Rummenigge über Finanzen

Dritter Investor für Bayern? "Holen keinen Messi"

+
Karl-Heinz Rummenigge.

Düsseldorf - Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hält die Beteiligung eines dritten Anteilseigners an der FC Bayern München AG durchaus für möglich.

„Wir könnten noch Anteile verkaufen, ich würde das nicht zur Gänze ausschließen“, sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge am Dienstag beim Sportsponsoring-Kongress Spobis in Düsseldorf. Der Vorstandsvorsitzende des Bundesligisten betonte: „Wir brauchen kein Geld für Transfers.“ Die Münchener werden keinen „Messi holen“. Bisher sind Audi und Adidas Anteilseigner beim Rekordmeister.

„Wenn wir so etwas machen, wird das in die Infrastruktur investiert, in Steine, nicht in Beine“, ergänzte Rummenigge. Das Geld der derzeitigen Anteilseigner sei ebenso ins Stadion geflossen. Weitere Einnahmen könnten für das neue Nachwuchsleistungszentrum eingesetzt werden. Zu einem möglichen Einstieg der Allianz, dem Namensgeber der Arena, sagte Rummenigge: „Ich habe auch von den Gerüchten gehört, aber das kann ich im Moment nicht bestätigen.“

Rummenigge kündigte an, dass die Bayern die USA als Zielmarkt ausgemacht haben. „Wir werden im nächsten Sommer nach Amerika gehen, da drei Spiele machen“, kündigte der Bayern-Boss an und fügte hinzu: „Wir werden in New York ein Büro eröffnen.“

Für Rummenigge stehen die Europäische Fußball-Union (UEFA) und deren Präsident Michel Platini (58) unter Zugzwang. „Das Financial Fairplay muss ab dem 1. Juli mit aller Konsequenz umgesetzt werden. Das ist eine Nagelprobe für die UEFA, die sich nicht gefallen lassen wird, dass ein Klub nach drei Jahren Übergangszeit die Kriterien nicht einhält“, sagte der 58-Jährige.

Auf dem größten Sportbusiness-Kongress in Europa erläuterte Rummenigge, dass bei einem weiteren wirtschaftlichen Wildwuchs in Europa die Bundesliga im internationalen Vergleich schon bald hinterherhinken würde.

Rummenigge, zugleich Vorsitzender der Europäischen Klub-Vereinigung ECA, betonte zwar, dass er kein Freund von Sanktionen sei, im Notfall müsse aber auch der vorhandene Strafenkatalog der UEFA greifen.

Der Verband kann bei gravierenden Verstößen gegen das Financial Fair Play Vereine aus internationalen Wettbewerben ausschließen. Zudem kann die UEFA seit dem 1. Januar geltenden Strafenkatalog die Anzahl der Spieler, die ein Verein für einen UEFA-Wettbewerb registrieren darf, beschränken und ein Limit für die Personalausgaben festlegen.

Dem Topstar, der das Gehaltsgefüge und damit den von der UEFA geforderten Break-even-Point sprengt, würde damit künftig nur der Liga-Alltag bleiben. „Solche Strafen sollten aber die Ausnahme sein. Ich glaube an das Gute“, sagte Rummenigge.

Ab 2013/14 werden Vereine, die am Europacup teilnehmen, einer Finanzprüfung unterzogen. Dabei gelten folgende Regeln: Bis 2015 darf ein Klub im Jahr 45 Millionen Euro mehr ausgeben als er einnimmt. Bis 2018 dann nur 30 Millionen und danach sogar nur noch 5 Millionen. Die Einnahmen dürfen nur aus Spielprämien, TV-Geldern, Transfererlösen oder Sponsoring kommen - und nicht von Investoren stammen.

„Die Bundesliga erfüllt zu 100 Prozent die Bedingungen, aber das ist nicht überall so in Europa. Deshalb heißt es ja auch Fair Play, und das muss zwingend hergestellt werden. Wir müssen zu einer gewissen Rationalität und Vernunft im Fußball zurückkehren“, sagte der Bayern-Boss. Ansonsten werde es ein erneutes deutsch-deutsches Champions-League-Finale wie im vergangenen Sommer zwischen Bayern München und Borussia Dortmund so schnell nicht mehr geben.

In diesem Zusammenhang kritisierte Rummenigge erneut den neureichen Klub Paris St. Germain. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Paris das Financial Fair Play einhält. Man kennt ja die Summen, die aus Katar fließen, angeblich 200 Millionen pro Saison. Michel Platini wird hoffentlich am 1. Juli ernst machen. Vereine, die nicht die Statuten erfüllen, werden dann den Preis dafür zahlen, mit dem sie heute noch nicht rechnen“, sagte Rummenigge mit Blick auf den Achtelfinal-Gegner in der Champions League von Bayer Leverkusen.

Der Bayern-Boss merkte an, dass 63 Prozent aller Profiklubs in Europa rote Zahlen schreiben, und dieser alarmierenden Statistik müssen man Rechnung tragen und mit aller Härte gegen Klubs vorgehen, die mehr Geld rauswerfen als sie einnehmen. „Es kann sein, dass meine und Platinis Ansichten nicht immer auf Gegenliebe treffen. Aber es kann nicht sein, dass die Champions League durch einen reichen Mann, egal ob aus Russland oder aus Saudi-Arabien, entschieden wird. Das sieht Michel Platini genau so.“

Vor allem PSG mit Superstar Zlatan Ibrahimovic ist Rummenigge, aber wohl auch dem Franzosen Platini ein Dorn im Auge. Die Investoren-Gruppe QSI (Qatar Sports Investment) hatte im Mai 2011 70 Prozent der Anteile an Paris St. Germain gekauft, 2012 folgten die restlichen 30 Prozent. Seitdem investieren die Scheichs ohne Ende in den Klub. 370 Millionen Euro wurden allein für neue Spieler ausgegeben. Aber auch dem FC Chelsea, Manchester City oder Manchester United, die von schwerreichen Eigentümern gelenkt werden, möchte Rummenigge auf die Finger schauen.

