tz-Interview

Bobic: Entwicklung beim FC Bayern ist extrem

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Fredi Bobic, Sportvorstand des VfB Stuttgart.

München / Stuttgart - Fredi Bobic, Sportvorstand von Bayern-Gegner VfB Stuttgart, spricht im Interview mit der tz über finanzielle Zwänge, Investoren im Fußball und Vereinsliebe.

Herr Bobic, mit nur einem Punkt aus zwei Spielen geht es zum FCB. Was ist für Stuttgart heute möglich? 

Fredi Bobic: Wir müssen total am Limit spielen. Wir müssen die Balance finden und als Mannschaft funktionieren. Wir brauchen das perfekte Spiel, um gegen die Bayern bestehen zu können.

Armin Veh ist Meistertrainer und Hoffnungsträger zugleich. Sind die Erwartungen im Umfeld vielleicht zu groß? 

Fredi Bobic: Die Meisterschaft ist mittlerweile sieben Jahre her. Das ist Vergangenheit, das hat Armin selbst oft genug betont. Die Realität ist eine andere. Die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Liga ist in den vergangenen sieben Jahre noch weiter auseinandergegangen. 2007 war der FC Bayern noch nicht so weit weg wie heute. Die jüngste Entwicklung ist extrem. Die Budgets der Vereine sind mittlerweile so weit auseinandergerissen, dass man in dieser Hinsicht schon von einer geteilten Liga sprechen kann.

Sie haben zuletzt gesagt, der VfB darf nicht von der Champions League reden, sondern muss erst mal stabil werden. Wie sieht dieser Weg aus?

Fredi Bobic: Wir haben vier Jahre der Konsolidierung hinter uns, das darf man nicht vergessen. Deshalb brauchen wir nicht von der Champions League reden, sondern müssen unseren Weg weitergehen. Und den gehen wir nicht nur auf dem Platz. Wir arbeiten an der Ausgliederung der Profiabteilung. Die würde den VfB für potenzielle Investoren attraktiv machen und dafür sorgen, dass wir auf Dauer organisch wachsen können. Ohne diese Form des Wachstums wird es schwer möglich sein, die sportliche Entwicklung vernünftig voranzutreiben.

Die Daimler AG hat bereits Interesse signalisiert. Wie wichtig wäre ihr Einstieg? 

Fredi Bobic: Sehr wichtig. Wir sind sehr froh, dass sich Daimler als potenzieller Investor auch schon öffentlich zum VfB bekannt hat. Wir haben eine wirtschaftsstarke Region, andere Unternehmen sollen folgen. Nur müssen wir ihnen dafür auch etwas bieten. Wir wollen das Geld nicht ausschließlich in Spielertransfers investieren, das wäre lediglich ein Einmal-Effekt, der normalerweise wenig bringt. Das Geld muss vernünftig eingesetzt werden. So, dass wir irgendwann vielleicht nicht mehr den Druck haben, gute Spieler verkaufen zu müssen.

Geht es heute überhaupt noch ohne finanzielle Zuschüsse von Investoren oder strategischen Partnern?

Fredi Bobic: Vor allem für Traditionsklubs wird es immer schwerer. Denn auch diese Vereine müssen sich weiterentwickeln und ihre Strukturen modernisieren. Das geht am besten, wenn man als Kapitalgesellschaft agiert. Wir müssen uns für die Zukunft fit machen. Da bringt es nichts, in Erinnerungen zu schwelgen und zu erzählen, wie gut früher alles war. Diese Zeit ist vorbei. Der Fußball hat sich weiterentwickelt. Dieser Realität muss man sich stellen und sich für die Zukunft rüsten. Tradition ist etwas sehr schönes und hat auch für den Fan eine besondere Bedeutung, aber ich sage trotzdem ganz klar: Als Klub musst du dich heute auch wirtschaftlich ausrichten, den typischen Verein von früher gibt es eigentlich gar nicht mehr in seiner Reinform.

Das ist den Fans eines Traditionsvereins aber schwer zu erklären. Beispiel HSV… 

Fredi Bobic: Irgendwo ist verständlicherweise die Angst beim Fan da, nichts mehr zu sagen zu haben. Aber das ist ja nicht der Fall. Die Mitglieder und die Fans haben immer ein Mitspracherecht, alleine schon im Stadion und der öffentlichen Wahrnehmung. Selbst als Kapitalgesellschaft lassen unzufriedene Fans den Verein doch nicht kalt. Bei der Ausgliederung geht es vielmehr um die Strukturen des Vereins. Wir müssen uns verändern, sonst kommen wir nicht weiter. Die Angst der Fans ist unbegründet, der VfB wird immer der VfB bleiben. Gucken Sie sich den FC Bayern an. Dem Fan ist es egal, ob e.V. oder AG dahinter steht. Er geht ins Stadion, um seine Mannschaft siegen zu sehen.

Antonio Rüdiger ist eine feste Größe beim VfB und schon Nationalspieler. Wird er der neue Philipp Lahm? 

Fredi Bobic: Als Lahm-Nachfolger würde ich Antonio nicht bezeichnen. Ich sehe ihn als Innenverteidiger, dort ist er am stärksten. Aber wenn Jogi Löw einen Verteidiger braucht, der auf der rechten Seite dichtmachen soll, kann Antonio das sicher spielen. Die Frage ist, was für ein Spielertyp auf dieser Position gefragt ist. Auf Dauer sehe ich ihn aber ganz klar im Zentrum.

Und auch weiter beim VfB? 

Fredi Bobic: Das wollen wir hinkriegen. Es gibt viele Abwerbungsversuche. Es ist nicht einfach für den Spieler, diesen Angeboten zu widerstehen. Aber wir wollen ihn halten und ihm dementsprechend auch eine Perspektive bieten.

Interview: S. Westerschulze

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