Alonso, Lewandowski, Benatia & Co.

Zwischenzeugnis: Die Noten für Bayerns Neuzugänge

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Die Neuzugänge des FC Bayern haben mehrheitlich überzeugt.

München - Sieben Neuzugänge schlossen sich dem FC Bayern zur Saison 2013/2014. Nun ist Winterpause - Zeit für ein Zwischenfazit: Welcher Transfer hat voll eingeschlagen? Bei wem gibt's noch Luft nach oben?

Robert Lewandowski

Robert Lewandowski.

Als der Wechsel von Robert Lewandowski von Borussia Dortmund zum FC Bayern öffentlich bekannt gegeben wurde, befürchteten viele Skeptiker den Untergang des Abendlandes, zumindest aber der Bundesliga. Nach dem Motto: Wenn sich der ohnehin schon gnadenlos überlegene Rekordmeister auch noch mit dem Toptorjäger der Liga verstärkt (und dabei zeitgleich den einzig echten Konkurrenten schmerzlich schwächt), kann der Rest ja gleich zumachen. Nun ja, die Übermacht des FC Bayern in der Bundesliga ist ungebrochen und gegenüber dem Vorjahr vielleicht sogar noch einmal ein Stück weit größer geworden. Aber liegt das tatsächlich an Lewandowski? Blickt man nüchtern auf die Statistik, stehen bei 15 Bundesliga-Einsätzen "nur" sieben Treffer auf dem Konto des Polen. In der Champions League steuerte der 26-Jährige bei sechs Einsätzen zwei Buden bei, im DFB-Pokal traf er ein Mal. Solide, aber nicht außergewöhnlich für einen Stürmer, der bei der Topmannschaft Deutschlands spielt. Sein Trainer Pep Guardiola ist dennoch "sehr zufrieden, er hat in jedem Spiel mindestens drei klare Torchancen. Bis jetzt hat er seinen Job super gemacht". Lewandowski scheint in München angekommen, die Umstellung von der Dortmunder Überfalltaktik auf die dominante Bayern-Spielweise klappt immer besser, ist aber noch nicht abgeschlossen.

Fazit: Ein guter Neuzugang mit noch jeder Menge Potenzial - Note 2.

Medhi Benatia

Medhi Benatia.

Wie Xabi Alonso (siehe unten) kam auch Benatia erst kurz vor dem Ende der Transferperiode im Sommer. Der Marokkaner sollte die durch den Kreuzbandriss von Javi Martinez kurzfristig entstandene Personalnot in der Bayern-Defensive lindern - 26 Millionen Euro Ablösesumme an den AS Rom waren allerdings ein stolzer Preis für einen "Notnagel". Noch nie zuvor zahlte ein Bundesligist so viel Geld für einen Abwehrspieler. Benatia bringt mit seiner kompromisslosen Spielweise das zerstörerische und kämpferische Element in Bayerns Defensive ein, aufgrund seiner Kopfballstärke strahlt er zudem Torgefahr bei Standards in gegnerischen Strafräumen aus. Nach einigen Startschwierigkeiten kam der 27-Jährige auf der Zielgeraden der Hinrunde immer besser zurecht. In der Gruppenphase der Champions League war er Stammspieler, lediglich das letzte Spiel gegen Moskau verpasste er wegen einer Rotsperre. Am 15. Bundesliga-Spieltag gelang dem Abwehrmann sein erster Treffer - per Kopf löste er den Augsburger Abwehrknoten und leitete den schließlich souveränen 4:0-Sieg ein. Insgesamt kam Benatia auf bislang acht Bundesligaeinsätze.

Fazit: Gemessen an den Vorschusslorbeeren, die sich mit seiner Verpflichtung und der hohen Ablösesumme verbanden, hat Benatia die Erwartungen noch nicht zu 100 Prozent erfüllt - Note 3+.

Xabi Alonso

Xabi Alonso.

Ein 32-Jähriger, bei Real Madrid so gut wie aussortierter, durch seine vielen Erfolge vielleicht schon satter spanischer Profi als Verstärkung für den FC Bayern? Zahlreiche Fußballexperten konnten die Verpflichtung von Xabi Alonso nicht nachvollziehen. Stattdessen wurde dem FC Bayern eine unangemessene Panikreaktion unterstellt, mit der er auf den Abgang von Toni Kroos und die Verletzungen von Javi Martinez, Thiago und Bastian Schweinsteiger reagiert habe. Doch Alonso strafte alle Kritiker Lügen. Ohne ein einziges richtiges Training mit den neuen Teamkollegen stand er nur einen Tag nach seiner Ankunft in München gegen Schalke in der Startelf und übernahm vom Anpfiff weg das Zepter, als hätte er die letzten zehn Jahre in keiner anderen Mannschaft gespielt. Seine neuen Mitspieler akzeptierten den Spanier sofort als Führungsspieler, so gut wie jeder Angriff läuft über Alonso. In seinem fünften Bundesliga-Spiel im Bayern-Trikot, dem 2:0-Erfolg in Köln, stellte der Mittelfeldstratege einen unglaublichen Rekord auf: 204 Ballkontakte in einer Partie! "Dafür brauche ich eine ganze Saison", witzelte Kollege Thomas Müller über die fantastische Bestmarke. Alonso stand in jedem Bundesliga-Spiel in der Startelf, nur zum Hinrundenabschluss in Mainz fehlte er verletzt. Der Spanier ist der absolute Chef auf dem Platz und hat mit seiner Spielweise und seinem Auftreten dem Spiel der Bayern eine noch höhere Qualität verliehen.

