Van Gaal: Ein Mann taut auf

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Bayern-Trainer Louis van Gaal

München - In der Hinrunde stand er vor dem Aus, doch das ist Geschichte. Louis van Gaal genießt das volle Vertrauen, und angesichts der Entwicklung scheint das berechtigt. Van Gaal ist mit dem FC Bayern warm geworden – und umgekehrt.

Das Resultat: Ein Mann taut auf. Unter diesen Umständen ist den Münchnern einiges zuzutrauen.

Im Herbst hätte dieser Satz vermutlich zu Irritationen und Missverständnissen geführt, deshalb greift Bayerns Pressechef Markus Hörwick zum Abschluss des Gesprächs präventiv ein: „Ich denke, jeder hat gerade gemerkt, dass das ein Witz war.“ Die Reporter nicken, der Hinweis war nicht notwendig. Inzwischen weiß man einzuordnen, was Louis van Gaal so meint, wenn er sagt: „Wenn van Gaal trainiert, scheint immer die Sonne.“ Im Herbst wären daraus wohl Schlagzeilen wie „Louis van Gaal hält sich für einen Sonnengott“ fabriziert worden. Damals hatte die Missinterpretation Hochkonjunktur, nicht zuletzt, da van Gaal wackelte. Sein Konzept und er selbst. Doch man hat zueinander gefunden. Der Vergleich mit der Sonne taugt nun treffender für den Doppelpass mit einem anderen Wortspiel: Louis van Gaal ist aufgetaut. Gegenüber seinen Spielern und dem kompletten Umfeld des FC Bayern.

Ob seine Mannschaft gerüstet sei für den Rückrundenauftakt gegen 1899 Hoffenheim? Louis van Gaal nimmt erst einen Schluck aus seiner Kaffeetasse, dann sagt er: „Alles kann noch so schön sein, die Vorbereitung noch so gut – es hängt doch immer am Ergebnis.“ Geht das Spiel verloren, da gibt sich der Coach keinen Illusionen hin, wird es heißen, alles sei schlecht beim FC Bayern. „So ist das Umfeld – aber ich weiß, es ist nicht so. Wir hatten eine gute Vorbereitung.“

Vor einiger Zeit hätte man van Gaal solche Sätze noch als Hochmut ausgelegt, doch wer die Entwicklung der Mannschaft verfolgt, kann das bestätigen: es sah gut aus, was da so geprobt wurde, unter der Sonne am Persischen Golf genauso wie diese Woche an der winterlichen Säbener Straße. Die Ballverlagerung und das Tempo waren die Punkte, an denen der Niederländer zuletzt verstärkt arbeiten ließ. Und der strenge Coach ist guter Dinge, dass seine Ideen gut umgesetzt wurden. Er weiß, dass der Auftakt immense Bedeutung hat: „Ein Sieg ist immer wichtig – aber diesmal können wir bestätigen, was wir erarbeitet haben. Und es ist psychologisch wichtig: Wir können bei den Gegnern ein bisschen Angst verbreiten.“

Das Wort „verbreiten“ fällt van Gaal nicht auf Anhieb ein, doch gleich mehrere in der Gesprächsrunde springen umgehend helfend ein. Van Gaal bedankt sich und nickt. Als er den Raum betreten hatte, hatte er allerseits noch einmal ein Frohes Neues Jahr gewünscht. Respekt ist dem 58-Jährigen äußerst wichtig.

Es hat am Anfang gewaltig geknirscht. Zwischen Louis van Gaal und den Spielern, zwischen Louis van Gaal und den Vereinsbossen, zwischen Louis van Gaal und den Medien. Erfolg hat die Kraft, Wunden zu heilen. Ab und zu kleistert er sie nur kurzfristig zu, doch der FC Bayern im Januar 2010 kommt ziemlich gesundet herüber. Lediglich Franck Ribery bleibt ein Sorgenfall, der Franzose wird gegen Hoffenheim definitiv fehlen. Allerdings arbeitet der Top-Star sein Trainingsdefizit ab, van Gaal erwartet ihn am nächsten Samstag gegen Bremen zurück. Arjen Robben ist schon jetzt verfügbar. „100 Prozent fit“ sei der, erklärt der Coach, der seinen Landsmann für die Startelf einplant.

Danijel Pranjic wäre raus, er ist neben Miroslav Klose, der in der Sturm-Hierarchie den undankbaren dritten Platz belegt, derzeit der einzige Härtefall. Mit der aktuellen Kaderbesetzung ist van Gaal rundum zufrieden: „Wir haben jetzt sieben Spieler unter 21 Jahren, das ist wichtig für das Gleichgewicht im Team. Jeder Spieler hat jetzt eine Perspektive.“ Dafür nimmt er das Risiko in Kauf, bei einer Verletzungsmisere über weniger Alternativen als in der Vorrunde zu verfügen: „Ich sehe da kein großes Risiko.“

Ob ihm der Spielbetrieb gefehlt hat? „Nein, meine Frau und ich können uns gut selber beschäftigen. Wir spielen viel miteinander.“ Auf die Frage, wer da so gewinnt, lächelt der Coach. Er lässt erst ein paar Sekunden verstreichen, dann weicht er aus: „Wir haben viel Spaß.“ Allerdings war das ein bisschen geflunkert. Unter der Woche hat van Gaal nämlich seine Truus mal vertröstet und die Spielkarten beiseite gelegt, um das Pokal-Aus des großen Liverpool gegen das kleine Reading anzuschauen. Sein Fazit: „So ist Fußball – es gewinnt nicht immer der Beste.“ Das sei doch das Schöne am Fußball, wendet jemand ein. Van Gaal reagiert unwirsch: „Für mich nicht.“

Er sagt das mit einem Lächeln. Und man weiß schon, wie das gemeint war.

Andreas Werner

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