Pilgerziel der Topathleten

Der Kreuzband-Künstler: Zu diesem Doc pilgern Sané, die Bayern-Stars und andere

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Der begehrte ManCity-Angreifer Leroy Sané laboriert an den Folgen eines Kreuzbandrisses.

Der Knie-Spezialist Dr. Christian Fink hat eine Praxis von Weltruf aufgebaut. Sein letzter großer heikler Coup: Die Behandlung von Leroy Sané nach dessen dramatischem Kreuzbandriss.

Innsbruck/München - Sie agieren im Hintergrund. Aber ohne sie wären Sportler nicht zu Höchstleistungen fähig. Aus talentierten Athleten formen sie Stars: Begnadete Ärzte, Mentaltrainer, Fitness-Gurus oder Wunderheiler. In unserer neuen Serie geben die Schattenmänner der Superstars exklusive Einblicke in ihre Arbeit. Den Auftakt macht Professor Dr. Christian Fink.

Die letzten Tage haben Christian Fink zugesetzt. Ein Magen-Darm-Virus setzte den Chirurgen außer Gefecht. Sein Pech ist des Reporters Glück. Nur so findet der Wahl-Tiroler Zeit für ein Gespräch ohne Druck und Termine im Nacken. Beim Gesundheitstee im Gramarthof auf der Hungerburg über Innsbruck. Nur einen Steinwurf von seinem Zuhause entfernt. Doch ganz zur Ruhe kommt Fink selbst in dieser Berg­idylle nicht. Sogar im Krankenstand trudeln permanent Nachrichten seiner Patienten auf dem Smartphone ein.

Fußball- und Skistars pilgern zu Dr. Christian Fink

Denn der Mediziner ist ein weltweit gefragter Mann. Die komplette Liste seiner prominenten Patienten könnte allein den Platz für diesen Artikel füllen. Eine kleine Auswahl: Felix Neureuther, Lindsey Vonn, Aksel Lund Svindal, Leroy Sané, Giorgio Chiellini, die Bayern-Stars Corentin Tolisso oder Luca Hernandez – sie alle vertrauen seinen Händen. Was vor einigen Jahren noch Dr. Steadman in Vail/Colorado war, ist heute Christian Fink in Innsbruck. So aufregend seine Patientenmischung klingt, der Vielbeschäftigte sieht es nüchtern: „Kreuzband bleibt Kreuzband. Während der Operation macht es keinen Unterschied, ob ein Kreuzband eines Topathleten oder eines Otto Normalverbrauchers auf dem Operationstisch liegt“, erklärt er.

Wobei der Sommer 2019 selbst für ihn aufregend war: Der gebürtige Oberösterreicher entspannt mit der Familie gerade im Portugal-Urlaub. Da erreichen ihn Textnachrichten aus Deutschland: Der deutsche Nationalspieler und Bayern-Kandidat Leroy Sané hat sich das Kreuzband gerissen und soll schnellstmöglich behandelt werden. Wenig später bricht Fink seinen Familienurlaub vorzeitig ab. In seiner Praxis Gelenkpunkt gegenüber dem Eisstadion an der Olympiastraße präsentiert der Kniespezialist dem Ex-Schalker nach eingehender Untersuchung seinen Vorschlag. Und der Stürmer entscheidet sich – gegen den Ratschlag seines Vereinstrainers Pep Guardiola – nicht für eine Operation in Barcelona bei Prof. Ramon Cuga, sondern für die Therapie in Tirol. „Wenn man hört, welche Summen für solche Spieler bezahlt werden, muss man schon mal kurz schlucken. Der Fußball ist noch mal eine ganz andere Welt als das Skifahren. Die OP selbst ist dann aber Alltag“, sagt Fink. Doch ganz normaler Alltag ist die Sané-OP auch wieder nicht.

Dr. Fink während einer OP: Zu dem Innsbrucker Arzt pilgern zahlreiche Stars aus der Sportwelt.

