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Trainer-Frage: Gehen die FC-Bayern-Bosse jetzt volles Risiko?

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Von: Manuel Bonke

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Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben am Donnerstag die Reißleine gezogen.
Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben am Donnerstag die Reißleine gezogen. © dpa

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge haben am Donnerstag die Reißleine gezogen. Seitdem gilt: Carlo Ancelotti und der FC Bayern – das war einmal. Jetzt müssen die FCB-Bosse einen Nachfolger holen.

Update vom 30. September 2017: Die Trainerfrage überstrahlt beim Rekordmeister derzeit alles, doch in der Liga muss weiter gepunktet werden. Am besten auch auswärts in der Hauptstadt. Wie Sie das Bundesliga-Spiel am 7. Spieltag Hertha BSC gegen den FC Bayern live im TV und Live-Stream sehen können, sehen Sie hier.

München -  Hoeneß hat bereits angekündigt, dass spätestens nach der Länderspielpause, also Mitte Oktober, eine Lösung präsentiert werden soll. Die heißesten Anwärter: Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann. Klar ist nur, dass sich Hoeneß und Rummenigge auf der Trainerposition keinen Fehler mehr erlauben können.

Was muss der neue FCB-Coach können?

Deutsch, taktisch versiert, erfahren genug für den FCB: so dürfte das Anforderungsprofil aussehen, das die Chefetage der Roten aufgestellt hat. Die logische Konsequenz: Tuchel übernimmt beim Rekordmeister. Der 44-Jährige stellte seine fachlichen Qualitäten in den zwei Jahren bei Borussia Dortmund unter Beweis. Er wurde Zweiter und Dritter in der Bundesliga, gewann zudem im Sommer den DFB-Pokal.

Wer wird Trainer beim FCB? Alle Infos finden Sie hier im News-Ticker!

Außerdem brachte Tuchel den Schwarz-Gelben Ballbesitzfußball à la Pep Guardiola bei, entwickelte das Team im Gesamten und junge Spieler im Speziellen weiter. Beste Beispiele: Ousmane Dembele und Julian Weigl. Ein weiterer Pluspunkt: Der Schwabe spricht fließend Spanisch und ein bisschen Französisch.

Tuchel ist der beste Trainer, den der BVB je hatte – wenn es nach der Punktausbeute geht (2,12 pro Spiel). Marco Reus lobte: „Tuchels Ansätze haben uns deutlich weitergebracht.“

Ist Tuchel also die Lösung aller Bayern-Sorgen? Sportlich ja, abseits des Platzes heißt es aber: Vorsicht, FC Bayern! Denn: Tuchel gilt als überaus schwieriger Charakter. Der 44-Jährige strotzt nur so vor Selbstbewusstsein, teilweise wirkte sein Auftreten arrogant. Für Tuchel zählt nur eine Meinung: die eigene. Bei seinen Stationen Mainz und Dortmund hinterließ er viel verbrannte Erde. Vor allem Tuchels kuriose Methoden sorgten beim BVB für Aufsehen und dicke Luft.

Wird Thomas Tuchel neuer Bayern-Trainer?
Wird Thomas Tuchel neuer Bayern-Trainer? © dpa

Tuchel krempelte beim BVB viel um

So installierte er beispielsweise den Münchner Experten Ulrich Bauhofer, der mit den Spielern meditieren sollte. Nach einem halben Jahr beendete BVB-Boss Hans-Joachim Watzke dieses Experiment – auch weil sich Spieler beschwert haben sollen. Tuchel krempelte zudem die Ernährung seiner Mannschaft um, er tauschte etwa den Team-Koch aus, weil dessen Soßen zu fetthaltig waren.

In seiner Dortmunder Zeit kriselte es regelmäßig mit Stars und Führungsspielern. Nach dem verlorenen Pokalfinale 2015/2016 kritiserte Tuchel Mats Hummels öffentlich, letztlich führte das Binnenklima zum Wechsel des Innenverteidigers nach München. Ein Jahr später verzichtete der BVB-Coach im Pokalfinale auf Nuri Sahin, strich ihn komplett aus dem Kader. Dafür kassierte Tuchel viel Kritik – allen voran von Kapitän Marcel Schmelzer.

Für Unmut sorgte auch Tuchels Athletiktrainer Rainer Schrey. Er ließ Nachwuchstalent Emre Mor einmal auf allen vieren über den Trainingsplatz kriechen – als disziplinarische Maßnahme. Letztlich führte vor allem das zerrüttete Verhältnis zwischen Watzke, Sportdirektor Michael Zorc und Tuchel zur Entlassung des Trainers. Zu guter Letzt gab der 44-Jährige seinen Abschied vom BVB selbst bei Twitter bekannt – noch bevor der Klub etwas veröffentlicht hatte.

Julian Naglesmann (30) gilt als Trainer-Talent in Deutschland

Kandidat Nummer zwei auf die Ancelotti-Nachfolge: Hoffenheims Julian Nagelsmann. Der 30-Jährige hat im Kraichgau zwar noch einen Vertrag bis 2021, gilt jedoch als das Trainer-Talent in Deutschland. Auch Nagelsmann ist ein Taktik-Experte, wechselt während einer Partie schon mal häufiger das System. Er bekundete bereits offen sein Interesse am FCB-Trainerposten, sagte: „Der FC Bayern spielt in meinen Träumen schon eine etwas größere Rolle.“

Nagelsmann ruderte aber zurück, schrieb Ancelotti sogar eine Entschuldigungs-SMS. Nach der Entlassung des Italieners hielt sich der Hoffenheim-Coach zurück, erklärte am Rande des Europa-League-Spiels gegen Rasgrad nur: „Ich befasse mich nicht mit Spekulationen.“ Die werden so schnell aber nicht abreißen – erst, wenn ein Ancelotti-Nachfolger gefunden ist. Solange heißt es: Tuchel oder Nagelsmann?

Julian Nagelsmann (30).
Julian Nagelsmann (30). © dpa
Julian Nagelsmann (30)Thomas Tuchel (44)
Vertragbis 2021 in Hoffenheimderzeit ohne Klub, bis Ende Mai 2017 bei Borussia Dortmund. Seit seiner Entlassung verbringt Tuchel einige Zeit in seiner Schwabinger Wohnung.
Stationen als Spieler1860 II, FC Augsburg IIStuttgarter Kickers, SSV Ulm
Stationen als Trainer1899 Hoffenheim U 17, 1899 Hoffenheim U 19, 1899 HoffenheimVfB Stuttgart Jugend, FC Augsburg U 19, FC Augsburg II, FSV Mainz 05 U 19, FSV Mainz 05, Borussia Dortmund
Punkteausbeute pro SpielHoffenheim U 19: 2,27Hoffenheim: 1,72Mainz U 19: 2,00Mainz: 1,43Borussia Dortmund: 2,12
ErfolgeDeutscher A-Jugend-Meister 2014DFB-Pokalsieger mit Dortmund (2017), Deutscher A-Jugend-Meister mit Stuttgart (2005) und Mainz (2009).

Manuel Bonke & Jonas Austermann

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