"Man müsste Bayern halt disqualifizieren"

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Kabarettist Hannes Ringlstetter ist Club-Fan

München - Kabarettist Hannes Ringlstetter leidet mit seinem Herzensverein, dem 1. FC Nürnberg. Im Interview mit der tz überlegt er, wie er eine Meisterschaft mit dem Club feiern könnte.

Hannes Ringlstetter leidet. Nicht nur mit dem 1. FC Nürnberg, seinem Herzensverein, nein, auch wegen eines Bandscheibenvorfalls, der ihn jüngst niedergestreckt hat. Für die tz nahm sich der Ausnahmekabarettist trotzdem Zeit, um vor dem Derby gegen den FC Bayern über seinen „Club“ zu philosophieren.

Süd-Derby FCB gegen FCN: Die Duelle der vergangenen Jahre

Das bayerisch-fränkische Derby zwischen den FC Bayern und dem 1. FC Nürnberg sorgt immer für große Emotionen und viel Spannung. Eines der denkwürdigsten Duelle zwischen dem Rekordmeister und dem Club war das DFB-Pokal-Finale 1982 in Frankfurt. Dieter Hoeneß, der nach einer Platzwunde mit einem Turban weiterspielte, erzielte kurz vor Schluss das entscheidende 4:2 für die Bayern. Sehen Sie nun die besten Bilder aus den Süd-Derbys der vergangenen zehn Jahre: © dpa
Das erste Derby nach dem Wiederaufstieg des 1. FC Nürnberg im November 2001 endete im Olympiastadion torlos. Hier kämpfen Claudio Pizarro (r.) und Rajko Tavcar (l.) um den Ball. © dpa
Trotz eines Sturmlaufs der Münchener hielt die Nürnberger Defensive um Keeper Dariusz Kampa. Es sollte das letzte torlose Derby für fünf Jahre bleiben. © dpa
Bei einem Derby zeigen die Spieler immer mehr Einsatz als in "normalen" Begegnungen, so auch Bayern-Kapitän Oliver Kahn (o.), hier gegen Nürnbergs Stürmer Martin Driller. In 67 Partien zwischen dem Rekordmeister und dem Club gelangen den Münchnern bisher 41 Siege. © dpa
So auch im April 2002: Elber und Pizarro brachten die Münchener in Führung, Krzynowek konnte mit einem Elfmeter nur noch den Anschlusstreffer erzielen. Nachdem Thomasz Kos kurz darauf die Ampelkarte sah, taten sich die von Klaus Augenthaler trainierten Clubberer schwer, den Ausgleich zu erzielen. © dpa
Vergeblich reckt sich Olli Kahn im September 2002 beim Elfmeter von Sasa Ciric, der den 1:1-Auslgeich bedeutete. Dieser Treffer war zugleich das 1000. Bundesligator für den 1. FC Nürnberg. © dpa
Doch auch das brachte den Nürnbergern keinen Punkt. Michael Ballack, der die Münchner schon in Führung gebracht hatte, traf kurz nach der Pause zum 1:2. Da die Defensive um Robert Kovac (l.) danach nichts mehr gegen Cacau & Co. zuließ, bedeutete dies den Endstand. © dpa
Jedes Derby geht hoch her. Hier kämpfen Jens Jeremies (r.) und Tommy Larsen im Olympiastadion um den Ball. © dpa
Am Ende siegten die Bayern im Februar 2003 souverän und locker mit 2:0. Beide Tore (Lizarazu und Elber) bereitete Mehmet Scholl, hier gegen Nürnbergs Martin Driller (r.) vor. © dpa
Ein spannendes Derby zwischen einem Erst- und einem Zweitligisten sahen 24.000 Zuschauer am 28.10.2003 im DFB-Pokal. Nach 120 Minuten im Olympiastadion stand es 1:1 durch Tore von Vittek und Makaay. © dpa
Am Ende jubelten dann doch wieder die Münchner, dieses Mal 7:6 nach Elfmeterschießen. Bei Bayern verfehlten Ballack und Jeremies das Tor, bei den Nürnbergern scheiterten Müller, Wolf und Nikl. © dpa
Ein typisches Derby, wie die Fans es lieben: Am 14. Dezember 2004 ging der Club durch Mintal in Führung. Kurz darauf sah Andreas Wolf die gelb-rote Karte nach einem Handspiel im Strafraum. Durch den folgenden Elfmeter (Makaay) und einem Freistoß (Zé Roberto) gingen die Münchener mit 2:1 in Führung. © dpa
