1. tz
  2. Sport
  3. FC Bayern

FCB-Legende: "Gegen Ribéry hätte ich keine Chance"

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jan Janssen

Kommentare

null
Peter Kupferschmidt (l.) – hier 1968 mit Trainer Tschik Cajkovski – wird am heutigen Freitag 70 © Imago

München - FC-Bayern-Legende Peter Kupferschmidt vergleicht im tz-Interview zu seinem 70. Geburtstag den FC Bayern von damals mit dem heutigen Rekordmeister. Die Unterschiede sind unfassbar.

Glückwunsch zum 70., Herr Kupferschmidt! Sie haben von 1960-71 über 200 Ligaspiele für Bayern bestritten. Wie hat sich der Fußball seitdem verändert?

Kupferschmidt: Gewaltig! Vor allem in Sachen Tempo und Härte. Das war früher anders, kein Vergleich mit heute. Auch die Gehälter.

Damals war es eher Hobby, oder?

Kupferschmidt: Anfangs schon. Aber dann hatten wir unseren Manager Robert Schwan, das war der Anfang vom Profitum. 1965 haben wir nicht mehr gearbeitet. Da haben wir jeden Tag trainiert.

Wie viel Geld haben Sie denn damals bekommen?

Kupferschmidt: Monatlich gab es 1200 DM Grundgehalt, plus Prämien: Auswärtssieg 1000 DM, Heimsieg 500 DM, 10 000 DM für den Europapokal.Bei einem Sieg gegen die Löwen gab es eine Sonderprämie: 2000 DM. Das war ein Haufen Geld – und eine tolle Zeit. Wir waren dreimal in Südamerika, wegen unserer Achse Maier, Beckenbauer, Müller. Wir wurden immer eingeladen, alle wollten ja diesen Beckenbauer sehen.

Bayern-Stars in Lederhosen: Das fesche Fotoshooting

Mit dem Aufstieg in die Bundesliga war es dann fast so wie heute?

Kupferschmidt: Teilweise. Wir hatten natürlich keine fünf Co-Trainer. Der Co-Trainer, das war bei uns der Spielführer, der Olk. Der hat das Aufwärmen gemacht. Und der Trainer, der Tschik, der hat die Mannschaft aufgestellt. Wenn sie heute das Mannschaftsbild sehen, wie wir 1969 Meister geworden sind: Da haben sie den Zebec anbetteln müssen, damit der überhaupt mit aufs Foto kommt. Und ich stehe in Zivil daneben, weil ich ausgerechnet in dem Spiel nicht mitgespielt habe. Das war zum Teil noch amateurhaft.

Heute ist der Verein ein mittelständisches Unternehmen.

Kupferschmidt: Ja, man muss sich nur die Säbenerstraße anschauen. Wir haben uns früher noch in einem klapprigen Schuppen umgezogen, die Schuhe mussten wir selber mitbringen und putzen.

Immerhin konnten Sie noch ohne Druck spielen, oder?

Kupferschmidt: Anfangs sicher. Aber: Der Druck ist dann schnell gekommen, als wir die ersten Erfolge hatten. Da liefen dann ja auch schon Ablösesummen. Und da ist auch der Erfolg des FC Bayern begründet. Der Neudecker, der hat das Geld zusammengehalten. Im Gegensatz zu den Sechzigern. Die hatten drei, vier Jahre einen Höhenflug und dann ging es bergab, weil sie nicht richtig gewirtschaftet haben. Der FC Bayern hatte aber 15 Jahre mit Schwan und Neudecker, und dann kam Uli Hoeneß, unser größtes Glück.

Das machen die Champions-League-Helden von 2001 heute

Bidler

Das schönste Erlebnis war 1967 der Europapokal?

Kupferschmidt: Ja. Damals waren Titel noch etwas Besonderes. Diese Mannschaft war super, gespickt mit Weltklassespielern. Das Tollste: Wir waren wirklich Freunde! Das ging damals noch, heute muss auch immer wieder der Egoismus durchbrechen.

Wären Sie lieber heute Profi oder damals?

Kupferschmidt: Heute. Aber da müsste ich ein anderer Typ sein. Viel energischer und egoistischer, wie der Robben. Aber unsere Stars damals, Maier, Beckenbauer und Müller, das waren zum Teil auch Egoisten.

Wenn Sie die Mannschaft heute sehen, staunen Sie manchmal über die Tricks und das Tempo?

Kupferschmidt: Absolut. Ich war ja Verteidiger und ich stelle mir manchmal vor, ich würde gegen den Ribéry spielen. Da hätte ich nicht den Hauch einer Chance. Der ist so schnell, so wendig, das ist unglaublich.

Was trauen Sie den Bayern in dieser Saison zu?

Kupferschmidt: Es ist dieses Jahr wahnsinnig schwierig. Die Dortmunder, die gewinnen ja immer! Deswegen glaube ich auch, dass der BVB Meister wird.

Und was gelingt international?

Kupferschmidt: Das Halbfinale wäre schon ein großer Erfolg. Um ins Finale zu kommen, müsste jemand anderes Barcelona ausschalten. Die sind zu stark für uns.

Interview: jj.

Auch interessant

Kommentare