Decheiver: "Dortmund ist heute besser als Bayern

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Harry Decheiver erzielte in 49 Bundesliga-Spielen für Freiburg und Dortmund 20 Tore.

Freiburg - Er war der erste Stürmer, der den Namen Knipser verpasst bekam: Harry Decheiver. Der Holländer spielte für Freiburg und Dortmund und spricht im tz-Interview über Freiburg, Dortmund und den Egoismus von Arjen Robben.

Er war der erste Stürmer, der den Namen Knipser verpasst bekam: Harry Decheiver. Der Holländer spielte für Freiburg und Dortmund, erzielte in 49 Spielen 20 Tore. Heute trainiert er den SV Colmschate in seiner Heimat – und verfolgt nach wie vor seine Ex-Klubs. H

Herr Decheiver, wo erwischen wir Sie?

Decheiver: In Österreich beim Skifahren. Ein paar Tage Urlaub.

Und dann geht es zurück nach Holland? Was machen Sie heute?

Decheiver: Ich trainiere eine Amateurmannschaft, spiele sogar selbst noch. Aber eher auf niedrigem Niveau.

Früher sah das anders aus: Ihre beiden Ex-Teams sind zurzeit ganz oben und ganz unten in Deutschland.

Decheiver: Dortmund und Freiburg, ja das stimmt. Ich bekomme das alles mit. Wir haben ja die Sportschau in Holland! Sprechen wir zunächst über den Sportclub.

Torschützenkönige in der Bundesliga seit 1990

2011/2012: Klaas-Jan Huntelaar (FC Schalke): 29 Tore © AP
2010/2011: Mario Gomez (FC Bayern), 28 Tore. © ap
2009/2010: Edin Dzeko (VfL Wolfsburg), 22 Tore © Getty
2008/2009: Grafite (VfL Wolfsburg), 28 Tore © Getty
2007/2008 (FC Bayern München), 24 Tore © Getty
2006/2007: Theofanis Gekas (VfL Bochum), 20 Tore © Getty
2005/2006: Miroslav Klose (Werder Bremen), 25 Tore © Getty
2004/2005: Marek Mintal (1. FC Nürnberg), 24 Tore © Getty
2003/2004: Ailton (Werder Bremen), 28 Tore © Getty
2002/2003: Giovane Elber (FC Bayern München), 21 Tore © Getty
2002/2003: Thomas Christiansen (VfL Bochum), 21 Tore © Getty
2001/2002: Martin Max (TSV 1860 München), 18 Tore © Getty
2001/2002: Marcio Amoroso (Borussia Dortmund), 18 Tore © Getty
2000/2001: Ebbe Sand (FC Schalke 04), 22 Tore © Getty
2000/2001: Sergej Barbarez (Hamburger SV), 22 Tore © Getty
1999/2000: Martin Max (TSV 1860 München), 19 Tore © Getty
1998/99: Michael Preetz (Hertha BSC), 23 Tore © Getty
1997/98: Ulf Kirsten (Bayer Leverkusen), 22 Tore © Getty
1996/97: Ulf Kirsten (Bayer Leverkusen), 22 Tore © Getty
1995/96: Fredi Bobic (VfB Stuttgart), 17 Tore © Getty
1994/95: Heiko Herrlich (Borussia Mönchengladbach), 20 Tore © 
1994/95: Mario Basler (Werder Bremen), 20 Tore © Getty
1993/94: Anthony Yeboah (Eintracht Frankfurt), 18 Tore © Getty
1993/94: Stefan Kuntz (1. FC Kaiserslautern), 18 Tore © dpa
1992/93: Anthony Yeboah (Eintracht Frankfurt), 20 Tore © dpa
1992/93: Ulf Kirsten (Bayer Leverkusen), 20 Tore © dpa
1991/92: Fritz Walter (VfB Stuttgart, links), 22 Tore © Getty
1990/91: Roland Wohlfahrt (FC Bayern München), 17 Tore © Getty
1989/90: Jörn Andersen (Eintracht Frankfurt), 18 Tore © Getty

Was trauen Sie Freiburg heute gegen den FC Bayern zu?

Decheiver: Eine Überraschung ist immer möglich, auch wenn es in den letzten Jahren nicht gut lief gegen Bayern.

Früher sah das anders aus, da war Freiburg ein Angstgegner für Bayern. Auch wegen Ihnen. Sie haben mal einen Doppelpack gegen Bayern geschafft.

Decheiver: 1996 war das, wir haben 3:1 gewonnen. Das war genau in dieser Zeit, als wir dreimal hintereinander gewinnen konnten. 3:1, 5:1, 3:1 – ein super Gefühl!

Haben Sie heute noch Kontakt nach Freiburg?

Decheiver: Nein, es sind ja nicht mehr viele von damals da. Nur letzte Woche hat mal eine Freiburger Zeitung angerufen. Sie wollten das gleiche wissen wie Sie jetzt.

Kein Wunder! Sie waren der Bayernschreck.

Decheiver: Ach, das weiß ich nicht. Wir hatten einfach eine gute Zeit.

Die hatten Sie auch in Dortmund. Glauben Sie, der BVB kann es wieder schaffen mit dem Titel?

Decheiver: Ja, das glaube ich. Letztes Jahr hat es mich überrascht, dass Dortmund so weit kam. Denn die großen Namen waren immer bei Bayern. Aber wie Dortmund spielt, mit viel Schwung und Engagement, schätze ich sie heute besser ein als Bayern, vor allem in der Liga. Dortmund ist wieder Favorit.

In Deutschland gibt es gerade eine Egoismus-Diskussion um Robben. Zurecht?

Decheiver: Er hat diesen Egoismus ganz klar in seinem Spiel – aber das macht ihn auch zu einem großen Spieler! Man kann nicht nur Spieler haben, die immer abspielen. Man muss auch einen haben, der eine Art Show machen kann. Für mich ist er auch kein richtiger Teamspieler.

Wie meinen Sie das?

Decheiver: Ich finde es okay, dass er einen Ball mal nicht abspielt. Das gehört zu seinem Spiel. Aber wenn er ein Tor macht und er läuft den anderen weg, nur um für sich allein zu feiern, dann finde ich das schlimm. Das muss er nicht machen. Ich denke, man muss immer mit denen feiern, die die Vorlage geben. Und dann mit der ganzen Mannschaft.

Waren Sie, der „Knipser“, denn kein Egoist?

Decheiver: Nein. Vielleicht wurde mir manchmal vorgeworfen, dass ich nicht genug mit nach hinten gearbeitet habe, aber das ist etwas anderes.

Arjen Robben arbeitet nun mehr nach hinten.

Decheiver: Eines ist auch klar: Um die Champions League gewinnen zu können, braucht Bayern Robben. Mit Müller ist es gut, das geht auch gegen kleine Vereine wie Köln oder Hannover. Aber gegen Real oder Barcelona brauchst du Robben. Der geht auch mal an einem Mann vorbei, das macht Müller nicht. Robben macht den Unterschied.

Interview: Michael Knippenkötter

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