Zweite Karriere im Motorsport möglich

Heinz Müller: Tauscht er Fußball gegen Lenkrad?

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Alles im Griff: Heinz Müller hat neben seiner Karriere als Profi-Fußballer schon immer gerne im Auto gesessen.

München - Ein Mann, zwei Leidenschaften: Findet sich für Ex-Bayern-Praktikant Heinz Müller kein neuer Verein, startet er eine zweite Karriere im Motorsport.

Die Verantwortlichen von Mainz 05 wissen es bis heute nicht so wirklich, aber Heinz Müller hat den Fußball-Bundesligisten während seiner fünfjährigen Vertragslaufzeit ein wenig ausgetrickst. Ein einziges Mal hat der Torhüter bei seinem damaligen Arbeitgeber nachgefragt, ob er in der Sommerpause am „Tuner Grand Prix“ am Hockenheimring teilnehmen dürfe. „Ich habe gesagt, es sei eine Showveranstaltung, dann habe ich das Okay bekommen. Und dann habe ich einfach nie wieder gefragt“, erzählt Müller lachend. Die Freigabe, die ihm der Klub damals erteilte, sollte sein Leben noch nachhaltig beeinflussen.

Nicht nur einmal, sondern fortan jeden Sommer startete Müller am prominenten Zeitfahren auf der badischen Formel-1-Strecke, dreimal gewann er sogar. Das Highlight seines Jahres, sagt Müller, war keines der 34 Bundesliga-Spiele der Saison, sondern eben dieser Tag in Hockenheim. Jahr für Jahr bekam er mehr Lust auf diese Grenzerfahrungen auf der Rennstrecke statt auf dem Fußballplatz. Auf Ölgeruch statt Rasenduft. Auf ein Lenkrad statt einem Ball in der Hand. Nur eines blieb gleich: Die Sucht nach Adrenalin. Sie treibt den Sportler Heinz Müller an. Egal, auf welchem Terrain.

„17 Jahre Leistungssport, das ist ein Stück Droge, die ich brauche“, sagt Müller. Die Worte des 36-Jährigen wirken beim ersten Hinhören bilanzierend, als habe er mit dem Kapitel Fußball bereits abgeschlossen. So ist es aber nicht. Bis Ende Januar, bis das Transferfenster schließt, gibt sich Müller – zuletzt Torwart-Praktikant beim FC Bayern – die Chance auf ein letztes Engagement. „Wenn, dann gehe ich nochmal in die Bundesliga oder vielleicht in eine gute ausländische Liga“, sagt er. Und wenn nicht, dann ist die Zeit für den Tapetenwechsel eben gekommen. „Diesen Hunger, das Gefühl, zu gewinnen“ wird Müller sich dann ab der kommenden Saison in den acht Rennen der ADAC-GT-MASTERS-Serie holen. „Denn genug habe ich davon noch nicht“, sagt er und atmet laut aus: „Noch lange nicht.“

Es gibt da diese zwei Herzen in seiner Brust

Es ist nicht so, dass Heinz Müller in seiner Karriere jeden Morgen aus dem Haus gegangen ist und sich überlegt hat, ob er nun lieber Fußball spielen oder Auto fahren will. Aber es gibt diese zwei Herzen in seiner Brust schon immer. „Die Liebe zum Motorsport ist mir ein wenig in die Wiege gelegt worden“, sagt er. Mit 15 bekam er das erste Mofa, ein Motorrad war der logische nächste Schritt, die Lehre zum KFZ-Mechaniker folgte. „Alles, was mit Motoren zu tun hatte, dreckig machen, ölige Finger, hat mich immer fasziniert.“

All das wirkt wie ein Kontrastprogramm zum stupiden, von Disziplin geprägten Alltag als Profi-Fußballer, der für Müller 1998 in der 2. Liga bei Hannover 96 begann und über Norwegen und England nach Mainz führte. Aber es war in Wirklichkeit einfach eine gute Ergänzung. „Reaktionsfähigkeit, Konzentration, Umsetzungsvermögen – das brauche ich im Auto und im Tor“, sagt Müller. Ob nun mit 600 PS unter dem Körper oder aus eigener Muskelkraft: „Die Grundbausteine passen zusammen.“

Müllers zweite Karriere – die übrigens auch von seiner Frau und den beiden Kindern unterstützt wird („soll ich nun 30 Jahre lang auf dem Sofa liegen?“) – war bereits nach der Sommerpause, in der der Vertrag beim FSV Mainz 05 ausgelaufen war, in Planung. Bei ersten Tests wurde schnell deutlich, dass es für den stattlich gebauten Mann mit 1,94 Metern und 100 Kilogramm etwas mehr Vorbereitung bedarf als für andere Neueinsteiger. Das im Vergleich zu anderen Fahrern hohe Gewicht kann er nur fahrerisch kompensieren – „andere sagen, ich habe Talent“. Damit Müller aber überhaupt Platz in seinem Mercedes findet, sollte ein Spezialsitz angefertigt werden. Ein Vorhaben, das bis auf Weiteres verschoben wurde, als der FC Bayern bei ihm anklopfte.

Zwei Monate lang war er aufgrund der Verletzungen der Ersatzmänner Pepe Reina und Tom Starke Praktikant an der Säbener Straße, trainierte täglich mit Manuel Neuer und wartete, ob sich eine Chance ergibt. Er fühlte sich als echter Bayern-Spieler, war bei jeder Heimpartie in der Allianz Arena, einen Vertrag aber erhielt er letztendlich nicht. Und trotzdem hat ihn die Zeit nicht vordergründig davon abgehalten, seinen Kindheitstraum im Motorsport zu verwirklichen. Sondern weitergebracht.

"Noch hat der Fußball Priorität"

Körperlich fit hat Müller sich stets gehalten, „nun aber bin ich auch als Torwart nochmal auf einem anderen Level“, sagt er. An das Tempo im Training habe er sich erst gewöhnen müssen – es ist eben etwas anderes, ob man einmal im Jahr mit seinem Klub gegen Franck Ribery, Arjen Robben und Co. spielt, oder eben jeden Tag. Vom Niveau her sei es das „beste Training meiner Karriere“ gewesen: „Aber ich nehme aus dieser Zeit auch viel mit für mein Leben. Wie der Verein geführt wird, wie gearbeitet wird im Training, wie die Spieler eingestellt sind. Es geht im Sport um Respekt, Disziplin und Fleiß – all das wird gelebt beim FC Bayern.“

Egal wann Müller – privat übrigens ein gemütlicher Autofahrer – seine zweite Laufbahn nun startet, er wird sie ernst nehmen. Das, was sich auf „Schnupper- und Touristenfahrten mit dem Privatauto“ nach und nach entwickelt hat, wird sein neuer Lebensinhalt werden. „Noch hat der Fußball Priorität“, sagt er. Aber er sieht die Vereinssuche doch sehr entspannt.

Findet sich bis Februar kein neuer Klub, „dann war es das“. Dann muss Heinz Müller nie wieder bei seinem Arbeitgeber nachfragen, ob er einen Grand Prix fahren darf. Und auch nie wieder flunkern. Er kann dann selbst entscheiden, wann er mit Geschwindigkeiten von über 200 km/h über den Asphalt brettern will. „Ach“, sagt er lachend: „Der Verein konnte doch froh sein, dass ich nicht Skifahren gegangen bin. Das ist viel gefährlicher.“

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