann man sicher ein Stück weit vergleichen. In den Spielen, die wir im Herbst nicht gewonnen haben, haben wir in der Regel auch gut gespielt. Ob das gegen Gladbach war oder Stuttgart, auch bei Union Berlin: Wir haben einfach den Sack nicht zugemacht. So war es bei der deutschen Nationalmannschaft auch. Durch Serge Gnabry oder Ilkay Gündogan gab es beispielsweise gute Chancen auf das 2:0, dann aber waren sie zu unachtsam, das haben die Japaner gnadenlos genutzt.

Was kann die DFB-Elf also nun von den Bayern in der „Mini-Krise“ lernen? Sehen Sie einen ähnlichen Glauben an sich selbst wie im Oktober in München?

Hainer: Vielleicht hat sich der eine oder andere Bayern-Spieler zurückerinnert: So haben wir es bei Bayern München geschafft, den Schalter umzulegen – und jetzt hat man gesehen, wie sie es gegen Spanien gemacht haben.

Dann wäre die Marschrichtung also jetzt Finale – denn auch die Bayern haben nach der Mini-Krise nur noch gewonnen…

Hainer: Ich gehe davon aus, dass wir jetzt gegen Costa Rica jedenfalls eine deutsche Mannschaft sehen, die sich deutlich an der Leistung des Spanien-Spiels orientiert. Denn diese nahende Klippe, dass man wie 2018 wieder in der Vorrunde ausscheidet, hat wohl alle noch einmal angetrieben. Und die Qualität für die K.o.-Runde ist natürlich auch da. Wenn sie die Leistung aus dem Spiel gegen Spanien konservieren und ausbauen, kann es weit gehen.

Hansi Flick sagte, gegen Costa Rica brauche man nun „Krieger mit Herz“ – sind Leon Goretzka und Joshua Kimmich da genau die Richtigen?

Hainer: Wenn ich mich an die Situation erinnere, in der Leon Goretzka einen Spanier wie ein Basketballspieler im Sechzehner wegblockt: das ist ein Krieger mit Herz! Gerade Spieler wie Leon und Joshua gehen immer mit gutem Beispiel voran, und genauso sind natürlich auch Routiniers wie Manuel Neuer und Thomas Müller stets verlässliche Stützen. Das Japan-Spiel war generell ein Aufrüttel-Spiel für die ganze Mannschaft. Sie weiß jetzt, dass es nicht im Schongang geht, sondern dass man gegen jeden Gegner 90 Minuten immer alles geben muss.

Wie viel Hoffnung macht die Rückkehr von Leroy Sané?

Hainer: Leroy ist ein Tänzer, wunderbar leichtfüßig: Das hat man am Sonntag wieder einmal gesehen, als er reingekommen ist. Mit seiner Spielfreude, seiner Schnelligkeit, seiner Technik, wie er Situationen kreieren kann, das ist ein echter Gewinn für jedes Team.

Herbert Hainer
Präsident des FC Bayern München: Herbert Hainer. © Sven Hoppe/dpa

FC Bayern und das „scheue Reh“ Musiala: „Selbst ohne eigene Treffer die pure Freude“

Und die Wut von Jamal Musiala-Wut nach der vergebenen Großchance wird Costa Rica abbekommen?

Hainer: Ich bin überzeugt: Jamal macht bei dieser WM noch seine Tore! Und selbst ohne eigene Treffer ist er ja die pure Freude für jeden Fußball-Fan. Wie er gegen Japan einmal fünf Leute stehen gelassen hat und gegen Spanien wunderbare Aktionen hatte: Man sieht auch bei dieser WM, welche außergewöhnliche Qualität dieser junge Kerl hat. Mir gefällt außerdem seine Herangehensweise an alle Herausforderungen, dass er sagt: „Hey, ich will mal der beste Spieler der Welt werden!“ Das ist gelebtes Mia san Mia, mit seinen 19 Jahren, das hat er hier bei uns schnell aufgenommen. Im vergangenen Jahr wurde er noch als scheues Bambi betitelt – das ist vorbei. Jamal bringt Temperament in jedes Spiel. Er hat einen klaren Anspruch an sich selber, was er fußballerisch erreichen will. Das finde ich klasse. Und vom Können her ist er eines der größten Talente der Welt.

Noch ein paar Tore – und sein Marktwert steigt auf 250 Millionen Euro?

Hainer: Das ist für uns sekundär. Wir geben ihn sowieso nicht her. Er will der Beste der Welt werden, und wir beim FC Bayern werden ihn auf diesem Weg unterstützen und begleiten. Gemeinsam können wir Großes erreichen.

Lassen Sie uns noch kurz über das Worst-Case-Szenario sprechen: Gelingt der Einzug in die K.o.-Runde nicht – steht alles infrage?

Hainer: Ich bin ein Optimist und felsenfest davon überzeugt, dass Deutschland weiterkommt.

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