Giulia Gwinn im Jubiläumsinterview nach ihrem Comeback

Giulia Gwinn: „Mein Herz schlägt schon immer für den FC Bayern München“

Giulia Gwinn FC Bayern Muenchen
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Giulia Gwinn FC Bayern Muenchen

Bei der WM in Frankreich wurde Giulia Gwinn zur besten Nachwuchsspielerin des Turniers gekürt, wechselte anschließend aus Freiburg zum FC Bayern.

Im vergangenen Sommer erlebte Giulia Gwinn (20) den Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere: Bei der WM in Frankreich wurde sie zur besten Nachwuchsspielerin des Turniers gekürt, wechselte anschließend aus Freiburg zum FC Bayern. Danach aber riss Gwinns Glückssträhne jäh! Bei einem Sturz im Training verletzte sie sich schwerer an der Schulter, es folgten eine OP und der Kampf fürs Comeback. Mittlerweile ist Gwinn wieder zurück auf dem Platz. Im Jubiläumsinterview spricht sie über ihre neue Heimat und verrät, wer sie in jungen Jahren zum Bayern-Fan machte.

Giulia Gwinn ihr Idol war Bastian Schweinsteiger

Frau Gwinn, wie haben Sie sich in München eingelebt?

Richtig gut, ich fühle mich sehr wohl. Ich bin das erste Mal alleine in eine Wohnung gezogen, das war schon eine Umstellung für mich. Aber da ich die meiste Zeit ohnehin mit der Mannschaft am Campus bin, bleibt eh nicht viel Zeit für Heimweh (lacht). Und die Isar und der Englische Garten haben ja auch ihren Reiz

Sie stammen vom Bodensee, haben seit Ihrer Jugend für den SC Freiburg gespielt. Trotzdem waren Sie immer schon Bayernanhängerin. Warum?

Mein Papa war schon immer Bayern-Fan und hat mir das quasi in die Wiege gelegt. Und so weit ist München von meinem Zuhause ja auch nicht weg. Als ich dann nach Freiburg bin, habe ich durch viele Stadionbesuche auch große Sympathien für diesen Klub entwickelt. Aber mein Herz hat eigentlich schon immer für den FCB geschlagen und darum freue ich mich, dass ich jetzt regelmäßig Spiele in der Allianz Arena schauen kann.


Können Sie sich daran erinnern, wann Sie zum ersten Mal wissentlich mit dem Verein in Berührung gekommen sind?

Wir sind an einem Wochenende mit meinen Eltern einfach nach München gefahren und plötzlich sagte mein Papa: Jetzt schauen wir uns ein Spiel im Stadion an – natürlich in voller Bayern-Montur. Das ist mir in Erinnerung geblieben, seitdem beeindruckt mich der Verein und der Fußball, der in München gespielt wird.

Wer waren zu dieser Zeit Ihre Idole?

Ganz früher der Schweini, dem habe ich gerne zugeschaut. Inzwischen ist es Joshua Kimmich, weil er lange eine ähnliche Position gespielt hat wie ich, rechts hinten in der Viererkette. SeineFlanken kommen enorm gut, er läuft sehr viel und mir gefällt sein Auftreten und seine gesamte Entwicklung vom Youngster zum Führungsspieler und Leistungsträger.

Giulia Gwinn ist stolz Teil des deutschen Rekordmeisters zu sein

Wie ist es, wenn man plötzlich Teil dieser Marke FC Bayern ist?

Das macht mich sehr stolz. Es ist eine Ehre für so einen Verein spielen zu dürfen. Für mich war es ein super Schritt. Natürlich sind die Rahmenbedingungen hier noch mal ein Stück professioneller.

Wie erleben Sie das viel zitierte Mia-san-mia-Gefühl?

Das habe ich gerade während meiner Verletzungszeit sehr stark wahrgenommen, nachdem ich im Oktober an der Schulter operiert werden musste. Das war meine erste größere Verletzung, so eine Situation kannte ich nicht. Ich war oft auf Hilfe angewiesen, konnte in den ersten Wochen ja nicht mal Auto fahren und auch ansonsten wenig Dinge selbstständig erledigen. Alle haben sich super um mich gekümmert. Das war ein schönes Gefühl: Weit von zu Hause weg zu sein, aber hier trotzdem eine Familie zu haben.

Waren Sie davon überrascht?

