Der FCA-Kicker im tz-Interview

Feulner: "Bayern hat brutale Qualität"

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Besuch in der SGL-Arena: tz-Reporter Knippenkötter (re.) vor dem FCA-FCB-Spiel mit Feulner in Augsburg.

München - Sein erstes Spiel als Profi absolvierte Markus Feulner in der Champions League - für den FC Bayern. Jetzt könnte er noch mal in der Königsklasse landen – dieses Mal mit dem FC Augsburg.

Als dieses Szenario im Gespräch mit der tz auf den Tisch kommt, muss Feulner lachen. „Lassen wir die anderen träumen“, sagt er.

Herr Feulner, haben Sie Ihre Kollegen schon beruhigt?

Feulner: Inwiefern?

Es gibt ja nicht viele Spieler in Ihrer Mannschaft, die sich mit der derzeitigen Tabellenregion auskennen.

Feulner: Das stimmt, ich kenne beide Extreme! Im Moment leben wir in einer sehr schönen Situation. Aber wir als Mannschaft wissen, dass wir noch nichts erreicht haben. Wir wollen weiter arbeiten, uns den Klassenerhalt sichern – und für Furore sorgen.

Wie ist der FCA denn dorthin gekommen, wo er nun steht?

Feulner: Über die mannschaftliche Geschlossenheit. Jeder weiß, wie wir funktionieren, danach bringt sich jeder ein. Man hat schon in den letzten Jahren gesehen, dass Augsburg eine deutliche Tendenz nach oben hat, das ist alles kein Zufall, so wie hier gearbeitet wird.

Ist es da ein bisschen schade, dass es ausgerechnet jetzt gegen den FC Bayern geht?

Feulner: Nein, das ist überhaupt kein Problem. Wir haben ein Heimspiel und wissen, dass Bayern zuletzt hier verloren hat. Das Spiel werden wir genießen, rausgehen, Spaß haben! Auch wenn Bayern brutale Qualität hat…

Wie genau verfolgen Sie denn den Rekordmeister?

Feulner: Ich konzentriere mich vor allem auf meine Aufgaben in Augsburg. Aber natürlich beobachtet man seinen Ex-Verein immer wieder, gerade auch in der Champions League. Außerdem kenne ich noch viele Spieler – sowohl aus meiner Zeit in Dortmund als auch aus meiner Anfangszeit bei Bayern. Es ist sensationell, wie stabil die Mannschaft geworden ist. Das ist die Topmannschaft schlechthin.

Welche Leistung ist bedeutender: Mit dem FCB auf Platz eins zu stehen oder mit dem FCA auf Platz drei?

Feulner: Das kann man nicht vergleichen. Bayern hat immer die Zielsetzung, die Nummer eins zu sein, egal, in welchem Wettbewerb. Und für uns ist es ein Highlight, auf Platz drei zu stehen. Aber die Tabelle ist auch ein wenig verrückt, da müssen wir den Moment genießen.

An welche Momente aus Ihrer Zeit bei Bayern denken Sie besonders gern zurück?

Feulner: Natürlich an die ersten Spiele bei den Profis, meinen ersten Einsatz in der Champions League – ohne überhaupt mal bei den Profis mittrainiert zu haben.

Das ist jetzt 13 Jahre her.

Feulner: Ja, eine Ewigkeit! Es war das letzte Gruppenspiel im Herbst 2001 in Prag, vorher hatte ich gerade mal 20 Minuten in einem Freundschaftsspiel in Saarbrücken mitgemacht. Dann kam noch ein Spiel mit den Amateuren bei Kickers Stuttgart und plötzlich habe ich einen Anruf gekriegt, ich solle bei den Profis spielen.

Was dachten Sie da?

Feulner: Dass ich auf der Bank sitze. Eigentlich ganz schön. Und dann hat mich am Abend vor dem Spiel Ottmar Hitzfeld gefragt, auf welcher Seite ich spielen möchte.

Sie durften wählen?

Feulner: Ja, ich habe mich für die rechte Seite entschieden. Wir haben 1:0 gewonnen, ein Highlight. Um mich herum waren lauter gestandene Stars. Das war ganz anders als heute: Es gab fast nur erfahrene, ältere Spieler. Heute gibt es sehr viele junge Spieler, einen Mittelbau und nur wenige ältere.

Hat Sie jemand von diesen Nationalspielern besonders geprägt?

