Stress angeblich beigelegt

FCB-Trainer mit zwei Gesichtern? Hansi Flick entschuldigt sich bei Brazzo

In einer angespannten Situation verliert Hansi Flick die Nerven und wirft dem Sportvorstand des FC Bayern schlimme Worte an den Kopf. Auf der PK am Freitag nimmt der Coach Stellung.

München - Als Hansi Flick im November 2019 den Cheftrainer-Job von Niko Kovac vorerst interimsmäßig übernahm, schärfte Lothar Matthäus öffentlich das Profil seines langjährigen Kumpels. „Der Hansi kann auch ein Hans sein“, sagte der Rekord-Nationalspieler damals in seiner Funktion als Sky-Experte. Was Lothar, der sich wohl aus der Liste der potenziellen Jogi-Löw-Nachfolger herausmanövriert hat, meinte: Wenn es nötig ist, kann Flick in der Kabine auch mal laut werden und seine Rolle als Kumpel-Trainer ablegen.

Laut ist es im Rahmen der Auswärtspartie bei Eintracht Frankfurt Ende Februar dann auch im Mannschaftsbus zugegangen. Laut Bild, soll der FC-Bayern-Coach damals in Richtung Hasan Sailhamidzic unschöne Dinge gesagt haben. Es fällt schwer zu glauben, dass Publikums- und Medienliebling Flick seinem Sportvorstand solche Wörter an den Kopf wirft.

FC Bayern: Flick bereut verbalen Ausrutscher gegen Sportvorstand Salihamidzic

„Aus der Emotionalität heraus ist mir ein Satz herausgerutscht, auf den ich nicht stolz bin und der mir Leid getan hat“, gestand Flick am Freitag in der Pressekonferenz und entschuldigte sich somit noch einmal öffentlich bei Salihamidzic. Der Triple-Trainer begründete seinen Emotionsausbruch mit der angespannten Lage nach der Klub-WM, wo es vier Corona-Fälle beim FC Bayern gab. Die Situation sei für alle sehr angespannt gewesen, was allerdings „keine Entschuldigung sein soll“, wie Flick kleinlaut betonte.

Der Konflikt zwischen Trainer und Sportvorstand schwelte seit diesem Ausraster im Bus vor sich hin, unter der Woche nach dem Sieg in der Champions League gegen Lazio Rom kam es dann zum (kurzen) Klärungsgespräch der beiden. „Wir haben uns ausgesprochen und mit Blick auf die Zukunft gesagt: Wir haben die erfolgreichste Phase, die Spieler und der Staff haben es verdient, dass Ruhe einkehrt. Brazzo und ich sind an vorderster Front und haben uns die Hand gegeben“, berichtet Flick vom jüngsten Streitgespräch und betont: „Wenn man sich entschuldigt, dann muss die Sache auch vorbei sein, und so sehe ich es aktuell.“

Im Rahmen des Frankfurt-Spiels attackierte Hansi Flick (re.) seinen Vorgesetzten Hasan Salihamidzic im Bus verbal.

FCB-Trainer Hansi Flick: Ähnliches Schicksal wie beim DFB und der TSG Hoffenheim?

Auf der einen Seite ist es Flick hoch anzurechnen, wie ehrlich und sympathisch er mit der Situation umgeht. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob der Bayern-Trainer mehr als diese eine Seite hat. Denn während die Spieler durch die Bank von Hansi als Trainer schwärmen, hat es in der Vergangenheit öfters mal zwischen Flick und Vereins- und Verbandsantwortlichen mindestens geknirscht.

Rückblick: Als Flick 2017 den DFB darum bat, seinen Vertrag als Sportdirektor vorzeitig aufzulösen, tat er das dem Vernehmen nach auch, weil seine Ideen verbandsintern nicht genug Gehör gefunden hatten. In Frankfurt hatte man Flick wegen seiner sympathischen Art stets geschätzt, ihn aber auch als „Wadlbeißer“ erlebt. Als Flick merkte, dass er nicht das verändern konnte, was er wollte, trat er zurück.

Während seiner Zeit als Sportdirektor bei 1899 Hoffenheim, war zwischenzeitlich – wie jetzt in München – von einem Machtkampf mit Dietmar Hopp die Rede. Zwar war Hoffenheim damals bemüht, das Wort „Machtkampf“ aus den Berichten zu verbannen, doch kurze Zeit später und ein halbes Jahr nach Flicks Amtsantritt löste er auch bei der TSG seinen Vertrag vorzeitig auf.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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