„Wir müssen aufpassen, dass wir nicht mit Vollgas auf eine Wand zufahren und keiner bereit ist, vom Gas zu gehen und auf die Bremse zu treten. Ich bin gespannt, wie solche Klubs wieder in die Spur kommen wollen“, so Rummenigge.

Ein finanzieller Crash großer europäischer Vereine wäre laut Rummenigge nicht nur für die Bayern, sondern für die ganze Bundesliga schädlich. „Das Thema Wettbewerbsfähigkeit wird für die Bundesligaklubs auf Sicht nur machbar, wenn Financial Fair Play umgesetzt wird. Wenn nicht, wird die Bundesliga, und da ganz speziell die Top-Klubs, Probleme haben, ihre Mannschaften beieinander zu halten.“

sid/dpa

Die zehn besten Fußball-Stadien der Welt

Die Online-Ausgabe der „Times“ hat vor mehreren Jahren die 10 schönsten und besten Fußball-Stadien der Welt gewählt. Sehen Sie hier, welche Arenen es in die Top Ten geschafft haben © picture alliance / dpa
Platz 10: Das Craven Cottage in London ist die Heimat des FC Fulham. Es ist eine der letzten wirklich alten und traditionsreichen Kampfbahnen in England. Es liegt am Ufer der Themse. © AFP
Verein: Fulham FC; Kapazität: 25 678 Plätze © AFP
Platz 9: Camp Nou, die Heimat des FC Barcelona, wird auch die Kathedrale Kataloniens genannt. Es ist Europas größtes Fußball-Stadion und besticht durch eine einmalige Atmosphäre - wenn es denn voll ist. Das ist bei Barca aber normalerweise der Fall. Es soll demnächst weiter ausgebaut werden. © AFP
Verein: FC Barcelona; Kapazität: 98 787 Plätze. © picture alliance / dpa
Platz 8: Das Stadionul Dinamo, die Heimat von Dinamo Bukarest, führt die „Times“ auf Rang 8. Es ist ein Meisterstück der stalinistischen Zeit des Kalten Krieges. Kapazität: 15.300 Plätze. © Tico189/wikimedia
Platz 7: La Bombonera - dieser Name klingt schon nach Atmosphäre und Stimmung. Die Heimat der Boca Juniors Buenos Aires heißt offiziell Estadio Alberto Jacinto Armando und gilt als eines der Stadien mit der hitzigsten und emotionalsten Atmosphäre. © AFP
Verein: Boca Juniors Buenos Aires; Kapazität: 57.395 Plätze © AFP
Platz 6: Das Santiago Bernabeu in Madrid ist die Heimat von Superstar Cristiano Ronaldo und dessen Verein Real Madrid. Das königliche Stadion besticht vor allem durch seine Enge. © AFP
Verein: Real Madrid CF; Kapazität: 80 354 Plätze © AFP
Platz 5: Die Allianz Arena in München. Die Heimat des FC Bayern und 1860 München schafft es in die Top 5. Laut „Times“ wird hier gezeigt, wie man ein neues Stadion zu bauen hat. Neueste Technologie, hoher Komfort und dennoch stimmungsgewaltig. © AFP
Vereine: FC Bayern München, TSV 1860 München; Kapazität: 71 000 Plätze © AFP
Platz 4: Das Inönü-Stadion von Besiktas Istanbul schlägt die Konkurrenz von Galatasaray oder Fenerbahce alleine durch seine Umgebung. Einen wundervollen Ausblick zur asiatischen Seite Istanbuls kann man von den Rängen genießen - doch in dieser Atmosphäre achtet darauf niemand. Kapazität: 32 145 Plätze © Darwinek/wikimedia
Platz 3: Legendäre Gänsehaut-Atmosphäre bei „Youl‘ll never walk alone“. This is Anfield. Die Anfield Road ist die Heimat des FC Liverpool. © AFP
Verein: Liverpool FC; Kapazität: 45 362 Plätze © AFP
Platz 2: Das Giuseppe-Meazza-Stadion von Mailand bekommt die Silber-Medaille. Die Heimat von des AC Milan und Lokalrivale Inter Mailand ist das größte Stadion Italiens - und das wohl schönste. © AFP
Vereine: AC Mailand, Inter Mailand; Kapazität: 81 389 Plätze © AFP
Platz 1: Der Sieger kommt aus Deutschland und ist das größte und stimmungsgeladenste Stadion der Bundesliga. Der Signal Iduna Park von Dortmund wurde für den Fußball konstruiert, alleine die Südtribüne bietet Stehplätze für 25 000 Fans - die gelbe Wand. © AFP
Verein Borussia Dortmund; Kapazität: 80.552 Plätze © picture alliance / dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Ausfall länger als geplant? Coman sorgt für nächsten Verletzungsschock bei den Bayern
Ausfall länger als geplant? Coman sorgt für nächsten Verletzungsschock bei den Bayern
Live-Ticker: FC Bayern ohne Hummels und Goretzka - Comeback für Welt- und Europameister
Live-Ticker: FC Bayern ohne Hummels und Goretzka - Comeback für Welt- und Europameister
Tim Wiese: „Totaler Quatsch, Uli Hoeneß soll nicht rumheulen“
Tim Wiese: „Totaler Quatsch, Uli Hoeneß soll nicht rumheulen“
Kader fürs Spiel in Lissabon: Goretzka und Ribery dabei
Kader fürs Spiel in Lissabon: Goretzka und Ribery dabei

Kommentare