Wie er Fotos seiner FCB-Karriere kommentiert

Ribéry im tz-Interview: "Nach Bayern geht es nicht weiter"

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Ribéry im Gespräch mit den tz-Reportern Menzel Lopez und Knippenkötter.

München - Die tz legte Franck Ribéry insgesamt zwölf Bilder aus den letzten sieben Jahren vor. Im Interview geht der Franzose auf Zeitreise.

Freitag Abend startet der FC Bayern in die Rückrunde, in Wolfsburg soll und kann ein großer Schritt in Richtung 25. deutsche Meisterschaft getan werden.

Für Franck Ribéry wäre es bereits das fünfte Mal, dass er am Ende einer Saison die Hände an der Schale hat. Was für eine Quote! Grund genug, in der fußballfreien Zeit mit dem aktuell dienstältesten FCB-Profi hinter Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm mal zurückzuschauen – auf seine Erfolge, seine Erlebnisse, seine Erfahrungen.

Spaß bei der tz-Zeitreise: Franck Ribéry.

Die tz legte dem Franzosen dazu insgesamt zwölf Bilder aus den letzten sieben Jahren vor. Sie zeigen schöne Momente wie den ersten Titelgewinn 2008, aber auch Aufnahmen aus persönlich schwierigen Zeiten wie unter Trainer Louis van Gaal. Am Ende der Zeitreise verrät Ribéry zudem: Nach dem FCB kommt nichts mehr!

Meisterschaft 2008

Was denken Sie, wenn Sie das Bild von 2008 sehen – Ihrer ersten Meisterschaft?

Ribéry: Super! Ich wusste schon vorher: Wenn ich zu Bayern wechsle, dann gewinne ich viele Titel. Das ist Tradition in diesem Klub. Einige Leute haben das nicht verstanden, warum ich mir diesen Verein ausgesucht habe. Aber ich habe mit Willy Sagnol gesprochen, er hatte viel Erfahrung mit diesem Verein. Und wo stehen wir heute? Der FC Bayern hat noch einmal einen Sprung gemacht!

Wie wichtig war Ottmar Hitzfeld für die Mannschaft und Sie ganz persönlich zu dieser Zeit?

Ribéry: Sehr wichtig! Er war unheimlich cool im Umgang mit mir. Manchmal hatte ich einen Termin bei ihm auf dem Zimmer mit einem Dolmetscher. Da ging es nicht nur um Fußball. Er hat mich gefragt, wie es mir geht, wie es meiner Familie geht, ob ich mich wohl fühle oder etwas brauche. Das war super. Jeder weiß, dass ich nur gut bin, wenn mein Kopf frei ist.

War Ihre erste Meisterschaft auch gleichzeitig der schönste Titel in all der Zeit?

Ribéry: Natürlich. So etwas vergisst man nicht. Was hatte ich denn bis dahin? In der Türkei hatte ich mit Galatasaray Istanbul das Pokalfinale gegen Fenerbahce gewonnen. Dann diese Meisterschaft. Das war komplett anders, ein ganz anderes Niveau.

Luca Toni

Mit Ihnen kam auch Luca Toni zum FC Bayern. Haben Sie noch Kontakt?

Ribéry: Ja, immer! Wir schreiben uns regelmäßig über Whatsapp. Es geht ihm gut soweit, ihr kennt ihn ja auch. Ein ganz ruhiger Typ, aber lustig. Er spielt immer noch, er macht immer noch seine Tore! Unglaublich, er ist immer noch so wichtig für seine Mannschaft! Ich finde es bis heute schade, wie er den Verein verlassen hat. Ich war sehr traurig, weil er es zwei Jahre so gut gemacht hat. Er war bester Torjäger der Liga! Dann kam van Gaal, die beiden kamen nicht zurecht.

Mit Ihnen und Luca Toni setzten beim FC Bayern wieder die erfolgreichen Zeiten ein.

Ribéry: Ich bin Franzose, er ist Italiener, wir sind zwei coole Typen! Wir wollten Titel gewinnen, wir wollten das Beste herausholen für den Verein und diese Fans. Es hat sofort gepasst zwischen uns zwei, wir haben super harmoniert auf dem Platz.

David Alaba

Hier haben wir ein Bild von einem anderen Freund: David Alaba. So etwas wie Ihr kleiner Bruder?

Ribéry: Ja, er ist mein kleiner Bruder. Ich kenne ihn schon, da war er 16 Jahre alt und hat hier im Internat gelebt. Ich bin öfter zu ihm hingegangen und habe ihn einfach gefragt, wie es ihm geht. Ich habe ihn auch mitgenommen ins Restaurant, einfach ein bisschen quatschen und Spaß machen. Ich liebe diese Jungs, ich liebe es, wenn sie Erfolg haben. Und wenn sie glücklich sind, freue ich mich auch. Ich war aber natürlich auch eine Respektsperson für ihn.

Und Sie haben ihm geholfen, als er zu den Profis kam?

