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Serie: Der Nachwuchs des FCB im Fokus

Bayern-Nachwuchs: Was die Konkurrenz besser macht

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Nachwuchschef Michael Tarnat.

München - Die tz beleuchtet in einer großen Serie den Nachwuchs des FC Bayern. Im ersten Teil: was der Klub in Zukunft besser machen möchte und wo ihm andere Vereine voraus sind.

Es war in diesem Sommer, als die deutsche U19-Nationalmannschaft den EM-Titel heimbrachte. Eine große Freude im Land des Weltmeisters, nur beim FC Bayern war man nicht ganz zufrieden. Im Junioren-Kader war nicht ein Spieler der Roten dabei, ein Ärgernis für Karl-Heinz Rummenigge. Der Vorstandsboss kündigte sogleich an, dass „wir jetzt Vollgas geben werden in Sachen Nachwuchs“.

Was das heißt? Michael Tarnat muss es wissen. Der Nachwuchskoordinator und sportliche Leiter des Junior-Teams bei den Bayern überlegt kurz, dann sagt er bestimmt: „Ich glaube, dass wir sehr gut aufgestellt sind – mit unseren Trainern und unseren Mannschaften. Wir stehen nicht ganz so schlecht da mit unseren Jugendmannschaften, und auch nicht mit unseren Amateuren.“ Der ehemalige FCB-Spieler spricht von einem Prozess, er glaubt fest daran, dass man in den kommenden Jahren „wieder erfolgreich sein wird“. Er meint damit: auf allen Ebenen, in allen Jugendbereichen. Überall wird Platz eins angestrebt, man ist nicht umsonst der FC Bayern. Auch bei Tarnat und seiner Abteilung zählt nur das Optimum.

Doch es läuft nicht alles perfekt beim Rekordmeister, das gibt der 45-Jährige offen zu. Tarnat sagt: „Infrastrukturell haben uns andere Vereine überholt.“ Er spricht von den Vorteilen eines Nachwuchsleistungszentrums, das es andernorts längst gibt. „Wir haben gesehen, dass Hoffenheim, Dortmund oder Stuttgart diese gebaut haben, Salzburg oder Leipzig auch. Und damit merkt man: Diese Vereine haben andere Voraussetzungen als wir.“

Qualität bei den Spielern, Qualität bei den Trainern, vieles liegt nun an diesem NLZ. Die Vorteile: Es bindet die Ju-gendspieler noch näher an den Verein und damit an den Fußball. Man hat sie den ganzen Tag über im Sinne der Entwicklung bei sich, kann die schulischen Pflichten besser mit dem Tages- und Trainingsablauf koordinieren. Beim FC Bayern bleibt in dieser Hinsicht derzeit noch viel auf der Strecke, etwa wenn die Jugendlichen „aus dem Raum Memmingen, Ingolstadt oder Rosenheim kommen und täglich zu uns fahren“, wie Tarnat sagt. An der Säbener Straße tummeln sich am späten Nachmittag zu viele Mannschaften auf zu wenig Plätzen. Tarnat: „Karl-Heinz Rummenigge hat ja gesagt, dass wir aus allen Nähten platzen. Wir alle wissen im Verein, dass wir da etwas Neues brauchen.“

Und ja, das FCB-NLZ ist in Planung, es soll an der Ingolstädter Straße im Münchner Norden entstehen. Karl Hopfner erklärte zuletzt, dass die Hürde mit dem Bebauungsplan genommen sei. Dennoch werden noch ein paar Jahre vergehen, bis man von der „Säbener Straße II“ profitieren wird. Das wissen auch die Bosse, anders ist die Aussage von Sportvorstand Matthias Sammer kaum zu verstehen, wenn er sagt: „Der Nachwuchs ist immer ein mittelfristiger Erfolgsfaktor, auch da kann man kurzfristig nichts erzwingen. Wir haben wichtige Grundlagen gelegt.“ Man braucht Geduld. Dabei gibt es für den FC Bayern längst eine zweite Gefahr im Jugendbereich: die bayrische Konkurrenz.

Es ist erst ein paar Jahre her, als man sich nicht zuletzt durch den tragischen Fall Brenos und seiner verpatzten Integration einig war, auf Talente in der direkten Umgebung setzen zu wollen. Der Blick nach Südamerika wurde zweitrangig, zumindest im Bereich der ganz jungen Spieler wollte man auf den Heimatfaktor setzen, scoutete in Niederbayern, Schwaben, Österreich. Genau für diese Regionen ist dem FC Bayern zuletzt eine große Konkurrenz entgegengetreten. Michael Tarnat sagt: „Vereine wie Augsburg und Ingolstadt wachsen, bauen ein Scouting-System auf, sichten Spieler. Der Kampf in der Region Bayern ist größer geworden. Da waren früher nur der FC Bayern und sein Nachbar da.“

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Dennoch ist der Nachwuchskoordinator gelassen. Er sagt: „Wir sind der Verein mit den meisten Jugendspielern im Profibereich. Und wir sind der einzige Verein, aus dessen Nachwuchsbereich acht Spieler in der eigenen Profiabteilung gelandet sind.“ Lahm, Schweinsteiger, Müller & Co. sind gute Argumente. Und wenn nicht bei den eigenen Profis, so spielen viele Jugendliche heute bei anderen Bundesligisten oder bei Klubs im Ausland. Das klingt auch bei den Eltern an, laut Tarnat wüssten sie, dass „die Spieler hier gut ausgebildet und auf technisch hohem Niveau“ sind.

In Zukunft könnte dieses Niveau sogar noch mal gesteigert werden. Mit Vollgas – aber vor allem mit einem Leistungszentrum.

mic, sw

Lesen Sie morgen: Die zweite Mannschaft und der Ruf nach einer Reform

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