Guardiola wurde bei Reina überstimmt

Identitätsverlust? Alleingang-Transfers? Pep wehrt sich

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„Ich weiß, wie wichtig die Basis aus deutschen Spielern ist, aber der Verein ist groß“, sagte Guardiola am Freitag.

München - Trainer Pep Guardiola sieht keine Gefahr, dass der FC Bayern seine Identität verliert und in der öffentlichen Wahrnehmung zunehmend als spanischsprechende Ansammlung von Fußballstars angesehen werden könnte.

Zugegeben: Pep Guardiola hat keine einfachen Tage hinter sich. Alles begann am 11. Juli, an jenem Tag, an dem Karl-Heinz Rummenigge den Fans bei der Teampräsentation in der Allianz Arena verkündete, dass ihr Fußballgott Bastian Schweinsteiger zu Manchester United wechseln würde. Die Reaktionen: eine verbale Breitseite nach der anderen gegen den Trainer. Pep würde Identifikationsfiguren des Klubs vergraulen und dafür Spanier holen, lautete der Vorwurf an den 44-Jährigen, der sich auf Twitter & Co zum Shitstorm entwickelte. Und Guardiola? Der schwieg. Bis Freitag. Da platzte ihm bei der PK vor dem Supercup am Samstag in Wolfsburg der Kragen!

„Keine Angst. Bayern bleibt für die nächsten 100 Jahre ein deutscher Verein“, sagte Guardiola und verfiel beim Thema Identität in einen emotionalen Monolog. „Ich weiß, wie wichtig die Basis aus deutschen Spielern hier ist. Das war der Grund, warum ich das Angebot aus München akzeptiert habe.“ Auch von mangelnder Integration der spanischen Spieler will Pep nichts hören: „Xabi Alonso ist jeden Tag um neun Uhr hier, um Deutsch zu lernen. Thiago auch. Am Freitag hatte Douglas Costa seinen ersten Deutsch-Unterricht, heute fängt Arturo Vidal an. Auch mein Staff probiert, Deutsch zu lernen. Denn wir sind nicht hier, damit sich Deutschland an uns anpasst, sondern wir müssen uns an Deutschland anpassen – und das haben wir von Anfang an gemacht.“ Pep appelliert: „Wir müssen voneinander lernen. Und am Ende gehen die besten Spieler auf den Platz, das ist alles.“

Dass sich darunter auch eine Menge Spanier befinden, sei vor allem dem Willen des Klubs geschuldet. Matthias Sammer hatte zwar betont, dass „in der Gruppe“ über Transfers entschieden werde, Guardiola stellte nun jedoch klar: „Der Verein verpflichtet die Spieler, ich trainiere sie nur.“ Pep: „Bevor Pepe Reina gekommen ist, habe ich gesagt: Wir müssen einen deutschen Torhüter verpflichten. Tapalovic (Torwarttrainer, d. Red.) plus der Verein haben entschieden: Nein, Reina ist besser. Okay, das ist kein Problem für mich.“ Heißt: Peps Meinung ist gefragt, am Ende entscheidet aber der Verein.

Ob diese Haltung auch beim Thema Vertragsverlängerung gilt? In der Bild hatte Stefan Effenberg prophezeit, dass Pep nach seinem Vertragsende 2016 nicht weitermachen würde. „Vielleicht weiß das die große Legende Effenberg besser als ich. Ich werde ihn anrufen“, scherzte Guardiola und fügte an, dass „noch keine Entscheidung getroffen“ sei. „Ich will kein Problem für diesen Verein sein. Ich will das Beste für Bayern, nicht nur für mich“, so Guardiola, der gleichwohl anmerkte, „kein Angebot von einem anderen Verein der Welt“ erhalten zu haben. Und wovon hängt es nun ab, ob es zu einer Verlängerung kommt oder nicht? Antwort Pep: „Von meiner Nase…“ Klingt nicht – wie von Rummenigge erwartet – nach einer Entscheidung im Jahr 2015. Denn hier hat Pep das letzte Wort!

José Carlos Menzel López

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