Transferpolitik beeindruckt

FC Porto: Selbst den Bayern ein Vorbild

Porto - Die Transferpolitik des FC Porto beeindruckt die Konkurrenz, und auch den FC Bayern. Südamerika ist jetzt auch für den Technischen Direktor der Münchner, Michael Reschke, kein Tabu mehr.

4908519

Es ist noch nicht mal ein halbes Jahr her, da ist Michael Reschke in ein Flugzeug nach Südamerika gestiegen. Uruguay war das Ziel, das der Technische Direktor des FC Bayern im Januar ansteuerte, dort fand damals die südamerikanische U 20-Meisterschaft statt. Eigentlich keine ungewöhnliche Reise für einen Mann, der die Aufgabe hat, Talente zu sichten und am besten nach München zum Rekordmeister zu locken. Der Trip aber verblüffte damals, weil Karl-Heinz Rummenigge gar nicht lange zuvor verkündet hatte, in Zukunft „die Finger von südamerikanischen Talenten“ lassen zu wollen. Die Begründung: „Das hat einfach keinen Sinn.“

Tatsächlich haben die Bayern nicht viel Glück gehabt mit Spieler-Transfers aus Lateinamerika. Der Brasilianer Breno, der Argentinier Jose Ernesto Sosa oder der Paraguayer Julio dos Santos – sie alle konnten die hohen Erwartungen nie erfüllen. Man ist beim FC Bayern in solchen Fällen oftmals recht drastisch, Giovane Elber wurde als Scout daher sofort abgesetzt. Aber man ist anscheinend doch auch lernfähig. Reschke schließt Transfers aus Südamerika nicht mehr aus, weil es genug erfolgreiche Beispiele gibt. Bestes Vorbild ist der FC Porto, auf den die Bayern heute Abend im Champions League-Viertelfinale treffen.

Richtig pampig wurde Matthias Sammer, als er auf den vermeintlichen Klassenunterschied zwischen den beiden Kontrahenten angesprochen wurde. „Diese Betrachtung ist einfach nur oberflächlich“, schimpfte der Sportvorstand, „denn was dieser Klub leistet, ist gar nicht hoch genug anzusehen – es ist Wahnsinn.“ Nicht nur den Bayern, sondern ganz Fußball-Europa ist die Transferpolitik des FC Porto schon lange äußerst positiv aufgefallen. Die simple Formel: Talente – meist aus Südamerika – vergleichsweise günstig kaufen, ausbilden und dann für eine hohe Ablöse verkaufen. Zwar verlieren die „Dragoes“ (Drachen) nahezu jedes Jahr ihre besten Spieler, das Modell aber hat dennoch Erfolg: In dieser Saison steht das aktuell von Julen Lopetegui trainierte Team zum 19. Mal in der Königsklasse – das ist Rekord.

Unter anderem wurde Hulk 2012 für geschätzte 46 Millionen Euro an Zenit St. Petersburg verkauft, 2011 wechselte Torjäger Falcao für 47 Millionen Euro zu Atletico Madrid. Auch die Transfers von Bruno Alves (22 Mio.), Lisandro López (24 Mio.), Quaresma (24,6 Mio.) oder Anderson (31,5 Mio.) spülten reichlich in die Vereinskasse. Im Sommer 2013 ging James Rodriguez für 38 Millionen Euro nach Monaco, heuer wechselt Danilo für 31,5 Millionen Euro zu Real Madrid. Begehrt ist auch Kolumbiens Jackson Martinez – für 8,8 Millionen verpflichtet, für 35 Millionen Euro zu haben.

Angeblich 250 Scouts beschäftigt der 27-malige portugiesische Meister in Südamerika. Kostspielig, aber lohnend – und tatsächlich hat der Klub angesichts 280 Millionen Euro Schulden kaum eine andere Möglichkeit. Ein Überschuss im mittleren zweistelligen Millionenbereich ist Jahr für Jahr Pflicht. Nur einmal in den vergangenen zehn Jahren (2010/2011) ist das nicht gelungen, ansonsten erzielte Porto einen Gesamtüberschuss von 376 (!) Millionen Euro.

Zum Vergleich: Die Bayern verbuchten im gleichen Zeitraum laut transfermarkt.de 283 Millionen Euro Minus bei den Transfers, Real gar 682 Millionen. Vielleicht ist es manchmal gar nicht schlecht, eigentlich festgelegte Regeln noch einmal zu überdenken – und sich eines besseren belehren zu lassen. Michael Reschke wird im Januar nicht das letzte Mal in Südamerika gewesen sein.

Bayern-Gegner FC Porto im Porträt: Gefahr im Sturm

Hanna Schmalenbach

Rubriklistenbild: © AFP

Auch interessant

Meistgelesen

Analyse: Darum bröckelt der Mythos Thomas Müller
Analyse: Darum bröckelt der Mythos Thomas Müller
Exklusiv: So steht Griezmann wirklich zu einem Wechsel
Exklusiv: So steht Griezmann wirklich zu einem Wechsel
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
Termine bekannt: So bereiten sich die Bayern auf die nächste Saison vor
Termine bekannt: So bereiten sich die Bayern auf die nächste Saison vor

Kommentare