Die große Bayern-Familie

Nicht nur für Gerd Müller: So schlägt das FCB-Herz

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Unvergessen: Gerd Müllers Jubelpose.

München - Der FC Bayern ist ein Weltverein, doch er vergisst niemanden aus seinem Kreis. Wer Hilfe benötigt, bekommt sie auch: so wie jetzt der an Alzheimer erkrankte Gerd Müller.

Das Schicksal von Gerd Müller erschüttert Fußballfans in der ganzen Welt. Der Bomber der Nation lebt alzheimerkrank in einem Pflegeheim. Mehr als nur ein Trost ist da die Gewissheit, dass er in dieser schweren Zeit nicht allein ist. Seine Frau Uschi betreut den ehemaligen Superstar mit viel Liebe und Zuneigung. Zudem hat er den FC Bayern im Rücken, den Verein, der ihn schon einmal rettete, als eine Lebenskrise zur echten Bedrohung wurde.

Der Umgang mit dem ehemaligen Spieler erinnert stark daran, wie sich der Rekordmeister immer wieder um Ex-Mitglieder kümmert, sie unterstützt und zurückholt. Häufig ist die Rede von der fürsorglichen Bayern-Familie. Man denkt an Ex-Spieler wie Lars Lunde, Norbert Nachtweih, Jürgen Wegmann, Sebastian Deisler, Mehmet Scholl, die finanziell in Schieflage geraten waren, gesundheitliche Probleme hatten oder persönlich nicht weiterwussten. Wie und wann greift diese Hilfe? Wie sind die Muster?

Beim FC Bayern kommt man mit dieser Frage nicht allzu weit. Klar ist: Es gibt kein Schema F, keine wöchentliche Sitzung, in der nach einem bestimmten Prozedere darüber entschieden wird, wem man als nächstes in welcher Form hilft. Über allem steht die Spontanität, die Entscheidung des Augenblicks. „So etwas geschieht bei uns schnell und unbürokratisch“, sagt Mediendirektor Markus Hörwick. „Das ist ein großer Vorteil gegenüber gewissen Institutionen und Organisationen.“

Unbürokratische Hilfe

Hörwick will nicht groß ausholen. Diese Thematik ist keine, über die man ständig reden will beim FCB. Zum einen möchte man Gutes tun, sich aber nicht damit rühmen. Zum anderen: Es gibt keine Liste, keine Garantie auf Vollständigkeit. Was erwähnt man, wen erwähnt man? Eine Geschichte erzählt er dann doch noch mal, sie handelt nicht von einem prominenten Ex-Spieler, sie zeigt aber, wie man beim Verein vorgeht.

Es war vor über 20 Jahren, Champions-League-Spiel in Kiew, Besuch einer Kinderklinik. „Bei dem Rundgang mit unserer Delegation fiel uns ein kleiner Junge auf, der uns dicht auf den Fersen blieb. Da haben wir nachgefragt: Was ist mit ihm?“ Der Junge war Ivan, sechs Jahre alt und todkrank. Der Knochenkrebs hatte ihn im Griff, in der Ukraine konnte man ihm nicht in der Form helfen, wie es in Deutschland möglich gewesen wäre. „Wir stellten kurzerhand den Kontakt zur deutschen Botschaft her, wollten dem Jungen und seiner Mutter eine Ausreisegenehmigung beschaffen. Allein das war eigentlich eine hochkomplizierte Geschichte.“ Und doch keine Unmögliche. Allerdings, so stellte sich schnell heraus: Mindestens 200.000 DM würde die Behandlung in Deutschland kosten. „In dem Moment haben wir uns in der Runde angeschaut: Uli Hoeneß, Fritz Scherer, Karl Hopfner. Niemand brauchte etwas sagen, die Sache war klar: Wir machen das!“ Der FC Bayern rettete Ivan das Leben. Ganz spontan, so wie es Usus ist in der Bayern-Familie.

mic

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