Nach Double-Triumph

Guardiola: "Bin jetzt ein besserer Trainer"

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Pep Guardiola mit Gattin Cristina.

Berlin/München - Pep Guardiola beweist sich im Pokalfinale und glaubt: „Bin als Trainer ein bisschen besser geworden“. Die Saison sei seine wichtigste als Coach gewesen.

Der Pokal erlebte eine Sensation: Matthias Sammer sang. Ja doch, ganz kurz. Als er am späten Samstagabend aus der Bayern-Kabine im Berliner Olympiastadion kam, intonierte er „Und Pokal auch“. Nur einmal diese drei Worte, den Refrain des vor einem Jahr sogar zu Hitparaden-Ehren gekommenen kleinen Dante-Lieds. Egal, ob es eine bewusst gesetzte Persiflage war oder Sammer einfach der Sinn nach Musik stand – wenn der Sportvorstand des FC Bayern nur genießt und nicht mehr mahnt, dann muss das für die Erleichterung in seinem Verein stehen.

„Wir sind Bayern München, bei uns gibt’s nie Erleichterung“, sagte zwar Thomas Müller, der 2:0-Endstand-Schütze – doch das war halt wieder so ein Spruch des Mannschaftsspaßmachers.

Den Bayern ging es von Samstag auf Sonntag in Berlin und gestern Nachmittag in München auf dem Marienplatz so richtig gut. Sieg gegen Dortmund im letzten Saisonvereinsspiel – auch wenn es von der Trophäe eine Nummer kleiner war: Es fühlte sich doch so ähnlich an wie der Champions-League-Sieg vor einem Jahr im großen deutschen Endspiel. „Man hat mehr Bedeutung auf so ein Pokalfinale gelegt als sonst“, sagte Thomas Müller, nun ernsthaft. „Und man hat es uns wohl auch angesehen.“

Weißbier-Polonaisen und das ganze Feier-Brimborium – es war intensiver als die Woche davor die Meisterfeier, deren Anlass Wochen zurückgelegen hatte. Seitdem hatten die Bayern fast nur noch Zweifel angesammelt. „Der letzte Monat war unsere schwächste Phase der Saison“, so Müller. Und nun: Erging sich sogar Pep Guardiola, der Gentleman, in martialischer Gestik und Mimik, als es mit dem 2:0 nach Verlängerung gegen Borussia Dortmund gelaufen war. Guardiola bejubelte nicht einen weiteren Titel, sondern dass er sich als Trainer bewiesen hatte. Und ein Argument gewonnen, das er künftig einbringen kann, wenn er sagen will: Zweifelt nicht!

Pep Guardiola gewährte tiefe Einblicke in seine Befindlichkeit: „Ich bin seit sechs Jahren Trainer. Diese Saison war die wichtigste in meiner kurzen Karriere.“ Das fremde München ist was anderes als das vertraute Barcelona. „Mein Deutsch ist nicht so gut, um die Spieler zu überzeugen.“ Die im Jahr zuvor unter Jupp Heynckes alles erreicht hatten. „Sie fragen: ,Warum sollen wir etwas ändern, wenn wir damit erfolgreich gewesen sind?’“ Sein Fazit, Teil eins: „Ich habe viel gelernt, ich bin jetzt ein bisschen ein besserer Trainer.“ Fazit-Fortsetzung: „Ich bin sehr zufrieden, aber wir müssen uns verbessern.“

Guardiola hat sich mit dem Pokalsieg in einer neuen Situation bewiesen: die Bayern mit massiven personellen Problemen (ohne Thiago, Schweinsteiger, den kurzfristig ausgefallenen Alaba, Ribery nicht fit), im Spiel nach einer halben Stunde ohne den frisch verletzten Lahm, die Bayern, da formschwach, schon nicht mehr Favorit und mental angeschlagen noch vom Halbfinal-Scheitern in der Champions League.

Bayerns Double-Party auf dem Marienplatz: Bilder

Bayerns Double-Party auf dem Marienplatz: Bilder

Und dann krempelt Guardiola die Taktik um, findet eine Möglichkeit, die Dortmunder ihr Konterspiel nicht aufziehen zu lassen, das sonst Gift für Bayern ist. „Wir haben das die ganze Woche über trainiert“, berichtet Philipp Lahm. Bis zum Tag vor dem Spiel konnten die Münchner ihre System-Änderung auch geheimhalten, dann wurden Aufstellung und Guardiolas Pläne doch noch durchgesteckt. Der Mannschafts-Maulwurf, bekannt aus der Frühphase der Saison – nach Monaten war er wieder aktiv. Mario Mandzukic kann es nicht gewesen sein, der weilte, quasi suspendiert, schon in Kroatien, er kam gar nicht erst nach Berlin. Und bot das Kontrastprogramm zum im Olympiastadion mitfiebernden Holger Badstuber, der fast zwei Jahre nicht hat spielen können: „Dass die verletzten Spieler hier sind, das ist für mich Teamsport“, meinte Philipp Lahm.

Sie haben sich zusammengerauft, die Bayern – und aufgerafft. Sie fühlen sich jetzt obenauf und bestätigt: „Die Kritik war teilweise zu heftig“, blickt Lahm zurück. Er interpretiert die Verteidigung des Doubles und das Erreichen des Champions-League-Halbfinales als Beleg dafür, dass die Richtung unter Guardiola stimmt. Manuel Neuer sagt: „Wir haben den besten Fußball aller Zeiten gespielt in dieser Saison, das muss jedem klar sein.“ Wenn sogar Sammer am Ende singt, könnte es stimmen.

Günter Klein

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