"Sonst schlafen sie ja alle ein!"

Trapattoni im tz-Interview: So sieht er Bayern, Milan und 1860

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Trainiert jetzt den Vatikan: Giovanni Trapattoni (76).

München - Bayern trifft auf Milan am Dienstag. Grund genug für die tz, bei Giovanni Trapattoni (76) durchzuklingeln. Im launigen Interview spricht er über den Verfall des Calcio, den FC Bayern und eine kleine Liebäugelei mit dem Rivalen aus Giesing.

Andiamo! Zehn Tage vor dem Bundesligastart geht es für die Bayern heute beim Audi Cup gegen den AC Mailand. Warum die Rossoneri mittlerweile mehr Schein als Sein sind, weiß Giovanni Trapattoni (76). Der ehemalige Kulttrainer der Münchner absolvierte zu seiner aktiven Zeit insgesamt 274 Spiele für Milan und begann im Jahr 1972 seine Trainerkarriere bei AC, erst als Jugend-, zwei Jahre später als Profitrainer. Im Interview mit der tz spricht Trap, aktuell Cheftrainer des Vatikans, über den Verfall des Calcio, seine ewige Liebe für den FC Bayern und eine kleine Liebäugelei mit dem Rivalen aus Giesing.

Signore Trapattoni?

Trapattoni: Pronto! Wer ist dran?

Die tz aus München, dürfen wir kurz stören?

Trapattoni: Claro! Für meine Freunde aus München habe ich immer Zeit.

Grazie! Heute trifft der FC Bayern beim Audi Cup auf AC Mailand. Ein ernster Gegner?

Trapattoni: Nicht wirklich! Milan hat leider den richtigen Zeitpunkt verpasst, um seine Mannschaft und vor allem auch seine Spieler zu erneuern – was Juventus Turin zum Beispiel sehr gut gelungen ist. Und dann wäre da auch noch das Geld. Milan braucht es. Am besten viel davon. Denn die großen Spieler zieht es mittlerweile zu anderen großen Mannschaften, und eben nicht mehr zu AC. Und am Ende spiegelt sich das alles auf dem Platz wider.

Der italienische Fußball macht überhaupt eine schwere Zeit durch momentan. Was ist passiert?

Trapattoni: So langsam ist wieder ein kleiner Aufschwung zu spüren, aber davor wurde hier vieles falsch gemacht. Auch die Wirtschaftskrise hat den italienischen Klubs großen Schaden zugefügt. Und wenn man knapp bei Kasse ist, dann zieht es die Spieler eben nicht mehr an die Adria, sondern nach Deutschland, England oder jetzt auch nach Russland.

Über zwanzig Jahre ist es mittlerweile her, dass Sie nach München zu Bayern kamen. Hat sich der Klub seitdem stark verändert?

Trapattoni: Nein. Bayern ist immer Bayern, was vor allem seinen starken Präsidenten zu verdanken ist. Dort sind Leute mit großem Sachverstand am Werk, sie kennen den Fußball sehr gut. Auch die Rotation innerhalb der Mannschaft ist toll. Wenn ein guter Spieler geht, kommt eben ein anderer, der ihn ersetzt. Das ist enorm wichtig, vor allem auch für die Wahrnehmung des Vereins. Wenn heute ein junger Kicker hört, dass die Bayern Interesse an ihm haben, überlegt er es sich nicht zweimal.

Derzeit ist es nicht ganz so ruhig, vor allem Pep Guardiola musste viel Kritik einstecken. Ihre Meinung zu seinen zwei Jahren in München?

Trapattoni: Sie wissen doch, wie es läuft. Vor allem beim FC Bayern. Wenn du gewinnst, bist du als Trainer super. Verlierst du, bist du ein Idiot. So ist es auch bei Pep. Guardiola ist ein guter Trainer, davon bin ich überzeugt.

Fest steht, in der Coaching Zone steht er Ihnen in Sachen Emotionen in nichts nach.

Trapattoni: Kann sein, ja. Aber soll ich Ihnen mal etwas sagen?

Bitte!

Trapattoni: Wenn ich über Bayern rede, wird mir immer ganz warm ums Herz. Ich bin der erste und größte Fan, das hat sich nicht verändert. Bayern hat mir Ruhm, Erfolg und vor allem Freunde gegeben. Franz, Uli, Kalle – das ist mein Klub! Ich kann mich noch genau erinnern, als wir im Stadion die Schale überreicht bekamen – das werde ich nie vergessen. In Italien hatte ich schon Erfolge gefeiert, aber eben nie im Ausland.

Sie klingen sehr emotional, wenn Sie zurückblicken.

Trapattoni: Ich werde immer sehr emotional, wenn ich über Bayern rede. Es war einfach eine der schönsten Etappen in meiner Karriere.

Trotz „Flasche leer“?

Trapattoni (lacht): Sie kennen mich mittlerweile in München, so ist eben mein Charakter. Im Fußball brauchen die Spieler manchmal auch ein bisschen Ärger, sonst schlafen sie ja alle ein. Und ein bisschen Emotion hat ja noch niemandem geschadet.

Stehen Sie mit Rummenigge & Co. noch in Kontakt?

Trapattoni: In letzter Zeit nicht, ich war ja als Trainer in Irland. Im Ausland bricht so ein Kontakt schnell mal ab.

Und jetzt trainieren Sie den Vatikan. Klingt nach einem Fußballabenteuer.

Trapattoni: Ja, aber ich habe Angebote aus Pakistan und Afrika erhalten. Nur: Meine Frau möchte da nicht hin.

Also weiter im Vatikan.

Trapattoni: Genau. Ich hatte den ein oder anderen Kontakt zu Klubs, aber mit Klubs ist es immer ein bisschen schwierig. Nationalmannschaften sind besser. Litauen hat sich auch gemeldet, vielleicht treffe ich bald eine Entscheidung.

Also kehren Sie der heiligen Mannschaft den Rücken?

Trapattoni: Das war nur ein Spaß. Ich habe einen Freund dort und habe zugesagt, weil ich so viel Zeit in der Heimat verbringen konnte.

Wann kommen Sie wieder in Ihre alte Heimat München?

Trapattoni: Mal sehen. Wenn ich ein Angebot erhalte, dann komme ich sicher. Aber nur zum Urlaub machen könnte es erst mal schwer werden.

Sie kennen ja den TSV 1860, vielleicht heuern Sie ja dort an. Dort läuft bekanntlich nicht alles glatt im Moment…

Trapattoni: Ich denke, dass bei Sechzig kein Trainer erwünscht ist, der mal bei Bayern war. Es wäre eine schwere politische Entscheidung. Also für den Klub. Für mich nicht.

Interview: José Carlos Menzel López

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