Er war auf Kaution frei

Flucht! Hoeneß-Banker entkommt der Polizei

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Uli Hoeneß könnte im Januar 2015 Freigänger-Status erhalten.

München - Im Oktober wurde ein Schweizer Banker im Zusammenhang mit der Steueraffäre um Uli Hoeneß in Polen festgenommen. Nun soll sich der Mann in seine Schweizer Heimat abgesetzt haben.

Er war der Banker, der Uli Hoeneß beim Steuerbetrug half. Der 61-jährige Schweizer Jürg H., langjähriger Vorstand der Züricher Bank Vontobel, wurde steckbrieflich in Europa gesucht und am 22. Oktober in der polnischen Hauptstadt Warschau festgenommen. H.s Ehefrau ist Polin. Doch jetzt ist er den Beamten entwischt.

Flucht in die Schweiz ohne Reisepass

Die Vontobel-Bank: Über die Privatbank wickelte Hoeneß seit den 70er-Jahren Deals über hunderte Millionen ab. Alleiniger Ansprechpartner: Jürg H. Ihn konnte er zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichen.

Berichten von Spiegel online und der Schweizer Nachrichtenwebsite Inside Paradeplatz zufolge wurde er gegen Zahlung einer Kaution von knapp 300.000 Franken (rund 250.000 Euro) aus der Untersuchungshaft entlassen. Allerdings erhielt er die Auflage, seinen Reisepass abzugeben und sich regelmäßig bei der Polizei zu melden. Jetzt nutzte er diese Freiheit, um in seine Heimat zu flüchten, wie verschiedene Quellen berichten. So will er sich der deutschen Justiz entziehen. "H .wird von den Deutschen gejagt, weil sie mit ihm den Druck auf die eigenen Steuersünder erhöhen können", behauptet eine Vontobel-Quelle laut Medienberichten. In Schweizer Medien ist bereits von einer Wildwest-Hetzjagd auf den langjährigen Devisenchef der Vontobel-Bank die Rede. Am Montagabend soll H. bereits in seinem Wohnsitz am Zürichsee erreichbar gewesen sein, sprechen wollte er aber über seine Flucht nicht.

Beim Warschauer Bezirksgericht weiß man offiziell nichts von einer Abreise. "Wir haben keinerlei Informationen, dass der Betroffene seiner Meldepflicht bei der ihm zugeteilten Polizeistelle nicht nachgekommen ist", zitiert die Neue Zürcher Zeitung eine dort tätige Richterin.

Wie die deutsche Justiz nun reagiert, ist noch unklar. Bekannt ist aber, dass die Schweiz keine eigenen Staatsbürger ausliefert. Was genau dem Banker allerdings vorgeworfen wird, ist nicht bekannt. Offenbar geht es um den Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Die Staatsanwaltschaft München II hatte im Oktober lediglich bestätigt, dass "im Zusammenhang mit dem Steuerstrafverfahren gegen Herrn Hoeneß eine Person in Warschau festgenommen" wurde.

Die Flucht bestätigte die Staatsanwaltschaft München II aktuell nicht. „Wir geben zu dem Fall keine Auskunft“, sagt Sprecher Florian Gliwitzky gegenüber der tz.

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

Zur Erinnerung: Das Landgericht München II hatte den Ex-Bayern-Boss im März wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Seine Beziehung zur Vontobel-Bank geht übrigens bis ins Jahr 1975 zurück. Damals eröffnete Hoeneß bei den Schweizern sein erstes Konto – mit 23 Jahren. Und er war seit einem Jahr Weltmeister. Seine Siegprämie war sein Startkapital: genau 60.000 Mark.

tz

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