"Wir mussten so spielen!"

Geht Guardiola nach Mauer-Sieg gegen BVB wieder fremd?

+
„Ich hätte gern ­anders gespielt, aber wir mussten so ­spielen“, sagte Pep Guardiola nach dem 1:0-Sieg über ­Dortmund.

München - Werden die Bayern nach dem Erfolg in Dortmund auch in Leverkusen mauern? Vieles deutet darauf hin, denn die personellen Vorzeichen haben sich für das Pokalviertelfinale nicht unbedingt verbessert.

Ganz neu war der Plan nicht, den Pep Guardiola seinen Spielern am Samstag mit an die Hand gegeben hatte. Die defensive Ausrichtung mit einer Fünferkette erinnerte an jene Taktik, mit der die Bayern den BVB schon im Pokalfinale 2014 (2:0 n.V.) in die Knie gezwungen hatten. Überraschend war sie dennoch. Zum einen, weil die Münchner auf ihr Markenzeichen, den Ballbesitz, verzichteten. Zum anderen, weil ­Guardiola selbst später gestand: „Ich hätte gerne anders gespielt, aber wir mussten so spielen.“ Für den Erfolg opferte Pep sogar seine eigene Philosophie: Ergebnis statt Erlebnis, Stabilität statt Spektakel. Schon morgen (20.30 Uhr, ARD) wartet Bayer Leverkusen auf den FCB. Geht Guardiola wieder fremd?

Juan Bernat (r.), hier um Duell mit Marco Reus, rückte für David Alaba in die Startelf.

Vieles deutet darauf hin, denn die personellen Vorzeichen haben sich für das Pokalviertelfinale in der BayArena nicht unbedingt verbessert. Vor allem nicht in der Offensive. Während Arjen Robben mit seinem Bauchmuskelriss noch den ganzen April fehlen wird, hoffte man bei den Münchnern zumindest noch auf die Rückkehr von Franck Ribéry. Doch seit gestern ist klar: Daraus wird nichts. Der Franzose laboriert weiterhin an Knöchelproblemen. Gegenüber Sport1 erklärte er, dass für ihn selbst die Partie in Porto eine Woche später auf der Kippe steht. Nun muss Guardiola erst mal gegen Leverkusen die Ausrichtung seiner Mannschaft den Personalproblemen anpassen.

„Das ist ein K.-o.-Spiel, da wollen wir hinten nicht Tür und Tor öffnen. Wir wollen sicher und stabil stehen“, erklärte Thomas Müller. Es ist die Abkehr vom typisch dominanten Bayern-Fußball, dem ohne Robben und Ribéry die Überraschungsmomente gegen tief stehende Gegner fehlen. Also plant Pep um. Schließlich geht es für die Roten morgen darum, den Triple-Traum am Leben zu erhalten. Da heiligt der Zweck die Mittel. In Dortmund verzichteten die Roten darauf, das Spiel zu kontrollieren, sondern konzentrierten sich auf eine stabile Defensive. In Mode kommen soll diese Spielweise aber nicht. „Wir haben keinen neuen Masterplan. Unsere Idee vom Fußball hat sich nicht geändert“, betonte Müller. Denn so richtig glücklich waren die Bayern mit der Partie in Dortmund – abgesehen vom Ergebnis – nicht. „Wir haben gut verteidigt, aber eigentlich viel zu wenig Ballbesitz gehabt. Wir sind dem Ball viel hinterhergelaufen“, hatte Philipp Lahm festgestellt, und Matthias Sammer merkte an: „So extrem war es von vornherein nicht geplant.“ Dem Rekordmeister fiel es schwer, dem Kontrahenten die Kugel zu überlassen und oft nur reagieren zu können. „Es war nicht geplant, so weit hinten zu stehen“, sagte Müller nach der Partie gegen einen Gegner, der bis zum Strafraum mit „Wucht, Kraft und Emotionalität gespielt“ hat, wie Sammer betonte.

Fünf Mal die 2, zwei Mal die 4! Bilder und Noten zu Dortmund - Bayern

Fünf Mal die 2, zwei Mal die 4! Bilder und Noten zu Dortmund - Bayern

Morgen Abend werden die Bayern auf einen ähnlichen Gegner treffen. Ein Offensivspektakel ist nicht zu erwarten, auch in Leverkusen werden die Münchner die Räume eng machen. Schließlich verfügen die Rheinländer mit Karim Bellarabi und Heung-Min Son über pfeilschnelle Außenstürmer, Platz zum Kontern dürfen Jerome Boateng & Co. ihnen nicht geben. „Wir sind uns der Schwere der Aufgabe bewusst“, sagte Sammer. Den Rekordmeister erwartet in der ausverkauften BayArena ein heißer Tanz. Oder, wie Müller es formulierte: „Da ist schon Pfeffer drin.“

Daten und Fakten

  • Die durchschnittliche Höhe im FCB-Spiel lag in den ersten 26 Spielen genau auf der Mittellinie, gegen Gladbach am 26. Spieltag sogar deutlich darüber und gegen Dortmund deutlich tiefer (siehe oben)
  • Torschüsse: BVB 15 – FCB 7
  • Ballbesitz (Zuspiele): BVB 50,2% – FCB 49,8%

sw

Auch interessant

Meistgelesen

Alonso im Abschiedsinterview: „Innerlich gab es Tränen“
Alonso im Abschiedsinterview: „Innerlich gab es Tränen“
Transfergerücht: Mbappé zum FC Bayern? Jetzt spricht der Überflieger
Transfergerücht: Mbappé zum FC Bayern? Jetzt spricht der Überflieger
Kritik an Bayerns Meisterfeier: Unsportlich und peinlich
Kritik an Bayerns Meisterfeier: Unsportlich und peinlich
Erste Spieler-Fotos von neuem Bayern-Heimtrikot aufgetaucht?
Erste Spieler-Fotos von neuem Bayern-Heimtrikot aufgetaucht?

Kommentare