Ribéry: Ja genau. Er konnte vor den anderen sagen, dass er mich kennt. Das hat ihm den Anfang erleichtert. Wenn ich David sehe, dann geht es mir gut. Das Schöne ist, er ist immer David Alaba geblieben. Vor drei Jahren kannte ihn niemand, heute kennt ihn jeder. Aber er ist noch genau der, der er war. Und er hat immer ein Lächeln auf den Lippen.

Aber verstehen Sie ihn auch? Manchmal sticht sein Wiener Dialekt sehr deutlich hervor.

Ribéry: Ja, das klappt. Ich mag das.

Van Gaal

Sie haben Louis van Gaal angesprochen. Im Nachhinein eine schwere Zeit für Sie unter ihm?

Ribéry: Es reicht eigentlich, diese Zeit mit einem Wort zu beschreiben: schade. Es ist schade, wie es gelaufen ist mit ihm. Ich glaube sogar, dass er ein sehr guter Trainer ist. Ich habe seine Arbeit nie kritisiert, seine Aufgaben im Training waren in Ordnung. Aber wie er menschlich aufgetreten ist, das war nicht gut für mich. Das betraf wirklich nicht nur mich, das betraf auch andere in der Mannschaft. Schauen Sie: Als van Gaal zum FC Bayern kam, waren Lucio weg, Demichelis weg, Luca Toni weg, Zé Roberto weg. Viele Spieler haben sich nicht mit ihm verstanden.

Können Sie sich erklären, wie es dazu kam?

Ribéry: Bevor er beim FC Bayern anfing, hatte er in einer Zeitung noch gesagt, dass es ihm völlig egal sei, ob da ein Star vor ihm steht oder nicht. Er hat von mir und Luca Toni gesprochen. Ohne uns wirklich zu kennen. So gab es vom ersten Moment an ein Problem zwischen uns.

Streiche

Zu einem fröhlichen Thema: Was haben Sie denn da gemacht?

Ribéry: Da stand ich mit Daniel van Buyten auf dem Dach. Wir hatten Eimer Wasser dabei. Und da unten ist eben Olli Kahn hergegangen… Ich möchte dazu eins sagen: Ich war ein junger Kerl, als ich hierher gekommen bin. Ich habe mit großen Spielern gespielt: Oliver Kahn, Willy Sagnol, Zé Roberto. Und ich hatte immer Respekt – besonders Olli Kahn war für mich eine große Person. Dieser Mann war jemand in dieser Mannschaft!

Was war Ihr letzter Streich bei Bayern?

Ribéry: Ich weiß nicht. Ich mache jeden Tag Spaß. Ich will immer lachen.

Auch mit Pep Guardiola?

Ribéry: Ja, mit Pep auch! Das geht gut. Man kann lachen mit ihm.

Was war das Schlimmste bisher? Einmal haben Sie den Mannschaftsbus gefahren.

Ribéry: Oh ja. (Schlägt die Hände über dem Kopf zusammen). Das war lustig. Aber als ich diese Mauer erwischt habe, da dachte ich nur „o là là“. Aber ich bin sofort zu Uli Hoeneß hingegangen und habe gesagt, was passiert ist. Ich habe gesagt, dass ich das sofort bezahlen werde. Gar keine Frage.

Arjen Robben

Was anfangs nicht gut lief, heute aber passt: Ihre Beziehung zu Arjen Robben. Kann man das so sagen?

Ribéry: Das stimmt. Am Anfang haben wir uns nicht so gut verstanden. Er ist in einer Zeit gekommen, da hatte ich einige Probleme mit van Gaal. Ich weiß nicht, was er da gedacht hat. Seit den letzten zwei, drei Jahren läuft es sehr gut zwischen uns. Wir ziehen an einem Strang, geben alles für den Klub und die Fans.

Haben Sie sich mal hingesetzt und über alles gesprochen?

Ribéry: Nein, das war nicht nötig. Das kam mit der Zeit. Es hat bei uns beiden Klick gemacht.

Champions League

Was war der CL-Titel für ein Gefühl?

Ribéry: Wir haben viele Monate für diesen Pokal gekämpft. Wir haben viel geschwitzt dafür.

Ist dieser Erfolg ein Dank für all die Jahre, die Sie geschuftet haben?

Ribéry: Absolut. Das ist der größte Titel für eine Mannschaft.

Kann er dieses Jahr wieder eingefahren werden?

Ribéry: Ich glaube, wir könnten ihn theoretisch jedes Jahr einfahren. Wir haben eine gute Mannschaft, gute Einzelspieler, einen guten Trainer. Aber vor allem sind wir ein Team, wir stehen zusammen. Und genau das macht es aus. Wenn wir komplett sind und alle zu 100 Prozent fit, können wir diesen Titel holen.

Erinnern Sie sich an die letzten Minuten im Finale gegen Dortmund?