Überrascht wäre das falsche Wort. Ich fühlte mich bestätigt. Denn ich hatte schon vorher von einigen Nationalmannschafts-Kolleginnen gehört, dass der Zusammenhalt hier groß ist und jeder sich auf den anderen verlassen kann. Beim FC Bayern wird eine richtig gute Mischung aus professioneller Ernsthaftigkeit und familiärer Atmosphäre gelebt. Aus diesem Grund habe ich mich auch bewusst dafür entschieden, meine Reha direkt hier am Bayern Campus zu absolvieren. Somit konnte ich weiterhin beim Team und in der Kabine dabei sein–und so meiner Mannschaft im Rahmen meiner Möglichkeiten den Rücken stärken.

Wer sind denn die Integrationsbeauftragten bei den Bayern-Frauen?

Es sind viele (lacht). Verena Schweers, Melanie Leupolz, Simone Laudehr sind Spielerinnen, die Neuzugänge an die Handnehmen.Ich kannte aus Freiburg und aus den Jugendmannschaften aber auch schon vorher einige Teamkolleginnen, da gab es bei der Integration überhaupt keine Probleme.

Giulia Gwinn wird ihr WM-Tor gegen China nicht mehr vergessen

Können Sie nach Ihrem Durchbruch bei der WM eigentlich überhaupt noch unerkannt durch die Straßen gehen?

Also verkleiden muss ich mich noch nicht (lacht). Aber seit der WM werde ich häufiger erkannt oder nach Fotos gefragt. Das ist ein schönes Gefühl, eine solche Wertschätzung zu erfahren.Es hält sich alles noch in Grenzen, das ist bei den Männern bestimmt extremer.

Welcher WM-Moment ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Da muss ich schon das Tor gegen China nennen. Danach hat sich vieles für mich verändert. Ich bin deutlich mehr in den öffentlichen Fokus gerückt, erhalte seitdem viele Medien- und Sponsorenanfragen. Und mein Instagram-Kanal ist regelrecht explodiert. 

Wie oft mussten Sie das Tor beschreiben?

Eigentlich in fast jedem Gespräch (lacht).

Macht man das noch gerne oder nervt es ab einem gewissen Punkt?

Das nervt überhaupt nicht. Ich spreche ja selbst gerne über das Tor. Ein WM-Tor ist schließlich nichts Alltägliches, weshalb ich mich auch jetzt immer wieder gerne daran zurückerinnere.

Können Sie das Tor noch einmal beschreiben?

Na klar! Also, es kam dieser Eckball, den Dzsenifer Marozsan ausgeführt hat. Ich hatte mit der Aktion zunächst eigentlich gar nichts zu tun, stand im Rückraum und sollte den Konter absichern. Gleichzeitig hatte ich darauf spekuliert, vielleicht bei einem Abpraller an den Ball zukommen. Tatsächlich kam der Ball plötzlich genau vor mir runter. Ich hatte gar keine Zeit, mir groß Gedanken zu machen. Ich habe einfach abgezogen.

Giulia Gwinn wünscht sich mehr Zuschauer im Stadion

Weshalb hat der Frauenfußball in England oder Spanien einen so viel höheren Stellenwert als in Deutschland?

Was ich zumindest über Social Media wahrnehme: In diesen Ländern wird der Frauenfußball noch viel intensiver mit dem Männerfußball zusammen vermarktet. Beim FC Barcelona ist mir aufgefallen, dass Frauen und Männer praktisch immer nebeneinander zu sehen sind – im Fanshop, bei Werbekampagnen und eben auch auf den Social-Media-Kanälen des Klubs. Vielleicht können wir uns in Deutschland davon etwas abschauen.

Ist das der Schlüssel zur erfolgreichen Vermarktung – auch beim FC Bayern?

Das ist zumindest ein Gedankenansatz, den man mal weiter verfolgen könnte. Ich könnte mir beispielsweise sehr gut vorstellen, mit beiden Teams auf das Oktoberfest zu gehen. Da wäre medial sicher was geboten (lacht). Generell muss und wird der FC Bayern aber ganz sicher seine eigenen Wege finden und gehen–ich spüre, dass da gerade in diesem Bereich unheimlich viel gearbeitet wird.

Was wünschen Sie sich in Zukunft für den deutschen Frauenfußball?

In erster Linie sportlichen Erfolg. Weil mit Erfolg Interesse einhergeht. Und wir müssen nicht drum herumreden: Wir alle würden uns deutlich mehr Zuschauer bei den Ligaspielen wünschen und auch noch mehr mediale Aufmerksamkeit und Wertschätzung.

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