Es gibt einen Geheimfavorit als Nachfolger

Kommentar zum Nazi-Eklat beim DFB: Keller disqualifiziert sich selbst

DFB-Präsident Fritz Keller (li.) hat sich ein grobes Verbalfoul in Richtung Vize Rainer Koch geleistet.
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DFB-Präsident Fritz Keller (li.) hat sich ein grobes Verbalfoul in Richtung Vize Rainer Koch geleistet.

Ist Fritz Keller nach seiner Geschmacklosigkeit noch tragbar? Ein Geheimfavorit als Nachfolger stünde eigentlich bereit. Ein Kommentar von Merkur-Sportchef Armin Gibis.

Es ist noch nicht geklärt, was Fritz Keller, den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), derart in Rage gebracht hat, dass er den DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch mit erschreckender verbaler Grobheit bedachte. Doch zeichnet sich in dieser Angelegenheit bereits jetzt ab: Die Entgleisung dürfte den größten Sportverband der Welt wieder einmal schwer erschüttern – und Kellers Image droht einen Totalschaden zu erleiden.

Eklat zwischen Fritz Keller und Rainer Koch: Gipfel eines monatelangen Hauen und Stechen beim DFB

Kurz zur Sache: Der DFB-Chef verglich in einer Präsidiumssitzung den ihm schon seit Längerem missliebigen Koch mit dem Nazi-Schergen Roland Freisler, der als Präsident des Volksgerichtshofs rund 2600 Todesurteile und auch die Organisation des Holocausts zu verantworten hat. In die deutsche Geschichte ging Freisler als Verkörperung der mörderischen Unrechtsjustiz der Nationalsozialisten ein. Hier einen Vergleich zu ziehen mit Rainer Koch, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht München, stellt mehr als nur eine inakzeptable Injurie dar. Vielmehr beging Keller da einen wohl irreparablen Tabubruch. Was für ein Teufel hat ihn da nur geritten? Die Vermutung liegt nahe, dass der deutsche Fußball-Chef im Disput mit Koch jede Selbstkontrolle verloren hat – und sich dieser Zustand auch noch mit mehr als mangelhafter historischer Sensibilität mischte.

Armin Gibis ist Sportchef beim Münchner Merkur.

Der DFB* und sein höchster Funktionär geben ja nun schon seit geraumer Zeit ein klägliches Bild ab. Das monatelange Hauen und Stechen in der Chefetage zeugt von dauerhafter Führungsschwäche. Wobei Keller, der es doch endlich besser machen sollte als seine skandalös gescheiterten Vorgänger, nicht in der Lage war, die internen Auseinandersetzungen zu befrieden. Die offensichtlich neuerliche Eskalation des Machtkampfs im DFB lässt nur den Schluss zu, dass sich Keller als Führungsfigur endgültig disqualifiziert hat. Er ist – auch wenn er es erklärtermaßen noch nicht wahrhaben will – endgültig untragbar geworden für einen Verband, der für sieben Millionen Mitglieder verantwortlich ist und der, auch pandemiebedingt, vor gewaltigen Herausforderungen steht.

Neuer DFB-Präsident? Geheimfavorit Philipp Lahm

Die Dauerkrise des DFB wird nur mit personellen Konsequenzen zu beheben sein. Nur: Findet sich denn überhaupt noch ein geeigneter Kandidat fürs hohe Amt? Nun, es gäbe da einen, der schon seit Längerem als unbescholtener Geheimfavorit mit Fußballervergangenheit gilt: Philipp Lahm. (ARMIN GIBIS, Armin.Gibis@merkur.de)

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