Bayerns neuer Sportdirektor im Fokus

Ausnahme für Ribéry? Harsche Kritik an Salihamidzic

Von Beginn an bläst Bayerns neuem Sportdirektor Hasan Salihamidzic medial Gegenwind ins Gesicht. Was steckt dahinter und welche Fehler hat sich „Brazzo“ wirklich geleistet?

München - Es hätte einen besseren Zeitpunkt für Hasan Salihamidzic geben können, als neuer Sportdirektor beim FC Bayern einzusteigen: Die zweite Saison unter Trainer Carlo Ancelotti begann für die Ansprüche des deutschen Rekordmeisters mehr schlecht als recht, dazu kamen atmosphärische Spannungen abseits des grünen Rasens.

In der äußerst turbulenten Phase gleich zu Beginn seiner Amtszeit geriet auch der beliebte Ex-Profi gleich schnell ins Visier kritischer Berichterstattung. Dank der Reaktivierung von Jupp Heynckes beim FC Bayern ist mittlerweile (zumindest vorläufig) wieder Ruhe eingekehrt, der überzeugende 5:0-Sieg gegen den SC Freiburg am Wochenende tat hier sein übriges.

Vorwürfe an Salihamidzic: Flugproblematik und mangelnde Kenntnis von Shootingstars

Wie aktuell ein Artikel im kicker belegt, steht „Brazzo“ beim FC Bayern jedoch weiterhin unter enorm großer Beobachtung. Das Fachblatt seziert ausführlich die bisherige Amtszeit des Neulings und attestiert Salihamidzic so manchen Fehler. Der gravierendste, der laut dem Sportmagazin schnell für einen Authoritätsverlust innerhalb der Mannschaft gesorgt haben soll, betrifft eine Regel, die Salihamidzic kurz nach seiner Installation als Sportdirektor aufstellte: Die Profis der Münchner durften nach Brazzos Anweisung an freien Tagen keine Flugreisen mehr absolvieren. Ein Fall aus der Vergangenheit war ausschlaggebend, dass Salihamidzic diese neue Regel aufstellte: Javi Martinez hatte sich beim Bergsteigen in seiner baskischen Heimat im vergangenen Mai eine Schulterverletzung zugezogen. 

Weil erst nach Bekanntwerden von Salihamidzics neuem Verhaltenskodex bekannt wurde, dass Teamkollege Franck Ribéry für eine Privatfeier bereits einen Flug gebucht hatte, wurde für den Franzosen kurzerhand eine Ausnahme gemacht - und da begannen die Probleme: Mitspieler sollen aufbegehrt und sich ungerecht behandelt gefühlt haben, Salihamidzic verlor erste Sympathiepunkte. 

Ebenfalls angeführt wird im Bericht des kicker die Handhabe im Fall des Frust-Trikotwurfes von Ribéry, woraufhin es keine Sanktion seitens Klubführung gegeben habe.

Den Umstand, dass Hasan Salihamidzic sich angeblich erst per Youtube über Shootingstar Thomas Lemar vom AS Monaco informieren musste, kann man als Naivität abtun, oder lockere Einstellung. Aber ist das schlimm? Immerhin muss sich Brazzo in seiner neuen Funktion als Sportdirektor nicht nur um die Profimannschaft kümmern, sondern auch um weitere Teams des FC Bayern. Und auch das Nachwuchs-Hochleistungszentrum sollte nicht vernachlässigt werden.

Und was hat es mit dem Vorwurf der fehlenden Redefreudigkeit des Champions-League-Siegers von 2001 auf sich? Wie der kicker berichtet, habe Salihamidzic bislang entweder kaum etwas zu sagen, oder aber er flüchte sich in Floskeln. Als Beispiel wird die Pressekonferenz zur Vorstellung von Trainer Jupp Heynckes angeführt. Fakt ist jedoch: Die anwesende Journalisten-Schar erhielt außergewöhnlich lange Zeit, den Offiziellen des FC Bayern (noch anwesend waren Heynckes, Präsident Uli Hoeneß, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und eben Salihamidzic) Fragen zu stellen. Allerdings wurde dabei wenig bis gar nicht Brazzo selbst von den anwesenden Medienvertretern angesprochen. 

Bereits vor einigen Wochen erhielt Salihamidzic einen Vorgeschmack darauf, was ihn in den nächsten Monaten erwarten würde, als das Portal Sportbuzzer mit einer ziemlich harschen Kolumne von Sportmoderator Jochen Breyer von sich reden machte.

Hasan Salihamidzic (2. v.r.) bei der Vorstellung von Jupp Heynckes als neuer Trainer des FC Bayern.

Dass Salihamidzic bei einem Klub wie dem FC Bayern von Anfang an unter besonderer Aufmerksamkeit steht, kommt nicht überraschend. Die Münchner Bosse sind aber von der Arbeit des neuen Sportdirektors überzeugt, Uli Hoeneß sagt über die Vorzüge des neuen "Azubis": "Er ist korrekt, ein ehrlicher und loyaler Mann." Die Rückendeckung seines Bosses hat das ehemalige Flüchtlingskind also sicher. Und die Chancen stehen gut, dass sich der mediale Gegenwind für „das Bürschchen“ (deutsch für Brazzo, Anm. d. Red.) bald legt: Bei der Vorstellung von Bayerns neuem Trainer Jupp Heynckes in der Münchner Allianz Arena sagte der Präsident: "Jupp kennen wir, den mögen wir. Und Hasan ist der ganz große Gewinner, weil er in der nächsten Zeit sicher weniger im Rampenlicht stehen wird.“

Die teilweise harsche Kritik an Hasan Salihamidzic - ist sie übertrieben oder gerechtfertigt? Diskutieren Sie in unserer Kommentarspalte unter diesem Artikel.

pf/Video: Glomex

Rubriklistenbild: © dpa

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