In der Regel reicht so eine Führung in Überzahl den Münchnern aus. Nicht so an diesem Tag in Nürnberg: 15 Minuten vor Schluss legte Brazzo Salihamidzic Stefan Kießling im Strafraum und sah Rot! Banovic glich zum 2:2 aus und bescherte den Franken einen nicht mehr für möglich gehaltenen Punkt. © dpa
Das letzte Bayern-Spiel im Münchner Olympiastadion im Mai 2005 fand gegen den Club statt: Ein schwermütiger Abschied nach über 30 Jahren. © dpa
Schon das Eröffnungsspiel im Olympiastadion 1972 gegen den FC Schalke endete mit einem denkwürdigen Ergebnis: Die Bayern gewannen 5:1 und sicherten sich die Meisterschaft. Beim letzten Spiel fielen sogar neun Tore: Der Rekordmeister schoss den Club mit 6:3 aus dem Stadion. © getty
Pizarro, Ballack, zweimal Makaay und zweimal Deisler bescherten den Fans ein spektakuläres Spiel. Für Nürnberg trafen Demichelis per Eigentor und zweimal Slovak. © getty
Ein paar Monate nach dem Fest traf man wieder aufeinander, dieses Mal in Nürnberg. Hier sehen wir Bixente Lizarazu und Benjamin Lense im Zweikampf.  © getty
Trotz einer zwischenzeitlichen 1:0-Führung für den Club konnte sich am Ende der FC Bayern durchsetzen. Das Tor für Nürnberg erzielte Pinola per Freistoß, bei dem Keeper Oliver Kahn unglücklich aussah. Allerdings verhinderten Guerrero und Ballack die Niederlage in Franken. © getty
Im Februar 2006 feierten die Bayern, wie im Hinspiel, einen knappen 2:1-Sieg. Hier kämpfen Lucio (l.) und Martin Driller im Luftduell um den Ball. © getty
Die Torschützen waren Makaay und Ballack (r.) auf Münchner Seite. Für den Club traf Vittek. Makaay war der Spieler des Spiels, da er an beiden Toren beteiligt war. © getty
Es war das Spitzenspiel am 3. Spieltag der Saison 20906/2007: Tabellenführer Nürnberg musste zum Tabellendritten FC Bayern. Der Club war bis dahin noch ohne Gegentor, doch das wollten die Münchner ändern. © getty
Nach torloser ersten Halbzeit hatten die Bayern in der zweiten Hälfte zahlreiche Chancen. Roy Makaay tanzte nach Klasse-Pass von Schweinsteiger Club-Torhüter Schäfer aus und musste nur noch ins leere Tor einschieben. Doch er vergab! Am Ende blieb es beim 0:0 und bei der Tabellenführung der Nürnberger. © getty
Am 2. Februar 2007 kam es zu einem blamablen Derby-Erlebnis für die Bayern. Kurz zuvor war Felix Magath wegen Erfolglosigkeit entlassen und durch Ottmar Hitzfeld ersetzt worden. © dpa
Doch auch "Retter" Hitzfeld konnte die 0:3-Niederlage nicht verhindern. Saenko, Schroth und Vittek verdarben nicht nur "General" Hitzfeld die Stimmung, sondern auch Co-Trainer Michael henke und Manager Uli Hoeneß (von links). © getty
Die Hintermannschaft des FC Bayern um Lucio & Co. war völlig überfordert mit den famos aufspielenden Nürnbergern, die in dieser Phase der Saison einen Lauf hatten und bis in den UEFA-Cup stürmten. © getty
Mit rund 70 Millionen hatten die Münchner vor der Saison ihr Team rundum erneuert. Das merkte man im Derby am 9. Spieltag der Saison 2007/2008: Mit 3:0 wurden die Franken vorgeführt. © getty
Luca Toni traf dabei doppelt, und auch Rückkehrer Zé Roberto (v.), hier gegen Mintal, konnte sich in die Torschützenliste eintragen. Der Club war mit den "neuen" Bayern überfordert. © getty
Der Club ging im Rückspiel im März 2008 durch den Ex-Bayern "Zwetschge" Misimovic in Führung (hier Franck Ribéry (o.) gegen Andreas Wolf). © getty
