Markwort: "Hätte beim Bayern-Spiel tot umfallen können"

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FC-Bayern-Funktionär Helmut Markwort (links unten) mit dem Führungstrio des deutschen Rekordmeisters

München - Focus-Gründer und FC-Bayern-Funktionär Helmut Markwort ist überzeugt, dass er beim verlorenen CL-Finale tot umfallen hätte können. Wir erklären, wie ihn die Ärzte gerettet haben.

Eine plötzliche Herzattacke – Helmut Markwort durchlebte diesen realen Albtraum in einem Moment, in dem er eigentlich entspannen wollte: Nach dem Besuch einer Theatervorstellung wurden die Schmerzen in Brust, Arm und Hals so schlimm, dass er statt ins Bett ins Krankenhaus ging. Heute weiß der Focus-Gründer und FC-Bayern-Funktionär, dass er in Lebensgefahr schwebte – er hätte jeden Moment einen tödlichen Infarkt erleiden können. Dabei hatte er ein völlig normales EKG. In der tz schildern Markwort und sein Arzt den dramatischen Notfall.

„Ich hätte beim Bayern-Spiel tot umfallen können“

Der Mann ist bekennender Daueroptimist – und auch sein trockener Humor hat die OP-Strapazen unbeschadet überstanden: „Ich glaube ja, dass meine Herzprobleme mit Chelsea zu tun hatten“, analysiert der glühende Bayern-Fan Helmut Markwort augenzwinkernd, „schließlich war das Champions-League-Finale so herzzerreißend, dass es selbst ein Gesunder kaum aushalten konnte.“

Wie in jedem Scherz steckt auch in diesem ein Körnchen Wahrheit. Heute weiß Markwort: „Ich hätte beim Bayern-Spiel tot umfallen können.“ Sein Arzt Dr. Walter Eichinger bestätigt, wie ernst es um den 75-jährigen Patienten bei dessen Eintreffen im Bogenhausener Krankenhaus bestellt war: „Es war eine sehr ernste Situation. Wir mussten ihn schnell operieren!“

Jeder Mensch hat drei Herzkranzgefäße – bei Markwort waren alle bereits stark eingeengt. Schon eine kleinere körperliche Belastung, beispielsweise eine leichte Wanderung, hätte einen schweren Infarkt auslösen können. „Wenn der Blutdruck steigt, können sich die Plaques in den Gefäßen lösen“, erklärt Dr. Eichinger. Diese Plaques (Ablagerungen) verbinden sich mit den Blutblättchen (Thrombozyten; Thrombos kommt aus dem Altriechischen und heißt übersetzt Klumpen; die Red.). „Dann bildet sich eine Art Pfropfen, und das betroffene Gefäß macht schlagartig zu. Die Folge: Ein Teil des Herzmuskels stirbt ab – das nennt man einen Infarkt.“

Zum Glück blieb dieser gesundheitliche Super-Gau aus – auch deshalb, weil Markwort und seine Ärzte alles richtig gemacht haben.

Am Freitag vorvergangener Woche schlug Markworts Körper erstmals Alarm: „Ich hatte Schmerzen im linken Arm, ein Ziehen, das bis in den Hals ausstrahlte“, erinnert sich Markwort. „Zunächst dachte, ich hätte was am Kiefer. Als die Schmerzen immer heftiger wurden, habe ich geahnt: So müssen sich typische Angina-Pectoris-Beschwerden anfühlen.“ Mediziner verstehen darunter eine Enge in der Brust, anfallartige Schmerzen, die von einer Durchblutungsstörung des Herzens herrühren.

Markwort ruft seinen Arzt an, bittet um einen Termin in den nächsten Tagen. Aber der Mediziner schickt den Patienten sofort in die Apotheke. Markwort: „Ich sollte mir gefäßerweiternde Medikamente holen und anschließend direkt ins Krankenhaus fahren.“

Im Klinikum Bogenhausen läuft die Diagnose-Maschinerie an (siehe Artikel unten). Schnell ist klar, dass Markwort unters Messer muss. „Ich habe gehofft, dass ich die OP ein paar Tage hinauszögern kann“, gesteht der 75-jährige Workaholic, „ich wollte erst noch meine nächste Fernsehsendung über die Bühne bringen.“ Markwort ist Gastgeber des „Sonntags-Stammtisch“, der jede Woche ab 11 Uhr im Bayerischen Fernsehen zu sehen ist.

Diesmal lief ein anderer Film ab – zum Glück mit Happy End: Die Ärzte legten Markwort vier Bypässe, und der Patient hat’s gut überstanden: „Bald kann ich wieder an meinem Traum arbeiten, bei einem Musical mitzusingen.“

Ein normales EKG ist keine Garantie

Die Tücken des Herzinfarkts – seine Früherkennung kann ausgesprochen schwierig sein. Helmut Markworts Fall ist ein Paradebeispiel dafür.

Als der Patient mit Schmerzen im Klinikum Bogenhausen eintraf, schrieben die Ärzte zunächst ein EKG. Dieses war völlig unauffällig. „Ein EKG ist zwar ein wichtiges Diagnoseverfahren“, erklärt der Chefarzt der Herzchirurgie, Dr. Walter Eichinger, „aber ein unauffälliges EKG ist keine Garantie dafür, dass an den Herzkranzgefäßen wirklich alles in Ordnung ist.“ Ebensowenig wie ein unauffälliger Befund im so genannten Herzecho – eine Untersuchung mit einem speziellen Ultraschallgerät. „Wenn man Verengungen an den Kranzgefäßen vermutet, bringt nur eine Herzkatheter-Unteruschung absolute Klarheit“, erläutert Dr. Eichinger.

Dabei wird ein Mini-Schlauch durch die Leiste bis ins Herz vorgeschoben und Kontrastmittel eingespritzt. Mit Hilfe eines Röntgengeräts können die Ärzte dann erkennen, ob Engstellen vorhanden sind. In Markworts Fall war das Ergebnis alarmierend: Alle drei Kranzgefäße waren hochgradig verengt. Dazu kamen auffällige Blutwerte (Herz­enzyme).

So schied auch die Möglichkeit aus, dem Patienten Stents zu implantieren. Diese Röhrchen sollen das Gefäß offen halten. Sie werden durch den Katheter-Schlauch an die Engstelle transportiert und dort verankert. „Bei Helmut Markwort wären aber zu viele Stents erforderlich gewesen“, weiß Herzspezialist Eichinger.

Deshalb entschieden sich die Bogenhausener Ärzte dazu, Bypässe zu legen. Das sind praktisch Umleitungen an den beschädigten Gefäßen: Die Chirurgen entnehmen gesunde Arterien oder Venen an anderen Körperstellen, zum Beispiel die innere Brustwand­arterie, und überbrücken damit die Engstellen an den Kranzgefäßen.

Andreas Beez

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