BVB-Boss im Interview

Watzke: "Sind 41 Jahre hinter München zurück"

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BVB-Boss Watzke.

München - Den Bossen des FC Bayern und von Borussia Dortmund wird ein schlechtes Verhältnis nachgesagt. Davon ist im Interview mit Hans-Joachim Watzke aber nichts zu spüren.

Herr Watzke, 2005 stand Borussia Dortmund kurz vor der Insolvenz…

Watzke: …da waren wir mausetot…

…neun Jahre später steht der Klub im Pokalfinale. Erklären Sie uns das Märchen…

Watzke: In jeder Krise steckt auch eine Chance. Ich weiß noch genau, am 15.2.2005 musste ich vor die Gläubiger treten und die Zahlungsunfähigkeit bekannt geben.

Wie fühlt man sich da?

Watzke: Beschissen. Es war dramatisch. Hätten die Gläubiger nicht mitgemacht, hätten wir ein paar Tage später Insolvenz beantragen müssen.

Und dann kamen Sie.

Watzke: Ich habe Herrn Rauball ein Konzept vorgelegt. Das war tragfähig. Dann haben wir die richtigen personellen Entscheidungen getroffen. Wir haben an Michael Zorc festgehalten und Jürgen Klopp verpflichtet.

Woher wussten Sie, dass Klopp zünden würde?

Watzke: Wir hatten eine neue sportliche Philosophie. Wir hatten in Kevin Großkreutz und Marcel Schmelzer bereits zwei junge Spieler geholt. Und dann haben wir uns gesagt: Welcher Trainer geht diesen Weg mit? Jung, aggressiv, laufstark, hohe Identifikation. Jürgen Klopp fand die Geschichte überragend, er war begeistert. In unserem Gespräch hat sich außerdem herauskristallisiert, dass die persönliche Chemie zwischen uns stimmt. Und das hat sich bis heute nicht verändert, sondern sogar noch verfestigt. Es gibt ein Urvertrauen. Und: Wir haben auch viel Glück gehabt.

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Das Märchen wird gestört. Der böse Wolf wildert.

Watzke: Wer soll das sein?

Die Bayern. Sie haben sich Götze und Lewandowski geschnappt. Und der Nächste könnte Marco Reus sein…

Watzke: Fakt ist: Vor fünf Jahren waren 100 Klubs für unsere Spieler interessant. Jetzt vielleicht noch fünf. Und dass die Bayern uns mal einen Spieler wegkaufen, gehört zum Geschäft. Da bleibe ich ganz gelassen.

Sie haben gesagt, die Bayern wollen Dortmund zerstören…

Watzke: Ich habe gesagt, sie wollen die funktionierende 2012er-Mannschaft zerstören, was legitim ist, aber nicht den Klub. Das können sie nämlich gar nicht.

Warum?

Watzke: Weil uns die Abgänge nicht umhauen. Wir haben jetzt ein Niveau erreicht, um solche Verluste ausgleichen zu können.

Und wenn auch Marco Reus ginge?

Watzke: Das macht er nicht. Das ist jedenfalls meine feste Überzeugung. Der Unterschied ist doch, dass der BVB so schnell nicht von der Bildfläche verschwinden wird. Wenn das einer glauben soll, macht er einen riesigen Fehler. Ich bin auch sicher, dass das die Herren aus dem Süden so einschätzen. In den nächsten Jahren werden wir Bayern immer mal wieder in die Quere kommen. Aber sie bleiben Favorit und ein großartiger Klub.

Auch mit mehr Geld kann Bayern Sie nicht abschütteln?

Watzke: Richtig. Immer wenn’s um die Finals geht, sind wir plötzlich wieder da. Wir waren jetzt in vier Jahren zweimal Meister und zweimal Zweiter, stehen zum dritten Mal in Serie in einem Endspiel.

Gehen Sie als Sieger aus der Saison, wenn Sie das Pokalfinale gewinnen?

Watzke: Gefühlt mag das sein. Aber es ist falsch: München wurde mit 90 Punkten Meister. Sie haben eine sehr gute Champions-League-Saison gespielt. Sie stehen im Pokalfinale. Das ist doch fantastisch.

Themenwechsel: Sie wissen, was nach der WM, wenn das deutsche Team frühzeitig rausfliegen sollte, auf Sie einstürzen wird?

Watzke: Nein. Erklären Sie es mir bitte.

Sollte Joachim Löw zurücktreten, wird die Fußballwelt nach Jürgen Klopp schreien.

Watzke: Egal, wie die WM ausgeht: Das Thema Jürgen Klopp wird sich nicht stellen. Für niemanden. Ich habe mit allen Beteiligten gesprochen: Jürgen hat bei uns einen Vertrag bis 2018, Jürgen ist charakterlich über jeden Zweifel erhaben. Im August sitzt er bei Borussia auf der Trainerbank. Das kann ich zu 100 Prozent versichern. Da kann passieren, was will. Außerdem macht Joachim Löw einen guten Job!

Wie sieht Dortmund in zehn Jahren aus?

Watzke: Wir haben alle Altlasten abgebaut. Wir wollen der zweite Leuchtturm in Deutschland sein, nicht auf Treibsand gebaut – und schwarzgelb.

Mit Platz zwei sind Sie zufrieden?

Watzke: Nein. Aber wir sind 41 Jahre hinter den Bayern zurück. Von mir werden Sie nie eine Kampfansage Richtung München hören. Wir setzen uns keinen Rucksack auf.

Interview: Thomas Gassmann

DFB-Pokal-Finale BVB - FCB: Hier im Live-Ticker

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