Doch Prinz Poldi konnte neun Minuten vor Schluss den Bayern einen wichtigen Punkt retten. © getty
Nach dem packenden Elfmeterschießen fünf Jahre zuvor konnte der FC Bayern das achte DFB-Pokal-Derby im September 2008 souveräner gewinnen. © dpa
Am Ende hieß es 2:0 für die von Jürgen Klinsmann trainierten Münchner. Zu den Torschützen gehörte zwar nicht Franck Ribéry (Bild), dafür aber Stürmer Miro Klose und Tim Borowski. © getty
Dank Ivica Olic gingen die Bayern beim Hinspiel-Derby in ihrer Double-Saison 2009/2010 in Führung. Der Kroate erzielte sein zweites Saisontor und erlöste die Münchner, die bis dahin überlegen aber wenig effektiv gewesen waren. © getty
Allerdings kämpften sich die Clubberer zurück und erzielten den Ausgleich durch Choupo-Moting. Dank Abwehr-Koloss Daniel van Buyten, der acht Minuten vor Schluss den Siegtreffer erzielte, konnten die Bayern erstmals in der Saison auf Rang 3 vorrücken. © getty
Die Münchner begannen am 20.2.2010 im easyCredit-Stadion stark und gingen durch den Newcomer der Saison, Thomas Müller, in Führung. © getty
Nürnbergs Newcomer der Saison, Ilkay Gündogan, schoss kurz nach der Pause den Ausgleich und bescherte dem Club so einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf. © getty
Raphael Schäfer musste vor dem 67. Süd-Derby im Oktober 2010 erstmal seinen Strafraum freiräumen. Auch während des Spiels hatte er gut zu tun. © getty
Und zwar mit Bayerns Top-Stürmer Mario Gomez: Es war der Abend des Nationalsspielers, der Saisontreffer sechs und sieben erzielte und ... © getty
... auch noch einen Elfmeter rausholte, den Philipp Lahm zum zwischenzeitlichen 2:0 verwandelte. Gomez hätte sogar noch seinen zweiten Hattrick der Saison erzielen können, wenn er kurz vor Schluss nicht einen Strafstoß in den Münchner Abendhimmel geschossen hätte. © getty
Bei dem Derby am 9.4. 2011 gab es erst nach dem Spiel so richtig Zoff: Arjen Robben beschwerte sich heftig bei Schiedsrichter Kircher über dessen Leistung und sah Rot. Louis van Gaal wurde mit sofortiger Wirkung entlassen. Die Bayern-Bosse sahen die Champions-League-Qualifikation in Gefahr. © dpa
Auf beiden Seiten wurden zahlreiche Chancen vergeben. Am Ende hieß es 1:1. Wie schon im Vorjahr erzielte Müller die Bayern-Führung. Nach einen katastrophalen Fehler von Torhüter Kraft schoss Eigler den Ausgleich. Ein reguläres Tor der Clubberer wurde nicht anerkannt, so dass die Bayern am Ende glücklich sein mussten, einen Punkt mitzunehmen. © 
29. Oktober 2011: Ein ganz klarer Heimsieg für den FC Bayern. Schon nach zwei Minuten netzte Torjäger Mario Gomez ein. Schweinsteiger und Ribéry sorgten für den 3:0-Halbzeitstand, ehe Gomez nach der Pause auf 4:0 erhöhte. © dapd
31.März 2012: Der Club wehrte sich im eigenen Stadion und hoffe auf einen Punktgewinn. . Lange Zeit sah es nach einem Remis aus, doch nach einem Patzer von Dominic Maroh war Arjen Robben zur Stelle und netzte zum 1:0-Endstand für die Bayern ein. © dapd
Am 17. November kommt der FC Bayern mit einer tollen Bilanz nach Nürnberg: 15 Punkte und 15:0 Tore holten die Münchner bis zu diesem Zeitpunkt aus fünf Auswärtsspielen der Saison. Der Club hält aber dagegen und trotzt den Bayern ein 1:1 ab. Beim Gegentor sieht Torwart Manuel Neuer etwas unglücklich aus. © M.I.S.
Am 13. April 2013 besiegten die Bayern am 29. Spieltag den "Club" mit 4:0. Torschützen waren Gomez, Boateng, Rafinha und Shaqiri. Keeper Tom Starke wehrte einen Elfmeter von Simons mit dem Kopf ab! © dpa

