Ex-Nationaltrainer Smuda im tz-Interview

"Lewandowski hat in Dortmund besser gespielt"

+
Robert Lewandwoski mit dem damaligen polnischen Nationaltrainer Franciszek Smuda während der EURO 2012.

München - Wie gut ist die Nationalmannschaft Polens, der deutsche Gegner vom Samstag? Das tz-Interview mit Ex-Nationaltrainer Franciszek Smuda.

Bei der letzten Europameisterschaft saß er noch auf der Bank der Polen, sah Licht und Schatten, konnte das frühe Aus im eigenen Land nicht verhindern. Was ist seither passiert? Wie gut ist der deutsche Gegner vom Samstag? Das tz-Interview mit Ex-Coach Franciszek Smuda!

Herr Smuda, viele sagen, Polen sei der stärkste Gegner für das DFB-Team in der EM-Quali. Was macht diese Mannschaft stark?

Franciszek Smuda: Sie ist nur dann wirklich stark, wenn alle Spieler kämpfen bis zum Umfallen. Spielerisch ist Deutschland in diesem Moment das beste Team der Welt, man muss sich dem entgegenstellen. Beim Freundschaftsspiel vor knapp drei Jahren in Danzig haben wir das gut gemacht und fast gegen Deutschland gewonnen, da fiel das 2:2 erst in der letzten Sekunde.

Damals traf auch Lewandowski. Wie viel hängt auch nun wieder von ihm ab?

Franciszek Smuda: Robert ist viel, viel stärker, wenn er bei Bayern spielt oder früher bei Dortmund. Dort hat und hatte er sehr gute Spieler neben sich, die ihm die Bälle perfekt zuspielen. Natürlich ist er gefährlich, aber nicht in dem Maße wie in der Bundesliga.

"Polen steckt in der Krise"

In welchem System lässt Ihr Trainerkollege spielen?

Franciszek Smuda: Das ist sehr angelehnt an das deutsche 4-2-3-1, was vor allem damit zusammenhängt, dass es in Polen keinen guten zweiten Stürmer gibt. Es gibt da einen jungen Mann, aber der braucht noch ein wenig Zeit. Generell ist das polnische Spiel dem deutschen sehr ähnlich: Es geht um Laufbereitschaft, Einsatz. Der Unterschied: Deutschland hat die größere individuelle Klasse. Aber wir holen auf!

Gibt es Fördermaßnahmen, geht man stärker auf die Jugend ein?

Franciszek Smuda: Ja, das ist so. Der polnische Verband arbeitet daran, allen Vereinen der ersten Liga aufzuerlegen, eine eigene Jugendakademie zu führen. Deutschland ist da natürlich ein Vorbild.

Trägt es bereits Früchte?

Franciszek Smuda: Es gibt da zwei hoffnungsvolle Talente, Lukasz Teodorczyk von Dynamo Kiew und Arkadiusz Milik, der von Leverkusen an Ajax Amsterdam ausgeliehen ist. Wir hoffen alle, dass einer der beiden ein neuer Lewandowski wird.

Wie groß ist die Sehnsucht der Fans, dass man wieder erfolgreich ist?

Smuda mit Löw am Rande des 2:2 in Danzig: „Alle müssen kämpfen bis zum Umfallen.“

Franciszek Smuda: Sehr groß. Aber nach ein paar guten Jahren steckt der Fußball in Polen noch in der Krise, weil eben noch nicht genug von unten hochkommt. Das Problem kannte man in Deutschland ja auch. Wir haben es erkannt, es wird mehr getan, auch in der Trainerausbildung. Früher hat der Kellner des Vereinsheims die Jugendmannschaft trainiert, das ist heute anders. Ich hoffe, man wird bald die Ergebnisse dieser Arbeit sehen.

Wie sicher sind Sie, dass Polen 2016 bei der EM dabei ist?

Franciszek Smuda: Es ist gut möglich. Die ersten beiden Mannschaften in der Gruppe kommen weiter, der Dritte hat noch Chancen in einer Relegationsrunde. Normalerweise, so würde ich sagen, kommt Polen hinter Deutschland auf Platz zwei. Aber ich habe auch schon die Schotten gesehen, die sind sehr stark. Auch die Iren sind nicht schlecht.

"Es gibt in Polen keinen guten zweiten Stürmer"

Es heißt, Kapitän Jakub Błaszczykowski und Robert Lewandowski sind sich nicht besonders grün. Sie waren ihr Trainer, können Sie das bestätigen?

Franciszek Smuda: Man redet von einem Zoff. Ich habe gesehen, dass sie auf dem Feld miteinander gesprochen haben, dass sie einen guten Kontakt hatten. Und außerhalb des Platzes? Sie sind vielleicht nicht die besten Freunde, ich weiß aber nicht, woran das liegt. In Dortmund konnte mir auch keiner sagen, ob und was zwischen den beiden steht.

Nun spielen sie ja nicht mehr zusammen. Wie haben Sie den Einstand von Lewandowski beim FC Bayern gesehen?

Franciszek Smuda: Ich denke, in Dortmund hat er besser gespielt, weil er dort mehr Selbstvertrauen hatte. Jetzt ist er in einem Verein mit lauter Stars, da ist das Gefühl ein ganz anderes. Aber er kommt! Robert ist ein Typ, der kann sich mit den Ellbogen durcharbeiten.

War es also richtig, zum FCB zu wechseln?

Franciszek Smuda: Ich habe ihn gerne in Dortmund gesehen. Er hatte einen richtig guten Draht zu seinen Mitspielern auf dem Feld, auch zum gesamten Verein, das Klima passte! Aber er wollte eine neue Herausforderung. Ob es die richtige ist? Viele Spieler haben das nicht gepackt, es gibt keine Sicherheit, dass es funktioniert. Dortmund war sicher immer das Beste für ihn. Trotzdem: Ich wünsche ihm alles Gute, er ist ein guter Junge!

Interview: Michael Knippenkötter

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Transfergerüchte und aktuelle News: Welche Spieler sind beim FC Bayern München im Gespräch?
Transfergerüchte und aktuelle News: Welche Spieler sind beim FC Bayern München im Gespräch?
So hat sich der Fußball während Heynckes‘ Auszeit verändert
So hat sich der Fußball während Heynckes‘ Auszeit verändert

Kommentare