Erfolgscoach zieht Bilanz

Hansi Flick mit knallharter Aussage - „Dann habe ich bei Bayern nichts zu suchen“

Hansi Flick blickt im Vereinsmagazin des FC Bayern auf seine bewegte Saison zurück. Er erklärt seine Philosophie - und wird in einem Punkt besonders deutlich.

  • Hansi Flick hat beim FC Bayern in kurzer Zeit schon fast Legendenstatus erreicht.
  • Nach seinem Triple-Sieg blickt er auf ein bewegtes Jahr zurück.
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München - Die Szenerie erinnert ein wenig an Weihnachten, obwohl sie sich im Hochsommer ereignete. Das Licht im Estadio da Luz war aus, aber im Mittelkreis der Arena in Lissabon konnte man aus der Ferne vier Gestalten erkennen. Sie saßen da, umgeben von glitzerndem Konfetti. Man hörte nichts, aber dieses Bild sagte sowieso mehr als tausend Worte. Joshua Kimmich, David Alaba, Serge Gnabry und Hansi Flick genossen stillschweigend den Triple-Sieg des FC Bayern. Für den Bayern-Trainer „einer meiner persönlichen Momente des Jahres 2020“.

Flick erinnert sich gerne an diese magische Nacht zurück, das ist nur logisch, denn sie krönte seine Erfolgsgeschichte nach weniger als einem Jahr im Amt. Der 55-Jährige aber nimmt das sich dem Ende neigende – und so furchtbar anstrengende – Jahr auch zum Anlass für ein umfassenderes Resümee. Im Vereinsmagazin 51 blickt er auf das bisher Erreichte – sagt aber auch: „Wenn ich nicht permanent für den Extrameter bereit bin, habe ich bei Bayern nichts zu suchen.“

Der FC Bayern und Trainer Hansi Flick: Eine perfekte Paarung zur perfekten Zeit.

Flicks erste Partie gegen Dortmund: Mutige Aufstellung und ein 4:0-Sieg

Diese Worte sind keinesfalls drohend gemeint, Flick ist zufrieden mit seinen Profis, er hat „keine Sorge“ vor einem Motivationsloch in der Nach-Triple-Saison. Aber er will eben ausdrücken, dass die Bayern „keine Spieler brauchen, die nur so hoch springen, wie sie springen müssen“. Der Wille, jeden Tag alles dem Erfolg unterzuordnen, gehört für ihn zur DNA dieses Klubs. Er lebt sie vor – nicht umsonst lobt Karl-Heinz Rummenigge: „Ich würde diesen Stil, den wir heute spielen, den FC-Bayern-Stil nennen.“ Er hatte in den letzten Jahren etwas gelitten, seit Flicks Amtsantritt aber ist er wieder da.

„Genau zu wissen, woran man ist“, das schätzen die Profis an ihrem Coach. So sagt es Thomas Müller, der Flick vom ersten Tag an – also noch als Interimstrainer – als mutig bezeichnete. Auch Flick erinnert sich gut an seine erste Bundesliga-Partie, in der er gleich gegen den BVB liefern musste. Er setzte auf eine offensive Aufstellung – und als seine Spieler fragten, ob das zu schaffen sei, entgegnete er: „Ja, wir schaffen das!“ Die Partie endete 4:0.

FC Bayern unter Flick: Nie dem Gegner anpassen, immer das eigene Ding machen

Flick weiß, was er will, für ihn hat sich „diese Frage, auf Nummer sicher zu gehen, tatsächlich nie gestellt“. Müller sagt, „er hört nie auf, den Blick über den Tellerrand zu heben“. Im Fokus steht dabei stets der „Standpunkt, dass der FC Bayern eine klare DNA braucht“. Flick beschreibt sie mit den Worten: „Ballbesitz, dominant sein, offensiv auf Tore spielen.“ Als er selbst Spieler war, hieß es: „Hauptsache gewonnen! Der FC Bayern hat sich seit jeher über den Erfolg definiert, aber heute gehört die Art und Weise dazu, wie man gewinnt.“ Die Bayern passen sich unter Flick nicht dem Gegner an, sondern machen ihr Ding.

Obwohl Flick sagt, Fußball dürfe „nie dogmatisch sein“, hat er klare Vorstellungen, für die er intern auch einsteht. Er gilt als streitbarer Geist, aber man sagt in den oberen Etagen an der Säbener Straße: Genau deshalb ist er vom Interims- zum Chefcoach geworden – und soll lange bleiben. Eine echte Krise hatte er noch nicht zu moderieren, obwohl er weiß, „dass man im Sport gerade in schweren Zeiten reift“.

Wenn 2021 eine kommt, wäre er gewappnet. Das Vertrauen der Chefs hat er. „Hansi ist ein Geschenk für den FC Bayern“, sagt Rummenigge. Das passt nun aber wirklich zu Weihnachten. - Hanna Raif

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