FC Zwayern München?

Hat der Schiri das Pokal-Spiel entschieden? Ex-Referee Rafati klärt auf

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Ralf Rangnick (2.v.r.) will persönlich den Videobeweis vorbringen.

Schiedsrichter Felix Zwayer erwischte in der zweiten Pokalrunde einen schwarzen Tag, lag bei zwei Elfmeter-Entscheidungen falsch. Wurde aus dem FC Bayern München der FC Zwayern München?

Elfer-Drama nach 120 Minuten Pokal-Krimi – doch im Mittelpunkt stand nach Bayerns Sieg bei RB Leipzig weniger FCB-Held Sven Ulreich, sondern Schiedsrichter Felix Zwayer. Der Berliner erwischte in der zweiten Pokalrunde einen schwarzen Tag, lag bei zwei Elfmeter-Entscheidungen falsch. Wurde aus dem FC Bayern München der FC Zwayern München?

Fest steht: Bei den Strafraumszenen hatten einmal die Bayern Glück, einmal Leipzig. Das sieht auch Babak Rafati, Ex-Fifa-Schiedsrichter, so. Er macht im Gespräch mit der tz aber klar: „Der Schiedsrichter will nicht bewusst eine Fehlentscheidung treffen. Es ist schade, dass immer gegenseitig geschossen wird.“

Zwayer nimmt Elfmeter zurück und gibt Freistoß

Aufreger Nummer 1: In der 34. Minute hält Krieger Vidal Forsberg erst fest, senst den Leipziger dann auf der Sechzehner-Linie um. Zwayer zeigt auf den Punkt, lässt sich aber von Assistent Arno Blos überstimmen. Gelb für Vidal, nur Freistoß für RB.

RB-Coach Ralph Hasenhüttl wütet in der ARD: „Der Schiedsrichter steht vier Meter neben dem Ball und lässt sich von jemandem überstimmen, der 40 Meter entfernt ist.“ Die Münchner sehen das ganz anders. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagt: „Das Foul von Vidal war fünf Zentimeter außerhalb.“

Arturo Vidal (l.) gegen Emil Forsberg.

Ex-Schiri Rafati meint: „Wenn der Kontakt während des Zweikampfs im Strafraum anhält, ist es ein Strafstoß.“ Das Eingreifen des Assistenten sieht der 47-Jährige kritisch: „Im Normalfall ist es so, dass der Assistent bei Vergehen an der Strafraumgrenze den besseren Blick hat, weil er von der Seite schaut. Aber hier stand Zwayer optimal, der erste Eindruck war richtig.“

Zwayer übersieht Foul von Boateng und stellt Keita vom Platz

Kurz nach der Halbzeitpause wird es richtig heiß! Augustin fällt im Duell mit Boateng, wieder gibt Zwayer keinen Elfer (51.). Die Wiederholung zeigt: Bayerns Abwehrschrank trifft den Ball kaum, berührt aber den Gegner. Rafati: „Boateng spielt zwar nicht den Ball, aber das ist ein fußballtypischer Einsatz. Für mich ist das kein Elfer.“

Platzverweis für Naby Keita - Felix Zwayer bewies hier kein Fingerspitzengefühl.

Drei Minuten später sieht Keita Gelb-Rot. Der RB-Antreiber war Thiago in Durchgang eins auf den Knöchel gestiegen, jetzt greift er gegen Lewandowski zur Textil-Bremse. Zwayers Entscheidung ist korrekt. Leipzigs Ärger hat einen anderen Grund: Keita war zuvor selbst hart angegangen worden, u.a. von Tolisso. Bayerns Rekordeinkauf hatte aber nicht einmal Gelb gesehen.

Hasenhüttl meint mit Blick auf den Platzverweis: „Für uns wurde ein Spiel kaputtgemacht, vielleicht sogar zwei. Wir haben 75 Minuten in Unterzahl gespielt, das wird man auch am Samstag merken.“

Schließlich bekommt RB doch noch einen Elfmeter. Poulsen dribbelt an Boateng vorbei, sucht den Kontakt und hebt ab (67.). Für Ex-Fifa-Schiri Rafati kein Elfer: „Boateng stellt sich nur, er macht gar keine aktive Bewegung mit dem Fuß gegen die Füße des Gegenspielers.“

Für Hummels ist klar: Den Strafstoß gibt Zwayer nur, weil er um seine Fehlentscheidung zuvor weiß. Der FCB-Abwehrmann spricht von der „Königin der Konzessionsentscheidungen“.

Rangelei, Wembley-Tor, Elferschießen - dreimal Note 2, einmal Note 5

Wirbel um Rangnick-Auftritt

Rafati kennt das Problem, er meint: „Jeder Schiedsrichter wird sagen: ‚Es gibt keine Konzessionsentscheidung‘. Aber natürlich wissen wir, was im Vorfeld passiert ist. Das heißt aber nicht, dass man später bewusst eine Fehlentscheidung trifft.“

Bliebe noch Ralf Rangnicks Auftritt in der Halbzeitpause: Der RB-Sportdirektor stürmte mit Smartphone zum Schiedsrichter-Gespann, wollte das Foul von Vidal zeigen. Die Bayern-Spieler Hummels, Alaba und Ulreich wollten Rangnick davon abhalten, es kam zu Rangeleien. Rafati meint: „Man könnte mit entspannterem Auftreten die Emotionen rausnehmen. Lass ihn doch das Handy bringen. Ich würde heute fragen: ‚Darf ich mal zu Hause anrufen?‘“

Von FC Zwayern kann also keine Rede sein – gut gelitten ist der Schiri in München trotzdem. Rummenigge: „Er ist einer der besten Schiris in Deutschland.“ Basta!

Am Samstag kommt es zur Neuauflage des Pokal-Krimis - allerdings in der Bundesliga. Wir erklären Ihnen, wie Sie das Spiel FC Bayern gegen RB Leipzig live im TV und Livestream sehen.

Jonas Austermann, Manuel Bonke

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