Teamärzte und auch der Physiotherapeut von Manchester City schauen ihm über die Schulter. „Damit kann ich mittlerweile gut umgehen. Ich habe bereits viele Live-Operationen auf Kongressen vor Hunderten Kollegen durchgeführt. Das war deshalb keine neue Situation für mich“, kommentiert Fink den Begleitservice aus England. Seitdem ist er in ständigem Kontakt mit dem 22-Jährigen und attestiert ihm einen bis dato hervorragenden Reha-Verlauf. Das wird man an der Säbener Straße gerne lesen.

So entstand der Kontakt zwischen dem FC Bayern und Christian Fink

Doch warum vertrauen Fink so viele Sportler? „Das müssen sie die Sportler fragen“, schmunzelt der Spezialist, der im Jahr zwischen 150 und 200 Kreuzbänder operiert. „Ich verfolge einen ganzheitlichen Ansatz. Die Betreuung hört nicht hinter dem OP-Saal auf. Mein Team und ich sind für unsere Patienten immer zu erreichen. Wir sprechen mit den Therapeuten und Teamärzten vor Ort und manchen auch regelmäßige Nachkontrollen.“ Im Leistungssport weiß der dreifache Familienvater, wovon er spricht. Fink war ein ambitionierter Skiläufer und Triathlet. Als er jedoch erkennt, dass es für die große Profikarriere nicht reicht, widmet er sich vollends der Sportmedizin, bleibt seiner Passion auf dieser Weise erhalten. Und abertausende Kreuzband-Opfer danken es ihm.

Sein Kontakt zum FC Bayern entsteht über Teamarzt Dr. Müller-Wohlfahrt. Beide Ärzte haben zwar einige gemeinsame Patienten – wie etwa Felix Neureuther –, man kennt sich sonst aber nicht näher. Bis eines Tages das Handy von Christian Fink klingelt: „Hallo, hier spricht Müller-Wohlfahrt. Ich beobachte Ihre Arbeit“, stellt sich der Anrufer vor. „Da war ich schon erst mal sprachlos. Aber schnell war klar, dass er es positiv meint und gerne mit mir enger zusammenarbeiten würde“, so Fink. Sein erster großer Bayern-Fall ist Corentin Tolisso. Gefolgt von Luca Hernandez, eine heikle Angelegenheit: Den Weltmeister verpflichtete der Rekordmeister trotz schwerer Innenbandverletzung. Die Aufgabe des Innsbruckers ist es, das Knie des 80-Millionen-Transfers wieder auf maximale Belastungen vorzubereiten. „In diesem Fall war der Druck immens. Egal warum ein Sportler nach einem Eingriff nicht mehr fit wird – am Ende heißt es: Der Operateur ist schuld“, sagt Fink und ergänzt: „Danach habe ich einige Kollegen, die öffentlich kundgetan haben, man müsse so eine Verletzung nicht operieren, angerufen und gefragt, wie sie zu so einer Meinung kommen, ohne den Patienten oder die Röntgenbilder jemals gesehen zu haben.“

Seine Arbeit mit Athleten beschreibt Fink als Balanceakt zwischen sportlicher Leistung und Gesundheit – mit einem schwer berechenbaren Gegner: Belastungsspitzen im Hochleistungssport. „Natürlich bräuchten die Spieler oft mehr Pausen, damit sich der Körper besser erholt. Der Druck im Spitzensport ist heute einfach enorm. Aber das beginnt ja schon bei motivierten Hobbyläufern. Ein Marathonlauf per se ist mit Sicherheit nicht gut für die Gelenke. Aber die Disziplin in der Vorbereitung, der notwendige gesunde Lebenswandel, das strukturierte Training sowie das Erlebnis können für Körper und Psyche sehr belebend sein. Daher würde ich niemanden abraten, einen Marathon zu laufen.“

Und plant er bei seinem Weltruf eine Expansion oder eine Standortverlagerung? „Auf keinen Fall. Ich gehöre nach Innsbruck“, sagt er mit Nachdruck. „Das optimale Ergebnis kann ich nur mit meinem Team um mich herum in meinem gewohnten Umfeld erreichen.“ Verletzte Sportstars aus aller Welt werden auch weiter die Reise nach Innsbruck antreten. Zu Professor Dr. Christian Fink, dem Kreuzband-Künstler in der Olympiastraße 39.

Daniel Müksch

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