Herr Ringlstetter, geboren in München, aufgewachsen in Niederbayern – was um Himmels willen hat Sie zum Club nach Nürnberg verschlagen?

Ringlstetter: Als Kind ist man halt Opportunist. Mein Vater ist nicht der große Fußballfan, außer WM und so, aber sein Bruder, mein Onkel also, der war öfter zu Besuch und da hab ich als Kind die Sportschau sehen dürfen. So. Und immer, wenn der aufsprang und jubelte, tat ich es ihm gleich. Irgendwann hab ich gemerkt, dass der für den Club jubelt. Und dann war ich schon drin im Schlamassel. Später kamen natürlich Spieler, die mich beeindruckt haben, Hansi Dorfner, Dieter Eckstein usw.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zum FCN beschreiben? In welchem Beziehungsstadium befinden Sie sich?

Ringlstetter: Ich würde sagen: Silberhochzeit. Bissl drüber sogar. Das heißt, es ist klar, dass wir uns nicht mehr trennen, dafür geht’s schon zu lange. Es ist aber auch klar, dass für das Aufflackern heißer Leidenschaft auch mal die andere Seite zuständig ist. Und nicht immer nur ich.

Ist ein Spiel gegen Bayern noch immer erregend für Sie oder würden Sie es auch ohne Bandscheibenvorfall eher liegend verfolgen?

Ringlstetter: Ach, gegen die Bayern ist es wie gegen alle Großen. Wir stellen uns hinten rein und hoffen, dass nix passiert. Dann passiert meistens doch was und der Club verliert. Ein-, zweimal im Jahr allerdings ist es dann anders und der Club schlägt einen Topverein nahezu aus heiterem Himmel. Und dann steht man als Clubberer wieder da und denkt sich: „Hä? Die könnten doch viel besser, aber warum tun sie es nicht?“ Ich glaube mittlerweile, dass wir zwar so die Klasse halten, aber halt nach oben trotzdem nix geht.

Warum macht es der Club nach dem Zwischenhoch jetzt eigentlich wieder so spannend mit dem Klassenerhalt?

Ringlstetter: Weil der Club ein Depp ist. Ist ja der älteste Clubberer-Spruch für so eine Situation. Aber der Club macht es auch deshalb spannend, dass keiner sagen kann man wäre so ein Mittelding, so was wie Hoffenheim oder Wolfsburg oder so andere herzlose Konstrukte.

Was wollen Sie mit dem Club noch erleben?

Ringlstetter: Keine Pleite des Vereins. Dass ein guter Spieler mal bleiben kann, so wie Esswein, Hegeler oder vergangenes Jahr Ekici, Gündogan, Schieber, und dann so was entstehen kann wie damals in Stuttgart mit Elber, Balakow, Bobic. Aber da ist meine Hoffnung gering. Und eine Meisterschaft will ich haben. Eine einzige in meinem Leben. Dazu müssten allerdings Bayern, Schalke, Dortmund, Leverkusen und Bremen für eine Saison disqualifiziert werden. Ich überlege, wie man das anstellen könnte.

Was gibt Ihnen der FCN, was der FC Bayern nie bieten könnte?

Ringlstetter: Ach, das weiß ich gar nicht. Als Fan fühlt man doch gleich für seinen Verein. Die Bayern werden keinen Abstiegskampf erleben und der Club wohl nie gegen Real Madrid spielen. Aber der Club hat, finde ich, das lautere Stadion. Beim Club ist die Stimmung halt beim Spiel, bei den Bayern – dank Hoeneß – vorher und nachher.

Interview: lk

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