Feulner: Da waren einige dabei. Zu ihrer Zeit waren das alles absolute Ausnahmespieler! Effenberg zum Beispiel hatte ich dann meinen ersten Liga-Einsatz zu verdanken.

Wie meinen Sie das?

Feulner: Auf dem Weg zum Essen hat er mich mal gefragt: „Markus, wie viele Bundesligaspiele hast du eigentlich?“ Ich habe gesagt: „Noch keins.“ Und er nur so: „Dann wird es mal Zeit!“ – in einem Ton, der etwas zu laut war. Dann habe ich mich umgedreht und Ottmar Hitzfeld stand hinter uns. An dem darauffolgenden Wochenende habe ich dann gegen Cottbus mein Debüt gefeiert.

Gibt es Kontakt nach München? Sie haben mal erzählt, dass Schweinsteiger Sie mit Videobotschaften versorgt hat.

Feulner (lacht): Oh ja, das war zu Nürnberger Zeiten. Das war extrem, so viele Videos! Der hatte zu viel Zeit (lacht). Heute ist das weniger geworden, Basti ist natürlich damit beschäftigt, wieder fit zu werden. Aber der Kontakt besteht immer noch. Auch Mario Götze habe ich mal getroffen. Man kennt sich halt.

Haben Sie auch während der WM von den Jungs gehört?

Feulner: Nein, da sind die schon sehr unter sich. Ich habe sie natürlich verfolgt und mich wahnsinnig für sie gefreut. Man muss schon den Hut ziehen, was sie dort geleistet haben. Ich glaube, dass diese Saison insgesamt sehr anstregend für sie ist und sie sich durchbeißen müssen bis zum Winter. Die Jungs sehnen die Pause herbei.

Wie sieht das bei Ihnen aus? Es gibt genug Beispiele von Teams, die nach einer sehr starken Hinrunde in der zweiten Hälfte abgestürzt sind.

Feulner: Das wissen wir. Aber wir arbeiten weiter hart und ­halten uns nicht mit Träumen auf.

Vor gut zwei Jahren mussten Sie einen Schicksalsschlag hinnehmen (Feulners Vater Michael starb im Alter von 54 Jahren bei einem Luftkissenbootrennen, Anm. der Red.). Hat Sie das nachhaltig verändert?

Feulner: Nein, es verändert einen nicht. Man genießt einige Situationen anders. Wenn man bei der Familie ist, genießt man diese Zeit einfach bewusster. Das Schwierige ist, zurückzukommen in den Alltag – weil sich erst mal alles anders anfühlt. Die ersten Tage und Wochen muss man immer wieder daran denken. Es dauert, bis man wieder im Alltag ist.

Hat Sie diese Erfahrung im knallharten Fußballgeschäft etwas lockerer werden lassen?

Feulner: Lockerer nicht. Vielleicht im Umgang mit anderen Dingen, auf jeden Fall aber nicht im Sport. Man sagt sich „Es ist nur Fußball!“ – aber das sollte man sich auch ohne so einen Schicksalsschlag immer wieder bewusst werden lassen.

Sie setzen auch Prioritäten nicht anders?

Feulner: Nein, überhaupt nicht. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie, meinen Schwestern, meiner Mutter, den Schwiegereltern bewusster. Vielleicht hat das aber auch einfach mit dem Alter zu tun (schmunzelt).

Möglich, Sie sind mit fast 33 schon im gehobenen Fußballalter! Denken Sie darüber nach, was nach der Karriere passiert?

Feulner: Natürlich! Für mich steht fest, dass ich im Bereich Fußball bleiben und da weiter meinen Weg gehen möchte.

Vielleicht sogar beim FCA?

Feulner: Es wäre eine Möglichkeit, ich bin für alles offen.

Auf dem Platz oder im schicken Anzug?

Feulner: Das muss man dann mal für sich herausfinden. Das kann ich noch nicht sagen.

Vielleicht wären Sie ja auch der Richtige, um der Jugend etwas weiterzugeben. Mit vier Abstiegen, zwei Aufstiegen und zwei Meistertiteln haben Sie bisher eine erstaunliche Bandbreite der Gefühle abgedeckt.

Feulner (lacht): In meiner Karriere war es selten langweilig, das stimmt! Ich hatte viele Ex­treme, auch viele Verletzungen. Man könnte in diesem Sinne darüber nachdenken!

Michael Knippenkötter

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