Ex-Keeper über den heutigen Bayern-Gegner

Butt im tz-Interview: "Benfica war das Tor zur Welt"

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Hier kommt keiner vorbei: Hans-Jörg Butt war vor Manuel Neuer Stamm-Torwart beim FC Bayern.

München - Hans-Jörg Butt hat nicht nur für den FC Bayern seine Knochen hingehalten, sondern auch für Benfica. Im Interview spricht der Ex-Keeper über den Champions-League-Gegner.

Butt, Butt, Butt! Bayerns Ex-Keeper und Elferkiller dürfte geschmunzelt haben, als der FCB im Viertelfinale der Königsklasse Benfica Lissabon zugelost bekam. Bevor er im Sommer 2008 an die Isar wechselte, stand der heute 41-Jährige eine Saison lang bei den Portugiesen im Kasten. Was die Münchner nun erwartet, verrät Butt im tz-Interview.

Herr Butt, was macht das Leben?

Butt: Alles gut so weit, danke. Seit drei Jahren bin ich mittlerweile in unserem Familienunternehmen tätig, wir stellen Verladesysteme her. Anfangs war ich viel vor Ort in Oldenburg, mittlerweile bin ich aber für den süddeutschen Raum, die Schweiz und Österreich von München aus tätig.

Klingt anders als Champions League & Co…

Butt: Ist es auch, aber auch das Wirtschaftsleben ist nicht minder spannend. Und die Technik hat mich auch schon immer interessiert. Das heißt aber nicht, dass der Fußball für mich komplett abgehakt ist. Im Stadion bin ich nach wie vor regelmäßig.

Und was ging Ihnen durch den Kopf, als Bayern Benfica zugelost bekam?

Butt: Ich dachte mir schon nach dem Juve-Spiel, dass es super wäre, wenn es gegen Benfica geht, weil man zu beiden Mannschaften einen Bezug hat. Lissabon ist eine tolle Stadt, ich schaffe es in zwei Wochen aber leider nicht, dorthin zu fliegen.

Was macht Benfica aus?

Butt: Benfica ist ein sehr besonderer und in Portugal extrem beliebter Verein. Das ist ein Mythos, was auch mit der politischen Entwicklung in Portugal zusammenhängt. Zu Diktatorenzeiten unter Salazar kamen die Portugiesen aus dem Land nicht raus, weshalb die Menschen dort auch wenig Selbstvertrauen hatten. Zu dieser Zeit war Benfica das Tor zur Welt und hat dem Land auch Selbstvertrauen gegeben. Mit Eusebio war man ja fünfmal im Landesmeisterfinale und hat es zweimal auch gewonnen. Daher war die Stimmung - gegen Porto oder Sporting aufgrund der Rivalität ausgeschlossen - stets positiv, wenn Benfica auswärts gespielt hat. Das Gleiche gilt im Ausland, vor allem in den ehemaligen portugiesischen Kolonien, was vor allem die Spieler zu spüren bekommen. Spielt man für Benfica, ist man ein Heiliger.

Sie damals für ein Jahr.

Butt: Ich bin sehr froh, den Schritt gemacht zu haben. Sportlich lief es nicht so, aber so ein Schritt ins Ausland ist auch für die Persönlichkeit extrem wichtig. Damals war der Verein im Wandel, man hatte seit Jahren keine Titel mehr gewonnen, dafür hat man einige Dinge angeschoben. Heute ist man in Sachen Infrastruktur sehr gut aufgestellt, das Estádio da Luz ist super, das Trainingsgelände ist sehr modern und auch die Denkweise beginnt sehr professionell zu werden. Physiotherapeuten und Ernährungsberater direkt am Trainingsplatz, all das wurde schon da eingeführt, die Jugendarbeit ist sowieso erstklassig. Dazu pflegt der Klub auch einen sehr guten Draht nach Südamerika. Spieler wie Fábio Coentrão oder Ángel di María haben ein, zwei Jahre bei Benfica gespielt und sind dann zu großen Klubs gewechselt. Heute befindet sich der Klub aber wieder in ruhigerem Fahrwasser.

Kann Benfica dem FCB ein Bein stellen?

Butt: Man hat heute eine sehr gute Mannschaft mit sehr vielen jungen Spielern, die in Europa zwar noch nicht den Namen haben, sich bei Benfica aber sensationell entwickeln. Insofern ist es immer gefährlich, gegen eine Mannschaft zu spielen, die zwar nicht den Namen hat, individuell aber sehr gut besetzt ist. 2004 hatte auch niemand den FC Porto auf dem Zettel, von daher wäre es ein Riesenfehler, Benfica zu unterschätzen. Zumal es in meinen Augen ein sehr großer Vorteil ist, dass das Rückspiel im Estádio da Luz stattfindet.

Interview: Jose Carlos Menzel Lopez

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