Darum wollte er nach Leverkusen

Calhanoglu: "Bayern wollte mich haben!"

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Hakan Calhanoglu wechselte vom Hamburger SV nach Leverkusen.

Leverkusen - Am Freitag spielte Hakan Calhanoglu (20) mit Bayer Leverkusen in der ersten Pokalrunde gegen Alemannia Waldalgesheim. Im tz-Interview verrät er, warum er nicht nach München gewechselt ist.

Herr Calhanoglu, haben Sie sich im Rheinland schon eingelebt?

Hakan Calhanoglu: Ja, ich habe im Kölner Süden eine schöne Wohnung gefunden. Und einige meiner besten Freunde leben in Köln. Das passt perfekt.

Stimmt es, dass Sie auch ein Angebot des FC Bayern hatten?

Hakan Calhanoglu: Ja, mein Berater hat mir das mitgeteilt.

Aber alle wollen doch zum FC Bayern. Warum sind Sie nach Leverkusen gewechselt?

Hakan Calhanoglu: Mag sein, dass fast alle zum FC Bayern wollen. Aber für mich steht Leverkusen auf Augenhöhe mit dem FC Bayern. Klar, die Bayern sind die Besten. Aber auch Leverkusen spielt regelmäßig um die ersten vier Plätze mit, wir können auch mit Bayern, Dortmund oder Schalke mithalten. Und: Ich habe in Leverkusen die Möglichkeit zu spielen, für mich ist hier einfach die Perspektive besser als in München. Das ist für mich als jungen Spieler ganz wichtig.

Das klingt alles ganz schön selbstbewusst.

Hakan Calhanoglu: Ich habe Ziele. Ich hoffe, dass ich irgendwann mit meiner Mannschaft auch mal einen Titel gewinne. Bei einem ausländischen Klub wäre das vielleicht leichter geworden, aber ich wollte unbedingt in Deutschland bleiben. Ich bin hier geboren, das ist meine Heimat.

Sie spielen aber für die Türkei. Deutschland ist Weltmeister geworden. Haben Sie diese Entscheidung bereut?

Hakan Calhanoglu: Als ich in der deutschen U16 spielte, wollte mich mein Schuldirektor in Karlsruhe nicht für einen DFB-Lehrgang freistellen. Danach brach der Kontakt zum DFB ab – und der zur Türkei wurde immer intensiver. Vom Herzen her wollte ich auch für die Türkei spielen. Schon als Kind war ich großer Fan von Galatasaray, Hakan Sükür war mein großes Vorbild. Nein, ich bereue die Entscheidung nicht.

Und dort ist der Rummel um Ihre Person groß?

Hakan Calhanoglu: Das kann man so sagen. Auf der Straße in Istanbul erkennt mich jeder. Aber das hat auch seine schönen Seiten. Die Türken sind Fußball-verrückt.

Nach Ihrem Weggang aus Hamburg lernten Sie die Schattenseiten der Popularität kennen. Sie wurden für Ihre Wechselabsicht vor allem in den sozialen Netzwerken angefeindet.

Hakan Calhanoglu: Eigentlich bin ich ein selbstbewusster Typ, der vor niemandem Angst hat. Aber dennoch habe ich mich da schon manchmal gefragt: Was habe ich denn verbrochen? Ich habe für den HSV elf Tore erzielt und mit dazu beigetragen, dass der HSV nicht abgestiegen ist. Hamburg hat für mich 14,5 Millionen Euro Ablöse bekommen. Und dann wurde ich von „Fans“ als Verräter und Söldner beschimpft! Doch das bin ich nun wahrlich nicht. Ich danke meiner Familie, dass sie mich in dieser Zeit so unterstützt hat. Mein Vater hilft mir jetzt auch in Leverkusen viel. Er kontrolliert auch mein Konto. Denn wenn ich mal ehrlich bin, komme ich mit diesen Summen noch nicht so klar.

Interview: Thomas Gassmann

 

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