Ribéry: Ich denke vor allem an die Zeit nach dem 1:1. Das war ganz schwer für den Kopf. Wir hatten schon zweimal verloren, das kommt in dem Moment wieder hoch. Was passiert jetzt? Ich will nicht von Angst reden, aber es war sehr komisch.

Ist dieses Jahr Real Madrid der stärkste Gegner?

Ribéry: Das ist eine gute Mannschaft. Aber ich habe schon gesagt: Wenn alle da sind, sind wird stark.

Sie könnten sich vielleicht für das 0:4 revanchieren.

Ribéry: Es geht nicht ums Revanchieren, es geht um Fußball. Wenn es wieder gegen Real Madrid gehen sollte, muss du gewinnen. Basta!

Frankreich

Thema Frankreich.

Ribéry: Nein, das ist kein Thema mehr.

Sie meinen, es gibt kein Zurück mehr?

Ribéry: Nein. Ich war glücklich, für mein Land spielen zu dürfen. Aber manchmal war ich auch traurig. Das ist nun vorbei.

Sind Sie heut mehr Münchner als Franzose?

Ribéry: Es gab eine Zeit, da wollten die Franzosen nicht, dass Ribéry zurückkommt. In München aber wollte man mich immer! Ganz gleich, was passiert ist. Die Leute hier standen hinter mir. Sie wussten, ich spiele mit meinem Herz, gebe alles für den Klub.

Die Familie

Hier sehen wir Ihre Familie. Sie fühlen sich sehr wohl in München, stimmt das?

Ribéry: Ja, wir fühlen uns wohl. Und das ist wichtig. Was Sie sehen, ist das Allerwichtigste für mich, das ist mein Blut, meine Familie!

Sprechen die Kinder gut Deutsch?

Ribéry: Die Mädchen schon, sie sprechen sehr gut. Mein Junge ist noch etwas zu klein. Aber es klappt sehr gut, in der Schule zum Beispiel. Wir sind sehr glücklich in dieser Stadt.

Haben Sie darüber nachgedacht, dass auch Ihre Eltern hierher ziehen?

Ribéry: Das geht nicht, das ist etwas anderes. Die beiden haben immer in Boulogne gelebt, das ist deren Heimat. Sie sind nicht wie ich. Ich war immer schon unterwegs.

Uli Hoeneß

Für Sie gehört auch fast schon Uli Hoeneß zur Familie. Ist das richtig?

Franck Ribéry mit Uli Hoeneß am Trainingsgelände. Die tz zeigte dem Franzosen ein Foto von einem Match gegen Cottbus 2009.

Ribéry: Ja, dasstimmt. Dieser Mensch ist unheimlich wichtig für mich. Aber nicht nur für mich, für den ganzen FC Bayern. Wenn du an Bayern denkst, denkst du an Uli Hoeneß. Er liebt diesen Verein.

Wie war Ihr Wiedersehen zuletzt?

Ribéry: Ich war ja schon bei ihm im Gefängnis. Das war komisch. Aber ich war unheimlich glücklich. Und dann im neuen Jahr bin ich sofort in sein Büro gegangen, als er wieder hier war. Ich habe den Eindruck, er riecht diesen Klub, er saugt ihn gerade wieder richtig auf.

Pep Guardiola

Wie ist Ihr Verhältnis zu Pep Guardiola?

Ribéry: Es ist gut! Es ist sehr gut, dass er zum FC Bayern gekommen ist. Er hatte viel gewonnen mit Barcelona und ist mit all seinen Qualitäten, seiner Mentalität hierher gekommen. Im ersten Jahr haben wir viel gelernt, viel gesprochen. Jetzt haben wir ihn verstanden, jetzt läuft es noch besser. Er ist ein super Trainer, er probiert völlig neue Dinge aus.

Ist er der beste Trainer, den Sie je hatten?

Ribéry: Ja, absolut. Ich habe noch keinen Trainer getroffen, der so viel Ahnung von Fußball hat. Diese ganzen Details…

In welcher Sprache verständigen Sie sich?

Ribéry: Deutsch. Und ab und zu ein bisschen italienisch.

Glauben Sie, dass er über 2016 hinaus bleibt?

Ribéry: Ja, warum nicht? Aber nur er kann das entscheiden.

Die Zukunft

Und wie ist es bei Ihnen? Wie geht es weiter nach Bayern München?

Ribéry: Nach Bayern geht es nicht weiter. Ich will nicht mehr zu einem anderen Klub gehen. Vielleicht nehme ich noch eine weitere Erfahrung mit und spiele ein Jahr in den USA oder in Dubai. Aber in Europa werde ich nicht mehr spielen – aus Respekt vor dem Verein und was er für mich getan hat.

Sie waren mal knapp davor, bei Real Madrid zu spielen.

Ribéry: Ja, Real war knapp! Auch Chelsea, Barcelona hatten Interesse, Manchester auch. Das war nicht leicht, alle Welt will dich. Aber mit Uli Hoeneß war nicht zu verhandeln, da gab es nie eine Chance (lacht).

Interview: lop, mic

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