Ex-Bayern-Stars erlebten die Monsterwelle live

Tsunami: Helmer und "Brazzo" hatten richtig Glück

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Brazzo Salihamidzic mit seiner Lebenspartnerin Esther.

München - Die früheren Bayern-Stars Brazzo Salihamidzic und Thomas Helmer kamen bei der Riesenwelle vor zehn Jahren mit dem Schrecken davon: "Kein Trauma" hätten sie davon getragen, erzählen sie heute.

Manche haben einfach Glück. Und manche nicht. Klingt banal, ist banal, klingt sogar grausam, aber die Welt kann grausam sein, und ab und zu gibt es einfach keine Erklärungen. Am 26. Dezember 2004 raubte ein Tsunami an den Küsten des Indischen Ozeans 230 000 Seelen das Leben. Die Riesenwelle legte eine Welt in Trümmer. Wer erfasst wurde, hatte so gut wie keine Chance. Wer überlebte, hatte Glück. Weil er zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war. Oft, ohne etwas dafür zu können.

Thomas Helmer (49) überlebte den Tsunami auf einer thailändischen Insel zum Beispiel, weil sein Bungalow der höchstgelegene in seiner Anlage war. Fünf Tage lang hatten sich er und seine Frau Yasmina Filali geärgert, da sie von allen Gästen jeden Morgen den weitesten Weg zum Strand zu bewältigen hatten. An jenem Morgen des zweiten Weihnachtsfeiertags entpuppte sich das vermeintliche Ärgernis als Segen. Auf der Terrasse erlebte das Ehepaar, vor Schreck erstarrt, wie das Wasser Meter um Meter anstieg, um knapp unter seinem Plateau endlich zu stoppen.

Hasan Salihamidzic.

Hasan Salihamidzic (37) überlebte den Tsunami zum Beispiel, weil die Malediven gerade so weit vom Epizentrum des Seebebens entfernt gewesen sind, dass dort alle mit dem Schrecken davonkamen. Der ehemalige Bayern-Star hockte mit seiner Familie beim Frühstück, als Ausläufer des Tsunamis über ihre Inselgruppe schwappten. „Plötzlich stand uns das Wasser bis zur Brust“, erinnert er sich. Seine Lebensgefährtin Esther und er balancierten die Kinder Selina und Nick auf den Händen über ihren Köpfen, als sie auf die andere Seite ihres Atolls wateten, um sich in Sicherheit zu bringen. Ein vorgelagertes Riff hatte die Welle entscheidend gebremst. Es gab auf den Malediven keine Opfer. Nur Geschockte.

Thomas Helmer.

Ex-Bayer Helmer und seine Frau mussten mehr durchmachen, wie Yasmina Filali im „ZDF“ bei Markus Lanz erfrischend offen darlegte. Sie sahen hilflos zu, wie die Welle Menschen verschluckte, wie sich die Wassermassen in die Zivilisation fraßen, unerbittlich, unaufhaltsam. Mit rund 80 Anderen flüchteten sie schließlich auf den höchsten Punkt der Insel, und dort begann das große Zittern. In jenem Dezember 2004 hatten außer Fachleuten und eventuell Fischern höchstens Leute eine Ahnung, wie ein Tsunami abläuft, die zuvor das damals populäre Buch „Der Schwarm“ von Frank Schätzing gelesen hatten. Das Ehepaar Helmer und die übrigen Überlebenden kauerten auf ihrem Hügel in der fürchterlichen Unsicherheit, was denn überhaupt passiert war – und wie es weitergehen sollte.

Die Sorge vor einer zweiten Welle ging um, vor Nachbeben etc., die moderne Welt hatte ja noch keine nennenswerten Erfahrungswerte. Zu allem Überfluss wurden die Flüchtlinge zudem noch vor Schlangen gewarnt, die sich instinktiv auf die Anhöhe zurückgezogen hatten und nach Anbruch der Dunkelheit aktiv werden würden. Helmer und seine Frau wagten sich mit zehn Weiteren zurück in ihren Bungalow. Bis Sonnenaufgang schob man abwechselnd Wache, um gewappnet zu sein, falls sich am Horizont noch einmal Wellen auftürmen würden.

Drei Tage später saßen sie auf einem Kahn, der sie nach Phuket überführte. Yasmina Filalis Schilderungen von der Fahrt sind grauenvoll, auf den Schaumkronen schaukelten abgetrennte Gliedmaßen und Treibgut aus zerstörten Häusern. Sie und ihr Mann hätten danach nie über die Erlebnisse geredet, erzählt sie. Jeder verarbeitet Schrecken auf seine Art. Helmer, der inzwischen die Kultsendung „Doppelpass“ auf „Sport1“ moderiert, fand seinen Frieden offenbar im Schweigen.

Salihamidzic sagt: „Ich bin froh, dass ich meine Familie gerettet habe und wir gesund da rausgekommen sind. In so einer Situation wird dir plötzlich klar, dass es in kürzester Zeit mit deinem Leben vorbei sein kann.“ Als damals, einen Monat später, auf Schalke ein Benefizspiel für die Flutopfer inszeniert wurde, machte der Bosnier sofort mit: „Das ist ja ganz normal, dass ich da natürlich helfen wollte.“

Er hat die ganze Sache verarbeitet, erfreulich schnell sogar. „Ich habe kein Trauma“, sagte er schon einige Tage danach, „das ist abgeschlossen.“ Er meide Strandgebiete nicht: „Naturkastrophen können ja überall passieren.“ Die Worte waren glaubhaft – als er sie sagte, saß er im „Jumeirah Beach Ressort“, einer Bungalowanlage direkt an Dubais Küste. Dort hatte der FC Bayern Trainingslager bezogen.

Auch sein aktuelles Profilbild im „Social Media“ zeigt Salihamidzic am Strand. Das Leben geht weiter. Ebenfalls eine banale Weisheit. Aber auch sie gehört zum Leben.

Andreas Werner

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