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Gerland: Brauche keinen Vertrag bei Bayern!

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Von: Jan Janssen

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Hermann Gerland ist "Trainer des Jahres" © sampics

München - Co-Trainer Hermann Gerland braucht nicht mal einen Vertrag, er will einfach nur seine Arbeit machen. Im tz-Interview verrät er, wer sein angenehmster und wer sein talentiertester Spieler war.

Große Reden sind nicht seine Sache, persönliche Auszeichnungen und Pokale braucht er auch nicht. Hermann Gerland will einfach nur seine Arbeit machen. Über den Titel „Trainer des Jahres“, der ihm vergangene Woche vom DFB verliehen wurde, hat er sich natürlich trotzdem gefreut – großartig darüber reden wollte er aber nicht, Bayerns Tiger ist eben bescheiden. Mit der tz sprach er dann aber doch über den Tag der Auszeichnung in Bonn und seine Arbeit beim Rekordmeister.

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Herzlichen Glückwunsch, Herr Gerland. War’s gut?

Gerland: Ja, war schön. Aber hab ich ja nicht verdient.

Wieso denn das?

Gerland: Da sind ja noch viele andere beteiligt.

Aber offenbar ist man der Meinung, dass sie da seit Jahren vernünftige Arbeit abliefern.

Gerland: Aber dafür werde ich ja auch vernünftig bezahlt. Wäre ja traurig, wenn ich dann keine vernünftige Arbeit abliefern würde. Und dann wäre ich ja auch keine 16 Jahre bei Bayern.

Es ist doch aber eine Ehre…

Gerland: Ja. Es war ja auch sehr schön. Ralf Zumdick hat die Laudatio gehalten, viele frühere Gegenspieler waren da. Willi Lippens zum Beispiel hat erzählt, dass es früher nicht so angenehm war, gegen mich zu spielen.

Weil?

Gerland: Ja weil ich so schnell war und weil er kaum an mir vorbeigekommen ist!

Wie war das Gefühl mal im Mittelpunkt zu stehen?

Gerland: War schon okay, aber ich brauche das nicht. Dennoch: Ich habe einige Ehemalige getroffen, Erich Rutemöller, Reinhard Rauball, Udo Lattek. Das war eine schöne Veranstaltung.

Waren Sie denn überrascht, als Sie von der Auszeichnung erfuhren?

Gerland: Wenn man im Nachwuchsbereich arbeitet und dann sieht, wie viele Leute der Klub hervorgebracht hat und wo diese jetzt spielen, dann finde ich schon, dass die Abteilung auch mal gelobt werden sollte. Aber da waren ja alle dran beteiligt, Scouts, Fitnesstrainer, Physios, alle. Da sind super Jungs dabei, die immer alles geben für den Verein. Und als ich dann angerufen wurde, war ja klar, dass ich dahin gehe. Das sagt der Anstand.

Früher haben Sie mal gesagt, dass Sie nur noch mit Jugendlichen arbeiten möchten.

Gerland: Ich diene dem Verein. Und wenn der Verein möchte, dass ich oben aushelfe, dann mache ich das. Und wenn der Verein möchte, dass ich junge Spieler ausbilde, dann mache ich das unten. Ich bin offenbar auf mehreren Positionen einsetzbar. Momentan bin ich oben. Und wenn man der Meinung ist. dass ich oben nicht mehr gebraucht werde und den Nachwuchs machen soll, dann mache ich das. Ich bin sehr zufrieden, dem FC Bayern dienen zu dürfen.

Und nächstes Jahr?

Gerland: Weiß ich noch nicht.

Mehmet Scholl kommt zurück.

Gerland: Der Mehmet wird seine Arbeit machen und dann wird er sehen, wie einfach oder schwierig es ist, die Jungs nach oben zu bringen. So wie es aussieht, werde ich bei den Profis bleiben.

Und das weiterhin ohne Vertrag?

Gerland: Ich brauche keinen Vertrag. Bei mir zählt der Handschlag.

Wollen Sie denn keinen haben?

Gerland: Warum denn? Wenn Sie etwas können, können Sie überall wo anders arbeiten. Und wenn der FC Bayern irgendwann sagt: Hermann, wir können dich nicht mehr brauchen, dann denke ich, dass ich woanders unterkommen würde.

Wie hat sich der Trainer-Job in den letzten Jahren verändert?

Gerland: Es ist doch alles viel komplizierter geworden. Es gibt viel mehr Journalisten und diese anderen Experten da. Und viel mehr Kameras. Früher konnte man schon mal jemanden umhauen, ohne dass das jemand gesehen hat. Früher konnte man auch mal schnick, schnack, schnuck spielen, ohne dass das jemand gesehen hat.

Ist der Umgang mit den Spielern heute anders?

Gerland: Natürlich, total! Die Position des Trainers war doch früher viel stärker. Früher hat der Trainer gesagt: Heute scheint die Sonne. Da hat kein Spieler gewagt zu sagen: Stimmt nicht. Das ist heute viel schwieriger.

Sind Sie froh, nur Co-Trainer zu sein?

Gerland: Ja, ich will nicht im Mittelpunkt stehen. Der Jupp Heynckes hat mich ja damals, 1990, hierher geholt. Er hat dem Uli gesagt: Hol den Hermann. Und das nur, weil ich im Blickpunkt Sport gesagt habe: Ich muss nicht unbedingt Bundesliga machen. Wenn ich mit guten Fußballern arbeiten darf, ist das für mich was Wunderschönes. Egal wie alt die sind.

Was ist das Schönste an Ihrem Job?

Gerland: Wir haben doch einen Traumjob. Einen absoluten Traumjob! Spieler ist schöner, keine Frage. Aber das nächste ist Co-Trainer. Oder Torwart-Trainer. Chef-Trainer ist dann schon wieder nicht ganz so schön. Weil der jeden Tag irgendwas sagen muss zur Presse. Und immer alles erklären muss.

Mit welchem Trainer war die Zusammenerabeit am schönsten?

Gerland: Es war immer schön. Aber mit Jupp – den kenne ich seit 40 Jahren. Wir haben ja früher gegeneinander gespielt. Aber er hat mich geholt. Deswegen bin ich ihm sehr dankbar, dass ich hier zeigen kann, dass ich ein bisschen was kann.

Welcher war der angenehmste Spieler?

Gerland: Philipp Lahm. Der hat immer alles richtig gemacht. Super gespielt, super trainiert. Das war immer einfach. Ich habe nie mehr einen Spieler gehabt wie Philipp.

Wer war der beste Spieler?

Gerland: Der beste Spieler, den ich je trainiert habe? Den habe ich gar nicht richtig trainiert, der war nur mal von den Profis bei mir. Das war Sebastian Deisler. Der war unglaublich. Was der konnte! Das war unvorstellbar!

Ist es schön, jetzt die Früchte zu sehen?

Gerland: Philipp ist Kapitän bei Bayern und in der Nationalmannschaft. Wenn man sieht, wer gegen Hannover alles auf dem Platz stand, da kann die Nachwuchsabteilung schon stolz sein. Das ist nicht weit weg von Barcelona.

Haben Sie einen Tipp für junge Spieler?

Gerland: Leistungsbereitschaft haben! Wer die hat und einsetzt und mit großem Talent paart, wird Nationalspieler. Wer nur großes Talent hat, aber keine Leistungsbereitschaft, der dümpelt nachher in der dritten Liga herum.

Interview: jj, mic

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