Sie müssen das Miteinander lernen

Hamit Altintop besucht den Türk SV München

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Schwer gefragt: Als Altintop auf das Vereinsgelände kam, war es mit der Ruhe vorbei. Alle wollten Autogramme von ihrem Nationalhelden

Plötzlich verlässt den kleinen Arif der Mut. Ganz schüchtern versteckt er sich hinter dem Rücken seiner Mami.

Der Grund für Arifs Schüchternheit: Vor ihm steht Hamit Altintop, Bayern-Star, Nationalspieler, ein türkischer Held. Bedrängt von jugendlichen Fans, zwinkert Altintop dem Jungen zu. „Hey Kleiner, willste auch ein Autogramm?“ Erst jetzt traut sich Arif aus der Deckung, holt sich ein Autogramm bei dem Bayern-Star. Der nimmt ihn dann noch in den Arm und posiert für ein Foto. Arif platzt beinahe vor Stolz.

Die wertvollsten Bayern-Spieler

Transfermarkt.de ist die renommierteste deutsche Webseite für Spieler-Transfers. Zu Beginn der Rückrunde haben die Experten wieder die Marktwerte der FCB-Spieler beziffert und u.a. Leistungsvermögen, Alter und Entwicklungsfähigkeit berücksichtigt. Demnach hat der Bayern-Kader insgesamt einen Marktwert (Stand: 04.02.2009) von rund 242 Mio. Euro. Sehen Sie hier die Rangliste des FCB. Auf Platz 22: Thomas Kraft (Marktwert 250.000 €) © dpa
Platz 21: Hans-Jörg Butt (1.250.000 €) © sampics
Platz 20: Andreas Ottl (2.000.000 €) © dpa
Platz 18: Christian Lell (3.000.000 €) © Fishing4
Platz 18: Landon Donovan (3.000.000 €) © dpa
Platz 17: José Ernesto Sosa (4.000.000 €) © sampics
Platz 16: Michael Rensing (4.500.000 €) © sampics
Platz 15: Massimo Oddo (6.500.000 €) © Fishing4
Platz 13: Daniel van Buyten (7.000.000 €) © sampics
Platz 13: Breno (7.000.000 €) © sampics
Platz 12: Tim Borowski (7.500.000 €) © Fishing4
Platz 11: Zé Roberto (8.000.000 €) © Fishing4
Platz 9: Hamit Altintop (11.000.000 €) © dpa
Platz 9: Mark van Bommel (11.000.000 €) © sampics
Platz 8: Lukas Podolski (12.000.000 €) © sampics
Platz 6: Bastian Schweinsteiger (16.000.000 €) © sampics
Platz 6: Martin Demichelis (16.000.000 €) © sampics
Platz 5: Lucio (18.000.000 €) © sampics
Platz 4: Miroslav Klose (20.000.000 €) © Fishing4
Platz 3: Luca Toni (24.000.000 €) © Fishing4
Platz 2: Philipp Lahm (25.000.000 €) © dpa
Platz 1: Franck Ribéry (35.000.000 €) © Fishing4

Altintop ist derzeit verletzt, wurde nach seinem Mittelfußbruch im März mehrfach operiert, zuletzt im September. Deshalb hatte er Zeit, dem größten türkischen Fußballklub Münchens, dem Türk SV München 1975, einen Besuch abzustatten. „Sport ist für Kinder unheimlich wichtig. Ich weiß nicht, was ich als Kind ohne den Fußball mit mir angefangen hätte“, sagt Altintop, während er den Jugendteams des Türk SV beim Training zuschaut.

Im Sommer 2007 wechselte Hamit von Schalke zu den Bayern – und ließ seine Mutter und seine Geschwister dort zurück. Er vermisst seinen Bruder Halil, mit dem er zusammenspielte, bis sie 21 waren. „Eigentlich sind wir uns ziemlich ähnlich. Aber Halil ist halt kein typischer Südländer. Er ist ein wenig distanzierter, so wie man es auch vielen Deutschen nachsagt. Da ist es ja oft so: Ich mache meine Arbeit, du machst deine Arbeit, ich lasse dich in Ruhe, du lässt mich in Ruhe. Man kommt sich nicht so nahe. Man klopft sich nicht auf die Schulter und sagt, komm, wir gehen mal einen trinken.“ Das Verhältnis zwischen Deutschen und Türken – für Hamit ist es ein großes Thema. Wie gut es zwischen den verschiedenen Nationalitäten funktionieren kann, zeigt der Türk SV. „Bei uns spielen zwar viele Türken, doch wir haben Mitglieder aus vielen Nationen, natürlich auch Deutsche“, sagt Gürkan Karahan, der A-Jugendtrainer des Klubs, der gemeinsam mit der tz das Treffen organisierte.

Der ganze Klub war in Aufruhr, als die Nachricht von Altintops Kommen die Runde machte. Alle Jugendspieler waren da, selbst die Verletzten, und natürlich der Vorstand. Kaum hatte Hamit das Klubgelände betreten, wurde er bestürmt. Für Hamit sind solche Begegnungen wichtig. „Als ich als kleiner Junge in Gelsenkirchen gespielt habe, ist nie ein Profi vorbei gekommen“, sagt er. Deswegen will er es besser machen.

