„Das tut noch in zehn Jahren weh“

Lichtblicke in der Enttäuschung: Diese Spieler stehen für den FCB-Umbruch

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Niklas Süle (l.) hatte Cristiano Ronaldo über 90 Minuten im Griff.

Der FC Bayern dominierte die laut UEFA-Ranking beste Mannschaft der Welt, flog aber dennoch aus der Champions League. Doch es wurde ersichtlich, wem beim deutschen Rekordmeister die Zukunft gehört.

Madrid - Trauer. Ratlosigkeit. Wut. Der Blick in die Gesichter der Bayern nach dem Drama von Madrid sprach Bände. Als Karl-Heinz Rummenigge gegen Mitternacht im noblen Bankettsaal des Luxushotels VP Plaza España Design zur Bankettrede ansetzte, waren die Blicke von Thomas Müller, Sven Ulreich & Co. wie versteinert. 2:2. Ein Tor mehr, und die Roten stünden im Endspiel von Kiew. So blieb es jedoch beim fünften Ausscheiden in Folge. Die Lehren von Madrid, da war sich auch der Vorstandsboss sicher, waren aber andere. „Ich habe jetzt leider keinen Hut auf“, sagte Rummenigge in Richtung der niedergeschlagenen Mannschaft. „Aber wenn ich einen hätte, würde ich ihn ziehen und mich vor der Mannschaft verneigen. Ich möchte euch ein großes Kompliment machen. Was ihr heute Abend geleistet habt, ist à la bonne heure.“ Beifall. Der FC Bayern hatte ihn auch verdient.

Über zwei Spiele hinweg hatten die Münchner Real Madrid, die laut UEFA-Ranking beste Mannschaft der Welt, „am Abgrund. Das einzig Traurige ist“, fuhr Rummenigge fort, „dass wir Real nicht in den Abgrund hineingestürzt haben.“ Und das war – nüchtern betrachtet – einzig und allein Schuld der Münchner. Zu viele Chancen ließen Robert Lewandowski & Co. ungenutzt. Zu viele Fehler wurden begangen, die eine Mannschaft wie die Königlichen zu bestrafen wusste. Es war mehr drin. Viel mehr. Das wusste auch Jupp Heynckes. „Ich habe meinen Spielern eben schon in der Kabine gesagt, dass ich den FC Bayern noch nie so im Bernabéu gesehen habe“, so der Trainer. „Aber auf diesem Niveau darf man einfach nicht so krasse Fehler machen wie wir im Hinspiel und heute kurz nach der Pause.“

„Wir sind schon so oft knapp ausgeschieden“

Nicht nur Abwehrchef Mats Hummels war nach dem 2:2 in Madrid bedient. Doch es gab aus Sicht der Münchner auch viel positives.

Es hätte alles anders laufen können. Vielleicht sogar müssen. Und das schmerzte. „Es tut extrem weh, das tut noch in zehn Jahren weh“, sagte Mats Hummels. „Es ist schwer, das zu fassen. Wenn man hochrechnet, haben wir zwei Tore hergeschenkt. Aber Real hat weniger gravierende Fehler gemacht.“ Kollege Müller ergänzte: „Es tut sehr weh, dass wir diese Möglichkeit nicht genutzt haben. Es war so viel mehr drin. Wir müssen uns die Frage stellen, was wir in diesen Partien falsch machen. Wir sind schon so oft knapp ausgeschieden. Aber im Fußball geht es immer weiter, auch wenn nach so einem Spiel die Zeit stillstehen sollte.“

Das tut sie aber nicht. In gut zwei Wochen haben die Roten die Gelegenheit, mit dem Pokalfinale in Berlin eine Saison abzurunden, die in Rummenigges Augen „ihresgleichen sucht“. Und was den vermaledeiten Henkelpott angeht, ist sich Sportdirektor Hasan Salihamidzic auch sicher: „Irgendwann holen wir uns das Ding schon!“

Es hätte alles anders laufen können. Vielleicht sogar müssen. Und das schmerzte.

Die Vorzeichen stehen gut. In Niklas Süle, Joshua Kimmich, Corentin Tolisso und James Rodriguez kickten vier Akteure im Bernabéu, die für die Zukunft des FC Bayern stehen. Und diese Zukunft muss jetzt ein für alle Mal zur Gegenwart werden. Altgranden wie Franck Ribéry und Arjen Robben haben dem Verein eine Menge gegeben, jetzt müssen jedoch Spieler wie Serge Gnabry, Leon Goretzka und Kingsley Coman das neue Gesicht des Rekordmeisters bilden.

Dass die Zeit reif ist, bewies Süle bereits am Dienstag. 90 Minuten lang machte Ronaldo keinen Stich gegen den 22-Jährigen, der wie kein Zweiter für den notwendigen Generationswechsel beim FCB steht. Die Zeit ist reif. Für neue Spieler. Für neue Impulse. Für neue Erfolge.

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