Der Kaiser im tz-Interview

Beckenbauer: "Der Start ist eine Sensation!"

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FCB-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer.

München - Im exklusiven tz-Interview lässt Franz Beckenbauer den Saisonstart der Bayern Revue passieren. Der Ehrenpräsident ist zufrieden, denn er weiß aus eigener Erfahrung: Es gab schon ganz andere Starts.

Herr Beckenbauer, wie sehen Sie aktuell die Lage beim FC Bayern?

Beckenbauer: Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Spieler wieder alles abrufen können. Aber das war uns allen bewusst nach so einer Saison, mit der WM und den ganzen Strapazen. Da war es klar, dass nicht alles reibungslos ablaufen kann. Ich mache mir da noch keine großen Sorgen.

Vergangenen Dezember sagten Sie, das seien die besten Bayern aller Zeiten – wo steht die Mannschaft jetzt?

Beckenbauer: Im Moment sind sie noch in der Vorbereitung, das muss man so sehen. Es waren so viele von den Burschen bei der WM, so viele von ihnen bis zum Schluss. Das geht nicht, dass sie jetzt schon wieder im Vollbesitz aller Kräfte sind, Spieltag für Spieltag.

Bei Ihrer Mannschaft 1974 hat es ja zum Beispiel auch gar nicht geklappt.

Beckenbauer: (lacht) Ja, das können Sie laut sagen. Um Gottes Willen – das erste Spiel haben wir gleich 0:6 verloren in Offenbach. Also, wir haben es vorgemacht, wie es nicht geht. So gesehen ist es eine Sensation, wie die aktuelle Mannschaft gestartet ist. Man muss da mal die Kirche im Dorf lassen. Bei uns war es nix damals. Aber wir waren auch nur 13 Spieler, das muss man auch dazusagen. Heute sind die Optionen im Kader andere.

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Einer, der noch längere Zeit keine Option sein wird, ist Bastian Schweinsteiger. Machen Sie sich Sorgen um ihn?

Beckenbauer: Nein. Er soll sich jetzt mal erholen. Die Mannschaft spielt ja schon gut, sie wird immer besser. Bastian soll alles in Ruhe auskurieren und in der Rückrunde wieder angreifen. Dann, wenn es drauf ankommt. Dann werden wir wieder Freude an ihm haben.

Ist Mario Götze schon in der Lage, den ebenfalls oft angeschlagenen Ribery zu ersetzen?

Beckenbauer: Einen Ribery kannst du nicht kopieren. Das ist auch ein ganz anderer Typ als Götze. Ribery reißt über die Seiten eine Abwehr auseinander, er sucht die 1:1-Situationen. Götze entspricht den Vorstellungen, dem Ideal von Pep Guardiola vielleicht ein bisschen mehr. Er kombiniert, er spielt schnell, er setzt seine Nebenleute ein. Ich bin froh, dass wir beide Optionen im Kader haben.

Können Sie verstehen, dass Götze kritisch gesehen wird?

Beckenbauer: Er ist ein großartiges Talent, aber im letzten Jahr ist er beim FC Bayern noch nicht wirklich zurechtgekommen. Bei der WM habe ich mich ehrlich gesagt auch gewundert, dass er im Finale eingewechselt wurde. Aber so ist das im Fußball: Am Ende hat Joachim Löw da alles richtig gemacht. Götze muss in dieser Saison stabiler werden.

Robert Lewandowski hat auch noch Anpassungsprobleme.

Beckenbauer: Ja, das stimmt. Aber da muss sich keiner Sorgen machen. Lewandowski kommt noch, da bin ich absolut sicher. Einfach, weil er seine Qualitäten hat.

Interview: Michael Knippenkötter

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