Und er hat eine Botschaft: Respekt vor der Kultur des anderen. Denn hier liegt in seinen Augen das Problem der Integration von Migranten in Deutschland. Altintop: „Beide Seiten haben Fehler gemacht. Zum Beispiel: Meine Eltern kamen 1971 nach Deutschland. Aus einem Dorf, wo die Welt extrem klein ist. Meine Mama hat keine Schule besucht, mit Lesen und Schreiben war’s nicht so, wie man es hier gewohnt ist. Meine Eltern haben hier gearbeitet, aber niemand hat gesagt: Wir sind dankbar, dass ihr da seid und uns beim Neuaufbau helft. Niemand ihnen bei der Integration geholfen. Niemand die Sprache oder die Kultur erklärt. Das hätte aber vieles vereinfacht.“

Die jungen Fußballer freuten sich riesig über den Besuch des Bayern-Stars

Die Fehler wurden also schon vor Generationen gemacht?

Altintop:Absolut! Aber entscheidend ist, dass man jetzt versucht, es besser zu machen.

Und wie?

Altintop:Das muss schon in der Schule anfangen. Die Kinder müssen Respekt lernen. Sie müssen verstehen: Hey, der eine ist schwarz, der andere hat eine andere Kultur, der dritte eine andere Sprache. So lernen sie zu sagen: Ich bin zwar anders, aber ich respektiere den anderen. Das muss man schon früh erfahren. Sie müssen mehr das Miteinander lernen.

Ist das mehr eine Aufgabe für Eltern oder Lehrer?

Altintop:Von beiden. Aber viele Eltern wissen gar nicht, wie sie sich richtig um ihre Kinder kümmern. Das haben sie nie gelernt. Die Kinder werden dann nur noch vor den Fernseher abgeschoben. Deswegen ist auch die Rolle von Sportvereinen so wichtig.

Fühlen Sie sich denn mehr als Deutscher oder als Türke?

Altintop:Es ist schon so, dass ich mehr Türke bin als Deutscher. Aber es ist ein Vorteil, wenn man beide Seiten gut kennt, und ich habe mich integriert, sowohl kulturell als auch sprachlich.

Wie ausgeprägt ist Ihr Glaube?

Altintop:Schon ausgeprägt. Das ist eben etwas, wo ich jederzeit dran festhalten kann. Egal ob es regnet oder die Sonne scheint, egal ob ich alleine bin oder auf der Arbeit oder mit Freunden. Das ist immer da.

Franck Ribéry ist auch Moslem…

Altintop:Ja, wir haben uns da mal kurz drüber unterhalten. Aber das ist eine sehr intime Sache. Im Grunde muss jeder selber wissen, wie er damit umgeht. Der eine betet auf dem Platz, der andere in der Kabine innerlich, der andere am Abend vorher für sich selber. Oder man hat den Glauben immer bei sich. Wie ich es mache, behalte ich für mich.

Stolz präsentiert der Vorstand des Türk SV seinem prominenten Gast einige gewonnene Pokale. „Dich hätten wir gerne als Neuzugang“, sagt der Vorsitzende Hüseyin Delemen und überreicht Altintop einen Vereinsschal und einen Wimpel. „Das dürfte schwierig werden“, lacht Altintop, während er Autogramme schreibt und immer wieder Genesungswünsche entgegen nimmt. Die Zeit der Verletzung war für ihn nicht einfach.

Altintop:Ich war so voller Power, voller Selbstbewusstsein. Ich hatte einen Riesenschritt gemacht, war bei der EM mit der Türkei positiv aufgefallen. Dann kam ich zurück und die Dinge liefen komplett anders als gedacht.

Die schwierigste Zeit Ihrer Karriere?

Altintop:Ja, das waren ja keine zwei Wochen, sondern mehr als drei Monate. Aber auch so etwas gehört dazu. Wichtig ist, dass man sich hinterher keine Vorwürfe machen muss, dass man nicht alles getan hätte.

Was nehmen Sie Positives mit aus dieser Zeit?

Altintop:Ich hatte jetzt auch mal Zeit für mich selber, wo ich auch in mich gegangen bin. Man lebt ja so schnell, dass die Seele hin und wieder gar nicht mitkommt. Ich habe Bücher gelesen von Paulo Coelho, für mich selbst Dinge recherchiert und im Internet nachgelesen. Man muss mal nicht so auf die Uhr gucken und früh ins Bett gehen. Klar musste ich Reha machen, aber ich habe nicht so viel Druck. Ich muss nicht jeden Tag Top-Leistung bringen. Der Druck ist ein anderer: Ich will wieder gesund und fit werden.

Ist ein Einsatz in diesem Jahr noch realistisch?

Altintop:Der Verein macht mir absolut keinen Druck. Dafür bin ich sehr dankbar. So kann ich mich voll auf meine Reha konzentrieren. Aber wenn ich gesund und fit bin, dann spiele ich auch. Es ist ja nicht nur mein Job, sondern eine Leidenschaft, eine Liebe. Aber man darf natürlich nichts überstürzen.

Quelle: tz

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