FC Bayern "für solche Spiele geboren"

Pep droht: "Wir können noch viel besser spielen"

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Pep Guardiola sagt, der FC Bayern sei "für solche Spiele geboren."

München - Die Bayern fühlen sich nach dem Sieg über Porto fürs Halbfinale gewappnet. Trainer Pep Guardiola prophezeit, dass das Team noch besseren Fußball spielen kann und Rummenigge verkündet stolz: "Wir sind nicht das Wunschlos."

Am Ende war der Perfektionist in Pep Guardiola wieder voll da. Die Fußball-Fan-Gemeinde hatte es ja bereits mitbekommen, dass dem Coach des FC Bayern während des 6:1 über den FC Porto die Hose geplatzt war. Das Motiv mit dem Einblick auf einen behaarten Oberschenkel nebst des Ansatzes von knappen dunklen Boxershorts wurde längst in den sozialen Netzwerken thematisiert – in die Pressekonferenz aber kam Guardiola dann doch wieder bedeckt. Er hatte seinen Pulli um die Hüften geschwungen. Stil muss sein. Und Einblicke gewährte er dann ja auch so genug. In seine Seele.

Pressekonferenzen mit Pep Guardiola können belanglos sein, wenn es im Liga-Alltag gegen blasse Gegner geht. Sie können aber auch eine große Bühne werden, denn in der Champions League bricht der Pathos gerne durch. „Danke, Danke an meine Spieler“, lautete am Mittwochabend die Kernbotschaft des Katalanen, „ich bin so ein glücklicher Mensch, dass ich diese überragenden Spieler trainieren darf.“ In den letzten Monaten wurde dechiffriert, wann es ihm ernst ist mit seinen Arien, die er so oft mit Superlativen ausschmückt. Nach dem Einzug ins Halbfinale der Champions League nahm man ihm aber alles voll ab, die Erleichterung, den Dank, die Liebe. „Wir spielen seit Wochen mit 13, 14 Männern alle drei Tage ein Spiel“, erinnerte er, „die Leidenschaft in diesem Team ist einfach unglaublich.“

Rummenigge über den FC Bayern: "Wir sind nicht das Wunschlos"

Nach dem 1:3 im Hinspiel habe er beim Rückflug seine Profis belauscht, erzählte er, und immer wieder habe er gehört: Wir schaffen das. „In der Champions League ist erst Schluss, wenn der Schiedsrichter sagt: Okay, Jungs, geht nach Hause“, sagte er. Nach dem Kantersieg, der Trotzreaktion nach dem Debakel in Portos Drachenstadion, erweckt der FC Bayern den Eindruck, als wären die bajuwarischen Dickschädel mit ihrem katalanischen Kreativdirektor für das Halbfinale nun doch wieder bestens gewappnet. Morgen um 12 Uhr werden die Duelle ausgelost, Vereinschef Karl-Heinz Rummenigge sagte genüsslich grinsend: „Wir sind nicht das Wunschlos.“

Der eine oder andere Verletzte wird bis zum Kampf ums Endspiel zurückkehren, dazu kommen Thiago und Philipp Lahm auf ihren Blitztrips von der Reha ins Konzert der Großen rasant voran. Der Kapitän beseelte gegen Porto die nach Arjen Robbens Ausfall zuletzt so seelenlose rechte Flanke. Das letzte Mal habe er diese Position „ungefähr vor 17 Jahren gespielt“, sagte Lahm, „in der U 16 des FC Bayern“. Er witzelte: „Ich bin ja auch ein ähnlicher Spieler wie Franck Ribery und Arjen Robben. Jeder weiß, dass ich gerne ins Tempodribbling gehe.“ Ernster fügte er dann hinzu, man habe nach dem Hinspiel einfach die Lücken auf den Flügeln gesehen und sei in diese Schwachstelle gestoßen.

Pep Guardiola: "Wir sind für solche Spiele geboren"

Pep Guardiola sagt, der FC Bayern sei "für solche Spiele geboren."

Bei Thiago erklärte Guardiola erneut, warum er seinen Landsmann so sehr schätze: „Er glaubt immer, alles kann passieren – er kennt keine Angst. Thiago ist ein großer Kämpfer, und seine Mentalität ist außergewöhnlich.“ Der Mann, der das 1:0 erzielt hatte und das Spiel allein mit seiner Präsenz zu beflügeln scheint, kam am Dienstag als letzter Bayern-Profi aus der Kabine. Der Rest war längst in den Feierabend verschwunden, als der Regisseur seine Analyse ablieferte. „Mit diesen Spielern an deiner Seite ist es leicht“, sagte er, „ich fühle mich großartig, aber ich bin noch nicht bei 100 Prozent.“ Warum es so gut gelaufen war? „Wir sind für solche Spiele geboren“, sagte er.

Für Großtaten geboren – da ist ein Trainer freilich zu beneiden. Als ein Reporter fragte, ob die erste Halbzeit Perfektion gewesen sei, schüttelte Guardiola sofort den Kopf: „Wir können noch viel besseren Fußball spielen.“ Ob ihm kalt gewesen sei, bei der Zugluft am Beinkleid, wollte noch einer wissen. „Nein“, sagte er, „ich war heiß.“ Ein Perfektionist auf Betriebstemperatur. Geht es so weiter, muss sich die Konkurrenz warm anziehen.

Bayerns Aufholjagd: Die Top 5

Als erst fünfter Klub hat es der FC Bayern in der Champions League geschafft, einen Rückstand aus dem Hinspiel von zwei Toren aufzuholen. Insgesamt gelang sieben Mal eine erfolgreiche Aufholjagd, dem FC Barcelona und dem FC Chelsea glückte es je zwei Mal. Drei Tore holte nur ein Team auf: Deportiva La Coruna gewann 2003/04 nach einem 1:4 beim AC Mailand zu Hause mit 4:0.

  • 1999/2000: FC Barcelona – FC Chelsea 1:3 (A), 5:1 n.V. (H)
  • 2003/2004: AS Monaco – Real Madrid 2:4 (A), 3:1 (H)
  • 2011/2012: FC Chelsea – SSC Neapel 1:3 (A), 4:1 n.V. (H)
  • 2012/2013: FC Barcelona – AC Mailand 0:2 (A), 4:0 (H)
  • 2013/2014: Manchester United – Oly. Piräus 0:2 (A), 3:0 (H)
  • 2013/2014: FC Chelsea – Paris St. Germain 1:3 (A), 2:0 (H)
  • 2014/2015: FC Bayern – FC Porto 1:3 (A), 6:1 (H)

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