Gestern Tegernsee, morgen Arena

Hoeneß: Seine Bayern-Dauerkarte ist noch gültig

München – Bereits in der Nacht zum Montag ist Uli Hoeneß aus der Haft entlassen worden. Womöglich feuert er schon am Mittwoch wieder seinen FC Bayern gegen Mainz an.

Die Fotografen und Kamerateams waren zu spät, sowohl in Rothenfeld als auch in Bad Wiessee. Um 5.30 Uhr hatten sie ihre Positionen bezogen; eigentlich eine Uhrzeit, die als sicher gelten dürfte, wenn man Ereignisse dokumentieren will, die im Laufe des Tages stattfinden. Aber Uli Hoeneß war ihnen allen zuvor gekommen. Es wurde hell, der Tag brach an, an der Außenstelle der JVA Landsberg am Lech in Rothenfeld startete die alltägliche Betriebsamkeit, und auf der Freihaushöhe in Wiessee passierte lange nichts. Ein Haus im Nebel, umgeben von ein paar Schneeresten. Malerisch sah das Grundstück gestern Vormittag ausnahmsweise nicht aus. In seinem Inneren aber herrschte Idylle.

Es war 9 Uhr, als Florian Hoeneß sich kurz der Presse stellte. Die Nachricht, die der Sohn des ehemaligen Bayern-Präsidenten überbrachte, verschaffte ihm Genugtuung. Er war bester Laune, als er sagte: „Sie haben das Zeitfenster verpasst. Er ist schon lange da.“ Bereits sechs Stunden vorher, man munkelt, es sei nachts um drei Uhr gewesen, war Uli Hoeneß nach 637 Tagen Haft auf freien Fuß gesetzt worden. Er fuhr nach Hause und blieb da erst mal. Verständlich, nach 21 Monaten im Gefängnis. Aus dem Haus dröhnte laut Musik. Rod Stewart.

Florian Hoeneß hatte versucht, Gerüchte um eine große Sause zu zerstreuen („Hier kommt weder Clemens Tönnies noch Franz Beckenbauer zum Gratulieren“). Unabhängig von den Gästen aber konnte man sicher sein, dass die Stimmung ausgelassen war. Eine Blaskapelle wurde gesichtet, sie bestand aus Tal-Musikern und wurde Hoeneß als Willkommens-Geschenk von einem guten Freund geschenkt. Die gesamte Familie, auch Hoeneß’ hochschwangere Tochter Sabine, war da. Er selbst aber wurde von keiner Kameralinse eingefangen.

Es war zu erwarten, dass es eine Jagd auf das erste Foto von Hoeneß in Freiheit geben würde. Dabei wird man ihn ab jetzt ohnehin verstärkt in der Öffentlichkeit zu sehen bekommen. Nicht in Talkshows, nicht als Vertreter der Abteilung Attacke. Angeblich aber plant Hoeneß seinen ersten Besuch in der Allianz Arena bereits beim Spiel gegen Mainz (wir berichten im Live-Ticker). Die Objektive werden sich nach oben richten, seine Dauerkarte auf der Haupttribüne hat seine Gültigkeit behalten.

Erst mal Fan sein: Uli Hoeneß beim Basketball – er darf nun auch wieder zum Fußball.

„Den Fußball genießen, Fan sein“ will Hoeneß in den kommenden Monaten. Als Freigänger war er im vergangenen Jahr häufig bei Spielen der Basketballer im Audi Dome, jedoch nie in der Arena zu sehen. Es hieß, die Bewährungsauflagen hätten das so vorgeschrieben. Man kann sich vorstellen, was passieren wird, wenn Hoeneß nun am Mittwoch Abend seinen Platz einnimmt. Die Fans haben ihn sogar in seiner Abwesenheit gefeiert.
Die Entscheidung über seine persönliche Zukunft wird Hoeneß Anfang Juli bekanntgeben. Bis dahin hat die Familie Priorität, außerdem wird er (obwohl sein Vertrag am Montag endete) Projekte in der Jugendabteilung des FC Bayern weiter vorantreiben. „Das habe ich jetzt so verinnerlicht“, sagte er vergangene Woche im „kicker“. Worte, die beweisen: Egal ob als Präsident oder nicht – Hoeneß kann sich ein Leben ohne den FC Bayern (noch) nicht vorstellen.

In und um den Verein geht man von einer Rückkehr im Herbst aus. Man würde sie begrüßen. „Es wäre schön, weil dann wieder das alte Team da ist“, sagt Jerome Boateng. Franz Beckenbauer, der ihn erst letzte Woche mit Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Karl Hopfner traf, rät via „Bild“: „Uli soll erst mal abschalten – und dann wieder einsteigen.“ Er wird sich das in Ruhe überlegen. In diesem Fall wird Hoeneß nicht allen zuvorkommen.

Rubriklistenbild: © Christina Pahnke / sampics

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