Die beiden Vereine trennen nur 50 Meter

FC Sportfreunde München: Im Schatten des FC Bayern

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Auf dem Sportfreunde-Platz spielen 15 Jugend- und zwei Herrenteams, im Hintergrund das Hauptgebäude des FC Bayern. 

Der FC Sportfreunde ist der direkte Nachbar des großen FC Bayern. Es kommt schon mal vor, dass sich Fans der Roten zum B-Klassisten verirren. Der tz-Report. 

Säbener Straße, das Training läuft. Ein Torwart im Outfit des FC Bayern greift am Ball vorbei. Die eine Hälfte der Fußballer jubelt: „Jaaa, Tooor!“ Die übrigen ärgern sich, schauen ihren Keeper verdutzt an und fragen: „Was machst du denn da?“ Ein ganz normales Training beim wohl bedeutendsten Klub des Landes? Manuel Neuer hat sich gerade einen Patzer erlaubt? Knapp daneben. Wir befinden uns nicht bei Hausnummer 51–57, der Heimat des FC Bayern, sondern einen Katzensprung weiter. Säbener Straße 59 – hier ist der FC Sportfreunde München daheim, gerade trainiert die U 8. 

Ein Vater hat seinen Sohn zum Training gebracht, jetzt nimmt er auf einer Holzbank Platz. Er blättert in einer Tageszeitung, redet so vor sich hin. Irgendwann fällt der Name „Lucas Hernandez“. Bayerns Rekordzugang von Atlético Madrid, für 80 Millionen Euro. Eine andere Welt, und doch so nah. Wendet man den Blick nach links, sind rote Zaunstreben zu erkennen. Vielleicht 50 Meter trennen den Amateurklub von seinem so prominenten Nachbarn. Im Schatten des FC Bayern: Wie ist das so? Reinhold Steingreber, 1. Vorsitzender der Sportfreunde, denkt nach und zieht an seiner Zigarette. Dann drückt er sie im Aschenbecher aus und sagt: „Des haut scho hi! Wenn wir was brauchen und fragen, dann schauen sie, dass sie etwas möglich machen. Es ist eine ganz normale, gute Nachbarschaft.“ 

So ist es heute, früher war es sogar noch intensiver. Bis 2007 waren die Sportfreunde und der FCB direkte Nachbarn – also so richtig Zaun an Zaun. Dort, wo mittlerweile ein Parkplatz und eine Tiefgarage für Fans und Mitarbeiter des Rekordmeisters stehen, spielten einst die Nachwuchskicker des kleinen Klubs. Und gleich nebenan: die großen Stars des deutschen Fußballs. Lothar Matthäus, Mehmet Scholl, Alexander Zickler. Letzterer ist Steingreber besonders im Gedächtnis geblieben. Der Vorsitzende erzählt: „Der Alex hat mal ein Gaudi-Training mit unserer F-Jugend gemacht. Matthäus und Dietmar Hamann haben uns die Bälle zurückgeschossen, wenn sie rübergeflogen sind. Scholl ist ab und zu zum Ratschen rübergekommen.“ Es gab Türen im Zaun, man ging einfach rüber. „Die Bayern sind bei unseren Spielen vorbeigekommen und haben uns angefeuert. Und sonntags hat der Uli Hoeneß mit den Oiden trainiert.“ Steingreber lächelt, er denkt gerne daran zurück. 

Das Vereinsheim ist familiär und ohne Glamour. 

Dazu gehörte auch das „kleine grüne Vereinsheim“. Erst Kabine für die Bayern-Generation um Sepp Maier, dann jahrelang das Herz des Amateurklubs. Steingreber sagt: „Es gab drei Kabinen und einen kleinen Verschlag, in dem maximal zehn Leute Platz hatten. Als wir dort weg sind, ist der Zulauf im Stüberl und zum Brotzeitmachen weniger geworden.“ Und heute? Sind die Sportfreunde in einem Holzbau zu Hause, er versprüht weniger Charme als die ehemalige Bayern-Kabine. Eltern und Fußballer bleiben nach dem Training kaum noch länger. Das wäre allerdings auch nur schwer möglich. Steingreber: „Normalerweise sind jeden Tag 150 bis 200 Kinder da. Der Platz ist sieben Tage die Woche von 9 Uhr in der Früh bis um 10 in der Nacht voll.“ 

15 Jugendmannschaften und zwei Herrenteams teilen sich einen Kunstrasenplatz, da bleibt selbst für die Großen oft nur ein Viertel des Feldes. Gerne würde der Verein auch ein Angebot für Mädels und Frauen schaffen – es fehlt schlicht der Platz. Zu besten Zeiten konnte der FC Sportfreunde an der Säbener Straße auf drei Plätze zurückgreifen. Steingreber: „Nachdem die Amerikaner aus München weggegangen sind, so um 1990, haben wir uns deren Felder für American Football und Baseball abgesteckt. Wir hatten zwei zusätzliche Rasenplätze. Das war ein Traum!“ 

Dann vergrößerte sich der FCB und die Sportfreunde mussten schrumpfen. Trotzdem: Steingreber und Kollegen hegen keinerlei Groll auf den berühmten Nachbarn. Der Vorsitzende ist selbst Fan der Roten und sehr dankbar für die kollegiale Hilfe unter den Klubs. Denn als 2017 ein neuer Kunstrasen für die Sportfreunde her musste, öffnete der FCB seine Türen und ließ die Herrenteams bei sich spielen. Das war fast so wie früher. 

Und auch heute profitiert der Amateurverein noch manchmal von der prominenten Adresse. Steingreber erzählt: „Es verirren sich immer wieder Fans zu uns, die eigentlich zum FC Bayern wollen. Die merken das aber schnell, sagen ‚Ah, hier samma falsch‘ und gehen wieder.“ Steingreber und die Sportfreunde aber bleiben. Auf der kleinen Anlage in der Säbener Straße 59, nur 50 Meter vom FC Bayern, und doch in einer ganz anderen Welt.

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