Kult-Keeper erinnert sich an sein Tor des Monats für Türkgücü

Ex-FCB-Keeper Hillringhaus: Postler überredete ihn zum Comeback mit 58

Gerald Gerry Hillringhaus absolvierte mit 58 Jahren noch einen Einsatz für den SV Bad Heilbrunn.
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Gerald Gerry Hillringhaus absolvierte mit 58 Jahren noch einen Einsatz für den SV Bad Heilbrunn.

Gerald Hillringhaus spielte für den TSV 1860, Türkgücü und den FC Bayern München. In Blickpunkt Sport sprach der Kult-Keeper über sein Comeback in Bad Heilbrunn.

München - „Es war eine tolle Sache in Ingolstadt aus dem Spiel heraus und der erste Torhüter zu sein“, beschrieb Gerald „Gerry“ Hillringhaus seine Auszeichnung zum Tor des Monats der Sportschau am Sonntagabend in Blickpunkt Sport, wenn er an den 23. September 1982 zurückdenkt. Der SV Türk Gücü München war in der letzten Spielminute der Bayernliga-Partie gegen den MTV Ingolstadt „unglücklich zurückgelegen. Es war eigentlich ein Null-zu-Null-Spiel“, als der damalige Torhüter, untypischerweise für diese Zeit, seinen Sechzehner verließ, sich bei einem Eckball nach vorne wagte und sehenswert per Seitfallzieher zum Ausgleich traf. Löwen-Legende Peter Grosser, damals Trainer von Türk Gücü, traute seinen Augen nicht. Er rief von der Seite „geh zurück in dein Tor. Aber ich hab mich nicht aufhalten lassen.“

Hillringhaus begann seine fußballerische Karriere 1972 beim TSV Gilching-Argelsried. Zwischen 1981 und 1885 spielte der gebürtige Münchner, der seit Kindheitstagen Fan des FC Bayern ist, für den TSV 1860 München. Zuerst als Ersatztorwart in der 2. Bundesliga, anschließend als Stammtorwart in der Bayernliga. Bei den Löwen hatte er sogar „sein Bayern-Wappen auf der Jeansjacke nach innen genäht, damit sie es nicht sehen“, schmunzelt der Oldie.

Uli Hoeneß holte ihn persönlich zum FC Bayern München

Über die SpVgg Bayreuth und den SV Türk Gücü München wechselte Hillringhaus 1990/91 schließlich zu seinem Herzensverein, dem FC Bayern. Eigentlich stand der heute 58-Jährige zu diesem Zeitpunkt vor einem Wechsel zu Preußen Münster. „Entweder du willst wieder aus der 2. Bundesliga absteigen oder du möchtest mal Bundesliga oder Europapokal spielen“ - mit diesen Worten lotste ihn Uli Hoeneß, damals Manager der Roten, persönlich an die Säbener Straße. „Dann mache ich lieber das andere, habe ich gesagt“, verrät Hillringhaus. Zuvor war er bei einem Hallenturnier, bei dem unter anderem auch der FC Bayern, TSV 1860 und Galatasaray Istanbul teilgenommen hatten, zum besten Torhüter des Turniers gewählt worden.

„Wenn du ein Angebot von Bayern bekommst, wäre es fatal, wenn du die Chance nicht nützt“, sagt der Schlussmann über seinem Wechsel. Zuerst spielte er nur für die Amateure, doch nach der Verletzung von Weltmeister Raimond Aumann kam er zu insgesamt 21 Einsätzen für die Profis, 17 davon in der Bundesliga und vier im Europapokal. Besonders beeindruckt hat ihn die Kameradschaft beim FC Bayern. „Bei Sechzig kämpft jeder für sich.“ Nachdem Erich Ribbeck Trainer wurde, war Hillringhaus außen vor und wechselte leihweise zu Schalke 04. Dort wurde der Münchner nicht glücklich. 

Torwart beim SV Bad Heilbrunn: „Wenn alles warm wird, geht es noch ganz gut“

Beim Zweitligaaufsteiger Tennis Borussia Berlin beendete er am 11. Juni 1994 seine Karriere im Profibereich. Anschließend spielte er in der Regionalliga noch einmal für die Berliner und für den 1. FC Garmisch-Partenkirchen, den FC Emmering, den TSV Herrsching und den SV Pullach, wo er 2010 seine Karriere als Spieler eigentlich beendet hatte. 

Bis zum vergangenen Sommer. Damals feierte er kurzes Comeback, als er bei einem Testspiel gegen TuS Geretsried das Tor des SV Bad Heilbrunn hütete. Der etatmäßige Torwart fehlte und der Landesligist brauchte einen Ersatz. Der Kontakt kam über seinen Postboten, der Co-Trainer des SV ist, zustande. 

„Wenn ihr den Pass holt, is mia des wurscht, dann mach i des scho“, beantwortete der heute 58-Jährige die Anfrage des Landesligisten. „Ich war ein paar Mal im Training. Da haben sie schon geschaut, kann sich der überhaupt noch bewegen. Wenn alles warm wird, geht es noch ganz gut“, beschreibt Hillringhaus lachend seinen aktuellen Fitnesszustand. 

(Alexander Nikel)

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