Fazit: Ein absoluter Top-Neuzugang - Note 1.

Sebastian Rode

Sebastian Rode.

Der "Giftzwerg" kam im Sommer ablösefrei von Eintracht Frankfurt - nur wenige trauten dem Fußballarbeiter den Sprung ins Münchner Starensemble zu. Doch Rode hat in Matthias Sammer einen starken Fürsprecher - der FCB-Sportvorstand war als Spielertyp von ähnlicher Galligkeit wie Rode. Seine Spielweise unterscheidet sich stark von den anderen, eher filigranen Mittelfeldwirblern und bietet damit im Bedarfsfall eine für das Bayern-Spiel eher ungewöhnliche Komponente. Seine Kampfkraft und Leidenschaft auf dem Platz kommt inzwischen auch bei Fußballfeinschmecker Guardiola gut an. Der Bayern-Coach lobte den Blondschopf kürzlich gar als seinen Lieblingsspieler, dessen täglicher Einsatz im Training und im Spiel vorbildlich sei. Und so durfte Rode in der Hinrunde bislang in zehn Bundesliga-Partien (416 Einsatzminuten) ran und bringt es auf je einen Treffer in Champions League und Liga. Dabei profitierte er natürlich auch von der langen Verletztenliste im Bayern-Mittelfeld.

Fazit: Rode hinterließ in seinem ersten halben Jahr an der Säbener Straße mehr Eindruck als erwartet - Note 2.

Juan Bernat

Juan Bernat.

Juan wer? Der spanische Linksfuß war in Deutschland nur wenigen Insidern bekannt, bevor er vom FC Valencia an die Säbener Straße kam. Doch jeder einzelne Euro der geschätzten Ablösesumme von zehn Millionen hat sich gelohnt. Bernat ist der einzige Feldspieler, der in jedem der 17 Hinrundenpartien in der Bundesliga, in allen sechs Champions-League-Spielen und auch bei den beiden DFB-Pokal-Auftritten auf dem Platz stand. Ursprünglich nur als Backup für Linksverteidiger David Alaba und als "sehr gute Investition für die Zukunft" (Sportvorstand Matthias Sammer) gedacht, hat sich der flinke Außenbahnspieler einen Stammplatz ergattert. "Er ist sehr schnell und giftig. Das ist super für diesen Verein", lobt ihn Guardiola und zeigte sich sehr "überrascht" davon, wie viel Qualität der 21-Jährige bei seiner ersten Auslandsstation abliefert. Bernat selber ist ebenfalls überrascht, Er habe "nie damit gerechnet, so viele Minuten zu spielen. Es läuft super, Pep vertraut mir". Zur Bestnote fehlt dem stets bescheiden auftretenden Spanier nun nur noch sein erstes Bundesligator.

Fazit: Als Neuzugang hat Bernat voll und ganz eingeschlagen - Note 1-.

Pepe Reina

Pepe Reina.

Jose Manuel „Pepe“ Reina, der mit Spanien 2010 Weltmeister sowie 2008 und 2012 Europameister wurde, kam für kolportierte drei Millionen Euro vom FC Liverpool, der ihn zuletzt an den SSC Neapel ausgeliehen hatte. Bei den Münchnern ist der erfahrene Keeper die Nummer zwei hinter dem unantastbaren Welttorhüter Manuel Neuer. "Ich wusste, auf was ich mich einlasse. Bereits bei den Gesprächen teilte mir der Klub mit, dass ich als Ersatzmann kommen würde – das habe ich von Beginn an akzeptiert und daran hat sich auch nichts geändert. Ich lerne eine Menge von Manu", hat sich der Spanier mit seiner Rolle abgefunden. Bislang steht noch kein einziger Pflichtspieleinsatz für Reina zu Buche - auch weil sich der Schlussmann Anfang Oktober bei einem Freundschaftsspiel eine schwere Muskelverletzung zugezogen hatte und erst ab dem kommenden Jahr wieder voll einsatzfähig sein wird.

Eine Benotung entfällt.

Sinan Kurt

Jede Menge Hickhack gab es rund um den Wechsel von Sinan

Sinan Kurt.

Kurt aus Mönchengladbach an die Isar. Die Gladbacher zeigten sich verstimmt, nicht nur wegen des Gebarens von Kurt und seinem Berater, sondern auch von den Münchnern, die aggressiv um den 18-Jährigen gebuhlt, ihm den Kopf verdreht und schließlich für 1,5 Millionen Euro aus Gladbach losgeeist haben sollen. Nachdem der Transfer schließlich über die Bühne gegangen war, wurde es ruhig um den 18-Jährigen. Mehr als ein Kurz-Einsatz in der Regionalliga-Reserve sprang bislang noch nicht heraus, Kurt kommt vorrangig in der U19 zum Einsatz. "Er ist ein großes Talent", findet Guardiola: "Er hat einen super linken Fuß. Aber er ist jung. Er muss sich durch Training verbessern." Bayerns Junioren-Chef Wolfgang Dremmler weiß jedenfalls, was er an Kurt hat: "Das ist ein großartiger Transfer für die Zukunft. Sinan soll in den nächsten ein, zwei Jahren aufgebaut werden - vergleichbar mit Toni Kroos einst."

Eine Benotung entfällt.

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